Telefonieren auf der Datenautobahn

Adieu ISDN, hallo All-IP

| Autor / Redakteur: Petra Adamik / Sylvia Lösel

All-IP und NGN: Schlagworte der Kommunikation von morgen
All-IP und NGN: Schlagworte der Kommunikation von morgen (Bild: © Elnur - Fotolia.com)

Bis 2018 wird die Deutsche Telekom analoge und ISDN-Anschlüsse vom Netz nehmen. Dienste wie Telefonie, Fernsehen und Mobilfunk werden zukünftig unter Einsatz der Paketvermittlung über Computernetze bereitgestellt. Auch die anderen Provider werden zwangsläufig nachziehen. All-IP wird zum Standard.

Die Umstellung auf computerbasierte Telefonie ist in vielen Regionen bereits in vollem Gange. Immer mehr Unternehmen müssen sich von ihrem bisherigen ISDN-Anschluss verabschieden. Das hat Auswirkungen auf viele Bereiche, denn es geht ja nicht nur um einen reinen Telefonanschluss. ISDN wird neben der Telefonie häufig auch zur Datenübertragung und für andere Anwendungen wie SMS, Video- und Audiokonferenzen oder verschiedene Dienste eingesetzt. So betreiben Unternehmen die Schließanlage ihrer Räume oder die Alarmanlage über ISDN.

Teure Umstellung

Die IP-Umstellung hat daher für die meisten Unternehmen nicht nur organisatorische Konsequenzen. Vielmehr müssen Entscheider häufig auch richtig Geld in die Hand nehmen, um ihr Unternehmen fit für die schöne, neue Welt der Telekommunikation zu machen. So stellt sich die Frage, ob sich die vorhandene Telekommunikations-Anlage in das IP-Umfeld integrieren lässt, und wenn ja, wie hoch der organisatorische, administrative und finanzielle Aufwand dafür ist. Rechnet sich die Migration oder ist es ratsamer, statt der klassischen TK-Anlage gleich auf Cloud-Telefonie zu setzen? Diese Frage sollten sich die Verantwortlichen stellen, bevor All-IP Einzug halten kann.

Die SIP-Variante

Unternehmen, die ihre bisherige Telefonie-Lösung durch eine aus der Cloud ersetzen wollen, können sich in der Regel von der alten TK-Anlage verabschieden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Anlage bei einem SIP-Trunk-Anbieter anzuschalten. Das funktioniert aber nur, wenn die Anlage diese Vorgehensweise unterstützt. Ist das der Fall, kann sie weiter im Einsatz bleiben. Allerdings fallen die aus ISDN-Zeiten gewohnten Funktionen weg.

Ist eine Anlage nicht SIP-fähig, besteht die Option, diese über ein sogenanntes Media-Gateway anzuschließen, wenn der Provider diese Vorgehensweise unterstützt. Das Media-Gateway bietet einen ISDN-Anschluss, der auf einen SIP-Trunk umgesetzt wird. Allerdings ermöglicht auch dieser ISDN-Anschluss nicht mehr alle klassischen ISDN-Funktionen. Beim Umstieg auf eine Telefonanlage in der Cloud dagegen bleiben klassische ISDN-Features wie „Halten“, „Makeln“, „Transfer“, „Vermitteln“ oder „Besetzt“ erhalten.

Beratungsintensives Thema

Solche Entscheidungen werden aber in der Regel nicht über’s Knie gebrochen. Vielmehr sind Rat und Expertise von Beratern gefragt, um alle Optionen abzuwägen und die richtige Investitionsentscheidung zu treffen. All-IP ist eine Chance für Systemhäuser und den Channel, um Kunden kompetent zu beraten, auf eine zukunftsorientierte Lösung einzuschwören und langfristig an sich zu binden.

Moderne Geschäftsprozesse verlangen eine hochverfügbare und stabile Infrastruktur sowie immer höhere Übertragungskapazitäten. Umso erstaunlicher ist es, dass sich deutsche Mittelständler häufig mit langsamen Internetverbindungen begnügen. Eine repräsentative Untersuchung des Hightech-Verbands Bitkom hat ergeben, dass bei Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitern rund ein Viertel (24 Prozent) Übertragungsraten von weniger als zehn Mbit/Sekunde gebucht hat. Mehr als die Hälfte (60 Prozent) surft mit zehn bis 50 Mbit/Sekunde. Und lediglich sieben Prozent nutzen das Web mit mehr als 50 Mbit/Sekunde. Befragt wurden 1.108 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern aus allen Branchen.

Fördermöglichkeiten

Dabei wären in vielen Regionen technisch bereits erheblich höhere Geschwindigkeiten möglich, wie der Breitbandatlas der Bundesregierung zeigt. Demnach konnten bereits Ende 2015 gut 67 Prozent der Unternehmen an Gewerbestandorten selbst dann über eine Bandbreite von mehr als 50 Mbit/Sekunde verfügen, wenn sie keine speziellen Business-Angebote wie Standleitungen oder eine Anbindung per Richtfunk nutzen wollten. Und Anfang 2016 ist zudem das Breitband-Förderprogramm des Bundes angelaufen, das im Jahr 2016 in unterversorgten Regionen die ersten Ausbauprojekte fördern wird. Für den Ausbau schneller Internetverbindungen mit mindestens 50 Mbit/s stellt der Bund 2,1 Milliarden Euro bereit. Aus diesem Topf können Kommunen und Landkreise bis zu 50.000 Euro für Beratungsleistungen beantragen. Mit bis zu 15 Millionen Euro pro Projekt wird die Umsetzung von Ausbauprojekten gefördert. Aufgestockt werden die Bundesmittel um zusätzliche Fördergelder der Länder.

Von der Kriech- auf die Überholspur

Einen Grund dafür, warum viele Mittelständler im Internet immer noch auf der Kriechspur unterwegs sind, sieht Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder im niedrigen Digitalisierungsgrad innerhalb vieler Unternehmen. Der Umfrage zufolge nutzen bislang lediglich 30 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern Cloud-Lösungen. „Mit fortschreitender Digitalisierung und mit der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle werden digitale Anwendungen wie Cloud Computing oder Big-Data-Analysen, Videokonferenzen oder Virtual-Reality-Anwendungen auch in mittelständischen Unternehmen vermehrt zum Einsatz kommen müssen “, mahnt Rohleder. Das gilt auch für kleine und mittelgroße Unternehmen. Viele von ihnen sind sogenannte „Hidden Champions“, die im weltweiten Wettbewerb Spitzenpositionen belegen. Sie brauchen die digitale Transformation, um ihre Marktführerschaft zu festigen und auszubauen. Dafür ist die Telekommunikation ein essenzielles Werkzeug.

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