Embedded-OS 22 Betriebssysteme für den Raspberry Pi

Neueinsteiger greifen zur Standarddistribution Raspbian, Microsoft möchte Windows 10 auf den Einplatinenrechner pushen. Allerdings gibt es für das Raspberry Pi noch viele weitere OS-Alternativen. Hier ist für fast jeden Geschmack ein Betriebssystem dabei - ob schlankes Maker-System, handliches Media Center, Netzwerk-bootbares Multiuser-OS oder obskure Unix-Variante.

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Von Beginn an war das Debian-basierte Raspbian das empfohlene Einsteiger-Betriebssystem für alle Varianten des Raspberry Pi. Für Einsteiger, Fortgeschrittene oder Experimentierfreudige existiert allerdins eine breite Anzahl an Betriebssystem-Alternativen für den Einplatinenrechner.
Von Beginn an war das Debian-basierte Raspbian das empfohlene Einsteiger-Betriebssystem für alle Varianten des Raspberry Pi. Für Einsteiger, Fortgeschrittene oder Experimentierfreudige existiert allerdins eine breite Anzahl an Betriebssystem-Alternativen für den Einplatinenrechner.
(Bild: Natika - Fotolia.com)

In erster Linie als Linux-System für Einsteiger in die Programmierung und Bastler für IoT-Anwendungen bekannt, erlangt der Minicomputer Raspberry Pi auch zunehmend für industrielle Lösungen Aufmerksamkeit . Hatte sich der Einplatinenrechner bis Oktober 2015 weltweit bereits über 7 Millionen Mal verkauft, dürfte diese Zahl nach dem Erscheinen der 5-Dollar-Variante Raspberry Pi Zero und dem derzeitigen Spitzenmodell Raspberry Pi 3 noch einmal gewaltig gewachsen sein.

Anmerkung der Redaktion: Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Update des ursprünglichen Artikels"15 Betriebssysteme für den Raspberry Pi"vom 21. Mai 2015.Im Juli 2017 haben wir diesen Beitrag erneut komplett überarbeitet und ergänzt. Die aktuelle Fassung finden Sie hier: 40 Betriebssysteme für den Raspberry Pi.

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Für den ersten Start empfiehlt die Raspberry Pi Foundation, die Programmsammlung NOOBS (New Out Of the Box Software) zu verwenden. Der NOOBS-Installer stellt einem in der aktuellen Version 1.9 beim ersten Systemstart fünf empfohlene Betriebssysteme zur Auswahl. Neben dem Standard-OS Raspbian sind das derzeit die Mediacenter-Systeme OpenELEC und OSMC, RISC OS sowie Microsofts Windows 10 IoT Core.

Damit sind die Möglichkeiten aber noch lange nicht erschöpft: Für den Raspberry Pi existieren noch zahlreiche unterschiedliche Linux-Varianten, die sich an unterschiedliche Geschmäcker richten und verschiedene Spezialitäten oder Anwendungsmöglichkeiten mit sich bringen. Selbst abseits des weit verbreiteten, freien OS haben sich zahlreiche Entwickler bemüht, auch andere Betriebssysteme auf den Einplatinenrechner zu portieren. Neben dem Standard-OS Raspbian möchten wir daher an dieser Stelle 20 Betriebssysteme vorstellen, die Sie als Alternative auf Ihrem Raspberry Pi einsetzen können.

Das Debian-basierte Raspbian ist das empfohlene Einsteiger-Betriebssystem für alle Varianten des Raspberry Pi. Die aktuelle Version, Raspbian "Jessie", wurde im März 2016 auf Kernel-Version 4.1 aktualisiert.
Das Debian-basierte Raspbian ist das empfohlene Einsteiger-Betriebssystem für alle Varianten des Raspberry Pi. Die aktuelle Version, Raspbian "Jessie", wurde im März 2016 auf Kernel-Version 4.1 aktualisiert.
(Bild: Screenshot / Raspberry Pi Foundation)

Das Standardsystem für Einsteiger: Raspbian

Mit Abstand am weitesten verbreitet ist das Debian-basierte Raspbian. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen handelt es sich um das Betriebssystem, das offiziell von der Raspberry Pi Foundation unterstützt wird, was es effektiv zur Standarddistribution macht. Zum anderen wurde es von Beginn an auf das direkte Zusammenspiel mit der Raspberry Pi Hardware hin optimiert. Zudem ist Debian eine sehr einsteigerfreundliche Linux-Distribution mit einer fensterbasierten GUI, die es selbst Einsteigern leicht macht, sich an den Umgang mit der kleinen Platine schnell zu gewöhnen.

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Dieses Zusammenspiel sorgt für eine große öffentliche Aufmerksamkeit und eine aktive Community, die die Distributionen pflegt und kontinuierlich weiterentwickelt. Zudem existiert für dieses Betriebssystem bereits von Anbeginn an eine große Anzahl an Bildungs- und Lerntools für Programmierung oder Entwicklung, die sich sowohl an Anfänger als auch an fortgeschrittene Nutzer richten. All dies hat Raspbian fest als das Standard-Betriebssystem für Raspberry-Pi-Anwendungen etabliert.

Die frühen Raspbian-Versionen basierten auf dem dritten Debian-Kernel, genannt „Wheezy“. Der zum Zeitpunkt dieses Artikels aktuellste OS-Stand, Raspbian „Jessie“, verwendet Kernel-Version 4.1 (stand 18. März 2016). Das Betriebssystem ist damit noch einmal eine Spur Einsteigerfreundlicher geraten: Statt in dem Terminal startet Raspbian nun standardmäßig direkt in die grafische Nutzeroberfläche. Neben einer verbesserten Performance bekam das OS zudem einige zusätzliche Komfortfunktionen spendiert, etwa ein integriertes LibreOffice, grafische Konfigurationsmenüs oder ein Auswurfknopf zum sicheren Entfernen von USB-Geräten direkt auf dem Desktop.

Das Raspberry Pi 2 ist stark genug, auch die aktuelle Distribution von Ubuntu als Betriebssystem zu verwenden. Eine Anwendung wie LibreOffice läuft unter Ubuntu Mate 15.10 auf dem Raspberry Pi 2 relativ flüssig.
Das Raspberry Pi 2 ist stark genug, auch die aktuelle Distribution von Ubuntu als Betriebssystem zu verwenden. Eine Anwendung wie LibreOffice läuft unter Ubuntu Mate 15.10 auf dem Raspberry Pi 2 relativ flüssig.
(Bild: Robert di Marcoberardino/Screenshot)

Ubuntu-Variationen: Ubuntu Mate, PiNet und Snappy Ubuntu Core

Im Laufe der Zeit haben sich einige Entwickler daran gemacht, auch andere Debian-basierte Linux-OS-Varianten auf das Raspberry Pi zu portieren. Eine der jüngsten, aber vielversprechendsten Distributionen ist hier Ubuntu Mate, eine Umsetzung des wohl am weitesten verbreiteten Linux-Betriebssystems. Seit dem leistungsstärkeren Raspberry Pi 2 ist es relativ einfach möglich, die neueren Builds von Ubuntu auf den Einplatinenrechner zu übertragen.

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Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist Ubuntu Mate 15.10 (Wily Werewolf) die aktuellste Variante des OS. Nutzer, die ein einheitliches OS für alle ihre Computeranwendungen bevorzugen, dürfte diese Debian-Variante auf Ihrem Raspberry Pi sehr zusagen. Die Linux-Distribution konnte im Praxistest auf einem Raspberry Pi 2B überzeugen. Am 29. Februar 2016 erschien von dieser Distribution auch eine an das Raspberry Pi 3B angepasste Version, um die gesteigerte Leistung des Einplatinenrechners voll ausschöpfen zu können, ohne dass Anwender Treiberanpassungen von Hand vornehmen müssen. Die aktuellere Version Ubuntu Mate 16.04 befindet sich derzeit in der Beta-Phase, ein stabiles Release wird Ende April 2016 erwartet.

Als eine „Klassenzimmerlösung“ versteht sich PiNet, das ebenfalls auf Ubuntu aufsetzt. PiNet ist ein Raspberry-Pi-OS, das als Client-System über ein lokales Netzwerk gebootet werden kann, während ein Ubuntu-PC als Host dient. Anwender können somit ein günstiges, Raspberry-Pi-basiertes Netzwerksystem anlegen: Useraccounts werden zentral auf einem Server gespeichert, Anwender melden sich an einem beliebigen PiNet-Rechner innerhalb des LAN-Netzes an und erhalten umgehend Zugriff auf Ihre individuellen Daten und die am Account installierte Software. Aus Gründen von Bandbreite und Geschwindigkeit unterstützt PiNet ausschließlich Ethernet-Verbindungen, ein Support für WiFi-Dongles existiert offiziell nicht. Auch PiNet unterstützt bereits das Raspberry Pi 3 Model B.

Ein weiterer, speziell auf Cloud-Computing und das Internet der Dinge (IoT; Internet of Things) ausgelegter Ubuntu-Ableger ist derzeit offiziell nur für das Raspberry Pi 2 verfügbar. Das minimalistische Snappy Ubuntu Core für Raspberry Pi wird über ein Terminal mit einer Handvoll einfacher Befehle gesteuert. Im Unterschied zu Debian oder sonstigen Ubuntu-Varianten wird Snappy nicht über den Paketmanager Apt gesteuert. Vielmehr besitzt Snappy ein eigenes Paketformat mit abweichender Befehlsstruktur, das das Paketieren von Web-Apps vereinfachen soll. Einsteiger in das Internet der Dinge finden hier eine gute, leicht aufzusetzende Plattform, die Dank einer aktiven Community bereits einen ordentlichen Schatz an direkt verwendbaren IoT-Anwendungen besitzt.

Arch Linux mit GNOME 3.2: Die flexible Linuxvariante ist sehr ressourcensparend, erfordert aber mindestens fortgeschrittene Kentnisse.
Arch Linux mit GNOME 3.2: Die flexible Linuxvariante ist sehr ressourcensparend, erfordert aber mindestens fortgeschrittene Kentnisse.
(Bild: Andrea `BaSh` Scarpino)

Schlankes OS für Fortgeschrittene und Profis: Arch Linux

Arch Linux ist bei vielen Hobbyentwicklern in der Linuxszene als flexibles, ressourcensparendes Betriebssystem beliebt. Zudem bietet das OS den Vorteil, dass es auch in einer für ARM Prozessoren optimierten Distribution vorliegt, was es speziell für den Umgang mit dem Raspberry Pi gut eignet. Im Laufe der Zeit wurde das Betriebssystem immer mehr auf die Hardware des Einplatinenrechners optimiert: So unterstützt Arch Linux die Pi-Kamera-Schnittstelle und die GPOI-Pins.

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Diese Linuxvariante lässt sich auch sehr stark auf individuelle Bedürfnisse anpassen, was sie gerade für viele Bastlerprojekte attraktiv macht. Allerdings schöpft Arch Linux die Möglichkeiten der auf dem Raspberry Pi 3 eingesetzten ARMv8-Architektur zum gegenwärtigen Stand (März 2016) noch nicht vollumfänglich aus.

Die große Flexibilität des Betriebssystems ist aber auch gleichzeitig eine der größten Hürden, denn Arch Linux ist alles andere als einsteigerfreundlich. Eine GUI ist nativ nicht vorhanden, das ressourcenarme OS bootet direkt in die Kommandozeile. Für die Bedienung wird bereits ein umfassendes Linux-Grundwissen vorausgesetzt: anders als Raspbian hält Arch Linux kein benutzerfreundliches Konfigurationsmenü bereit, alles muss von Hand eingerichtet werden.

Wer allerdings bereits mit allen Feinheiten des Systems vertraut ist, für den ist Arch Linux sehr attraktiv: Es lässt sich gezielt nur auf die Funktionen, die auch wirklich für ein Projekt benötigt werden, zurechtstutzen, wodurch mehr Rechenleistung und Speicher für die eigentlichen Anwendungen bleiben.

Wer früher gerne Pidora auf dem Raspberry Pi eingesetzt hat oder generell Fedora gegenüber Debian (und dem Debian-Derivat Raspbian) bevorzugt, kann inzwischen zu Fedberry greifen. Die für das Raspberry Pi 2 optimierte Linux-Distribution ist ein Remix des aktuellen Fedora 23 und kann auf dessen App-Repository zurückgreifen.
Wer früher gerne Pidora auf dem Raspberry Pi eingesetzt hat oder generell Fedora gegenüber Debian (und dem Debian-Derivat Raspbian) bevorzugt, kann inzwischen zu Fedberry greifen. Die für das Raspberry Pi 2 optimierte Linux-Distribution ist ein Remix des aktuellen Fedora 23 und kann auf dessen App-Repository zurückgreifen.
(Bild: Fedberry.org)

Weitere Linux-Beispiele: Fedberry, Kali und OpenSUSE

Eine lange Zeit ebenfalls weit verbreitete Alternative, die lange Zeit auch im NOOBS-Installer integriert war, war die Fedora-basierte Linux-Distribution Pidora. Diese Linux-Variante war ab 2014 auf die in den Raspberry-Pi-1-Modellen verwendete ARMv6-Architektur zugeschnitten. Allerdings wird Pidora bereits seit geraumer Zeit nicht mehr weiterentwickelt, so dass sich das OS bereits auf dem Raspberry Pi 2 nicht mehr vernünftig einsetzen ließ.

Dafür springt hier der Fedora 23 Remix Fedberry in die Bresche. Dieses OS läuft auch auf den Modellen Raspberry Pi 2 sowie 2B und bietet Zugriff auf das umfangreiche Angebot an vorgefertigten Packages der aktuellen Fedora-23-Fassung. Im Vergleich zu Arch Linux – und, je nach Anwendung, auch zu Raspbian – hat Fedberry allerdings immer noch gelegentlich mit Geschwindigkeitsproblemen zu kämpfen. Anfänger oder Linux-Nutzer, die Fedora gegenüber Debian bevorzugen, sollten allerdings gut mit diesem Betriebssystem zurechtkommen. Grundsätzlich ist es zwar möglich, Fedora 23 auch direkt auf einem Raspberry Pi 3 Model B zu installieren. Allerdings ist hierbei mit deutlichen Leistungseinschränkungen zu rechnen, da – ähnlich wie bei Arch Linux - die zugrunde liegende ARMv8-Prozessorarchitektur noch nicht voll unterstützt wird.

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Eine vergleichsweise junge Linux-Distribution, um die sich aber schnell eine große Fangemeinde gebildet hat, ist Kali Linux. Das 2013 erstmals veröffentlichte Betriebssystem basiert ursprünglich auf Debian und ist speziell auf Sicheheitstests und –anwendungen optimiert. Kali Linux wurde schnell auf diverse Prozessorarchitekturen angepasst und unterstützt seit Version 1.0.9 (August 2014) auch das Raspberry Pi B+. Version 2.1.2 von Kali lässt sich auch auf dem Raspberry Pi 2 und dem Raspberry Pi 3 installieren.

Neben den hier genannten haben auch andere Linux-Varianten auf die eine oder andere Art ihren Weg auf den Einplatinenrechner gefunden. So unterstützt etwa auch OPENSuse, früher weit verbreitet und in Deutschland noch mit einer treuen Fangemeinde, die ARM-Prozessorarchitektur und lässt sich auch für den Einsatz auf dem Raspberry Pi 2 anpassen. Allerdings ist das OS nicht optimal auf die Hardware des RasPi zurechtgeschnitten, so dass die Installation von OpenSUSE auf dem Einplatinenrechner nur wirklich eingefleischten Fans zu empfehlen ist.

Auch andere Linix-Distributionen haben einen Weg auf den Einplatinenrechner gefunden, so etwa gentoo. Ähnlich wie auch OpenSUSE sind diese aber in der Regel nicht für einen idealen Einsatz auf dem Raspberry Pi ausgereift.

Speziell für embedded devices wie beispielsweise Router gedacht: Das linuxbasierte OpenWRT
Speziell für embedded devices wie beispielsweise Router gedacht: Das linuxbasierte OpenWRT
(Bild: Screenshot)

Für Spezialanwendungen: OpenWRT, Max2Play und Volumio

Seit der Einführung von Linux haben sich zahlreiche verschiedene Distributionen des freien Betriebssystems entwickelt, die verschiedene Geschmäcker bedienen und unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen. Im Gegensatz zu den zuvor genannten Systemen sind diese zwar nicht so weit verbreitet, haben aber bereits für bestimmte Anwender und Gebiete ihre Nischen gefunden. Eine der interessanteren Linux-Portierungen für das Raspberry Pi ist hier OpenWRT, ein offenes, Linux-basiertes Betriebssystem für Embedded Computing. OpenWRT wurde ursprünglich speziell für den Einsatz von Routern aufgebaut, ist inzwischen aber auch für andere Einsatzgebiete mit dem Schwerpunkt auf Wireless-Betrieb optimiert. OpenWRT ist ein offenes, von einer aktiven Community getriebenes Projekt und legt großen Wert auf hohe Flexibilität und einfache Gestaltungsmöglichkeiten für Embedded Devices.

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Eine Lösung zur schnellen Umsetzung spezifischer Anwendungen stellt das kommerziell auftretende Max2Play dar. Ursprünglich für den Einplatinenrechner Odroid konzipiert, ist dieses System nun auch für Raspberry Pi 2 und 3 verfügbar. Hinter dem Konzept steckt eine abgewandelte Raspbian-Distribution, die dem NOOBS-Installer der Raspberry Pi Foundation. Über eine browserbasierte Anwenderoberfläche sollen Nutzer selbst ohne tiefergehende Linux-Kenntnisse unkompliziert auch parallel mehrere als Plug-Ins bezeichnete Applikationen wie Mediacenter oder Hausautomatisierung einrichten und konfigurieren können.

Die Idee ist solide und der Umgang, solange man sich nur mit den Basiseinstellungen befasst, recht einfach geraten. So ganz ohne Linux-Vorkenntnisse, wie der Hersteller verspricht, kommt man allerdings aktuell bei dem OS nicht aus, wenn es etwa um die Konfiguration von USB-Geräten geht. Zudem sind bestimmte „Premium“-Anwendungen erst gegen eine Lizenzgebühr verfügbar. Wer allerdings nach bestimmten Komplettlösungen für das Raspberry Pi sucht, ohne groß selbst basteln zu müssen, kann einmal einen Blick auf das vorhandene Max2Play-Angebot werfen. Wer lieber ausgiebig selbst Hand anlegt, greift eher zu einem anderen spezialisierten OS oder gleich zum zuvor erwähnten ArchLinux.

Wer das Raspberry Pi als reines Audiosystem betreiben möchte, sollte einmal einen Blick auf die OS-Lösung Volumio werfen. Dabei handelt es sich um eine abgespeckte, spezialisierte Raspbian-Variante, die den Musikserver mpd verwaltet und sich über ein Webinterface per Smartphone, Tablet oder PC fernsteuern lässt. Die Einrichtung und das Einhängen von USB-Geräten wie etwa leistungsfähigeren Soundkarten oder einer NAS sind selbst für Laien angenehm unkompliziert. Das Diskimage ist für verschiedene Einplatinenrechner vorhanden, darunter auch seit Februar 2016 auch für das Raspberry Pi 2. An einer Lösung für das Raspi 3 wird derzeit gearbeitet.

OpenELEC ist ein schlankes, schnelles Betriebssystem für diejenigen, die ihr Raspberry Pi als heimisches Media Center nutzen möchten.
OpenELEC ist ein schlankes, schnelles Betriebssystem für diejenigen, die ihr Raspberry Pi als heimisches Media Center nutzen möchten.
(Bild: Screenshot)

Mediacenter und Spielstationen: OpenELEC, OSMC und RecalBox

Eines der beliebtesten Einsatzgebiete des Rasberry Pis als energiesparendes Mediacenter ist das Abspielen von Film-, Audio- und Bilddateien über das heimische Netzwerk. Diese de facto eingebetteten Systeme sind zwar sehr spezialisiert, aber entsprechend ausgereift und erfreuen sich gerade bei Heimanwendern großer Beliebtheit. Die offenen, frei erhältlichen Betriebssysteme verwandeln das RasPi auch ohne große Entwickler- oder Programmierfertigkeiten in einen Mediaplayer mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Im Laufe der Jahre haben sich hier in erster Linie zwei Distributionen hervorgetan, die auch beide zu empfehlenswerten Standardinstallationen der NOOBS-Sammlung zählen. Sie basieren auf dem ursrpünglichen XBMC (Xbox Media Center), heute unter dem Namen Kodi bekannt. OpenELEC ist eine sehr schlanke Variante, die vor allem auf den frühen Raspberry Pi Modellen durch die optmierte Leistung überzeugen konnte. Auch auf den neueren Raspi-Modellen liefert besitzt das Mediacenter eine äußerst gute Video-Performance. Zudem lässt sich OpenELEC inzwischen, dank einer aktiven Community, auch durch diverse Plugins erweitern. Am System selbst ist hingegen nicht viel Feintuning möglich.

Letzteres ist einer der Vorzüge von OSMC, der offizielle Nachfolger des früher weit verbreiteten RaspBMC. Dieses System besitzt nicht nur eine flüssige Benutzerführung, sondern erlaubt mehr Spielraum für Konfiguration und Anpassungen auf tiefergehender Linux-Ebene, was vor allem für Bastler und fortgeschrittene Programmierer interessante Optionen bietet. Auch für OSMC sind diverse Add-ons vorhanden.

Das Kodi Media Center ist auch Bestandteil des Recalbox-OS, das sich allerdings mehr an Zocker und Retro-Fans richtet. Neben dem auf seine wesentlichen Grundfunktionen beschränkten, bewährten Mediaplayer hält dieses System über 30 Emulatoren parat, darunter klassische Konsolen wie das Atari 2600, die originale Sony Playstation oder die Adventure-Umgebung ScummVM. Über das heimische Netzwerk können Anwender sogenannte ROM-Dateien in den Emulator ihrer Wahl laden. Aus rechtlichen Gründen hält Recalbox keine originalen Spiele von anno dazumal parat. Dem Image liegen aber einige lizenzfreie Public-Domain-Titel bei, mit dem neugierige Zocker das System schnell testen können.

Das auf ARM-Prozessoren spezialisierte RISC OS war schon von früh auf eine Alternative zu den überwiegend Linux-basierten Betriebssystemen für das Raspberry Pi.
Das auf ARM-Prozessoren spezialisierte RISC OS war schon von früh auf eine Alternative zu den überwiegend Linux-basierten Betriebssystemen für das Raspberry Pi.
(Bild: Screenshot)

Außerhalb der Linux-Welt: RISC OS, Windows 10 IoT Core und FreeBSD

Eine bereits seit längerer Zeit etabliertere Alternative zu den Linux-Betriebssystemen auf dem Raspberry Pi ist RISC OS. Ursprünglich Ende der 80er Jahre von der britischen Firma Acorn für den ARM-basierten Archimedes-Heimcomputer entwickelt, wird das OS seit 2006 in einer offenen Variante weiter gepflegt. Da es speziell für den Einsatz auf ARM-Architektur ausgelegt ist, eignete sich das schnelle und auf kooperatives Multitasking ausgelegte Betriebssystem gut für den Einsatz auf schlanken, sparsamen Einplatinenrechnern. RISC OS fand schon 2008 seinen Weg auf die BeagleBoards und findet seit 2012 auch auf dem Raspberry Pi eine aktive Fangemeinde. RiscOS zählt auch zu den Betriebssystem, die von der Raspberry Pi Foundation als Alternative zu Raspbian empfohlen werden.

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Versuche, Windows-Betriebssysteme auf dem Raspberry Pi zum Laufen zu bekommen, schlugen in der Vergangenheit meist fehl. Windows-Systeme sind meist sehr Hardwarehungrig, so dass die frühen Raspberry Pi Modelle nicht die nötige Leistung aufbringen konnten. Zudem waren frühere Windows-Versionen meist nicht auf die ARM-Prozessorarchitektur ausgelegt, so dass ein stabiler Betrieb nicht möglich war. Selbst das eigentlich auf ARM-Betrieb ausgelegte Betriebssystem Windows RT benötigte mindestens 1 Gigabyte RAM, ein Anspruch, der selbst für ein RasPi 2 noch zu hoch ist. Einigen Hobbyisten gelang es allerdings, Windows 95 in einer emulierten Umgebung auf dem Raspberry Pi zum Laufen zu bekommen – allerdings mit einer entsprechend schlechten Performance. Drittanbieter wie der in Moskau ansässige Softwareentwickler Eltechs bieten Emulatoren an, die entsprechende x86-Anwendungen auf Einplatinenrechner wie das Raspberry Pi, Odroid und Konsorten bringen soll - mit sehr gemischten PErformance-Resultaten.

Von daher kam Anfang 2015 Microsofts Ankündigung, eine spezielle Windows 10 IoT Version herauszubringen, die auf dem Raspberry Pi 2 sowie speziellen Arduino- und anderen Einplatinensystemen läuft, seinerzeit etwas überraschend. Inzwischen ist Windows 10 IoT Core als kostenloser, vollwertiger Release erhältlich, der sogar das Raspberry Pi 3 voll unterstützt. Microsoft wendet sich mit dem Release damit wieder mehr der Maker-Szene zu – wohl auch, um auf diese Weise engagierte Entwickler für hauseigene Produkte wie die AR-Brille HoloLens zu erreichen. Für einen effizienten Einsatz ist hier allerdings ein Windows-10-PC notwendig.

Auch das Unix-ähnliche Open-Source-OS FreeBSD hat seinen Weg auf das Raspberry Pi gefunden. Die offiziell verfügbare Release-Version FreeBSD 10.2 unterstützt nur das Raspberry Pi Modell B, aktuelle Release-Candidate und Current-Builds von FreeBSD 10.3 und FreeBSD 11 können aber von geübten Nutzern so konfiguriert werden, dass sie auf den Raspberry Pi Modellen A, B und 2 lauffähig sind. Wer sich den Aufwand sparen und dennoch FreeBSD auf seinem Einplatinenrechner einsetzen möchte, für den hält Entwickler Brad Davis mit RaspBSD eine vorgefertigte Distribution bereit, die den Funktionsumfang von FreeBSD 11-Current enthält.

Inzwischen auch mit Hardwarebeschleunigung: Die Samsung Open Source Group arbeitet mit Nachdruck an einer vollständigen Portierung von Tizen 3.0 auf das Raspberry Pi.
Inzwischen auch mit Hardwarebeschleunigung: Die Samsung Open Source Group arbeitet mit Nachdruck an einer vollständigen Portierung von Tizen 3.0 auf das Raspberry Pi.
(Bild: Daniel Kozák / Twitter)

Open-Source-Mobil-Umsetzungen: Tizen 3, FirefoxOS und Android

Für den Smartphone- und Tabletmarkt existieren diverse quelloffene Betriebssysteme, die es engagierten Entwicklern auch privat ermöglichen sollen, Anpassungen und Portierungen auf andere Plattformen vorzunehmen. Da diese Geräte überwiegend auf ARM-Prozessorarchitekturen aufbauen, erscheint es naheliegend, diese Open-Source-OS auch auf Einplatinenrechner wie dem Raspberry Pi zu übertragen.

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Mitte Februar 2016 hat die Samsung Open Source Group angekündigt, das linuxbasierte Tizen 3.0 erfolgreich auf das Raspberry Pi 2 umgesetzt zu haben (https://blogs.s-osg.org/tizen-rpi2-now-supporting-3d-acceleration ). Samsung hatte in der Vergangenheit bereits Smartwatches und in einigen Märkten sogar Smartphone-Modelle mit dem OS veröffentlicht. Auf dem Raspberry Pi 2 bootet das System zuverlässig, allerdings fehlen noch einige Funktionalitäten. Zudem existiert unter Tizen noch keine standardisierte Methode, um auch Apps auf dem Einplatinenrechner zu installieren. Wer dennoch mit dem OS auf seinem Raspi experimentieren möchte, für den hält die Samsung Open Source Group auf ihrem Blog eine ausführliche Anleitung bereit.

Ähnlich engagiert waren auch Mozillas Pläne, FirefoxOS auf das Raspberry Pi zu bringen. Mozilla veröffentlichte hierzu Ende 2014 eine Art offizielle Roadmap für die Entwicklung im weiteren Verlauf des aktuellen Jahres. Bei Firefox OS handelt es sich um ein quelloffenes, linuxbasiertes Betriebssystem, dessen gesamte Benutzeroberfläche einschließlich Apps komplett aus dem gleichnamigen Webbrowser realisiert wird. Das Betriebssystem fand bis Ende 2015 auf einigen Smartphones Anwendung, inzwischen hat Mozilla allerdings die Smartphone-Entwicklung eingestellt. Das quelloffene Betriebssystem selbst soll zwar in der einen oder anderen Form bestehen bleiben. Eine Weiterentwicklung der Raspberry-Pi-Projektes mag von der Community noch weiterverfolgt werden, doch wie die Zukunft aussieht ist derzeit unklar.

Ebenso gibt es verschiedene Bemühungen, das Smartphone- und Tablet-Betriebssystem Android auf das Raspberry Pi zu portieren. Das Community-Projekt „Razdroid“ hatte verschiedene Versuche mit diversen Android-Versionen gestartet, die wegen mangelnder Hardwarebeschleunigung aber nicht flüssig und fehlerfrei auf dem Minicomputer laufen. So existieren schon seit längerem beispielsweise langsame und instabile Portierungen von Android 2.3 („Gingerbread“), Android 4.0 („Ice Cream Sandwich“) und Android 4.4.2 („KitKat“).

Deutlich besser läuft dagegen das „RaspAnd“-Projekt von Linux-Entwickler Arne Exton. Von ihm stammt ein stabiler Android 5.1 („Lollipop“) Build, der sowohl auf Raspberry-Pi-2- als auch Raspberry-Pi-3-Modellen stabil läuft. Bei letzterer Plattform ist allerdings noch mit einigen Einschränkungen zu rechnen. Über den Aptoide App Manager können einige Android-Anwendungen auf dem Rasperry-Pi-System installiert werden.

Eher was für Experimentierfreudige: Bei dem auch aufs Raspberry Pi portierten Betriebssystem AROS handelt es sich um eine freie, auf ARM Prozessoren angepasste Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore.
Eher was für Experimentierfreudige: Bei dem auch aufs Raspberry Pi portierten Betriebssystem AROS handelt es sich um eine freie, auf ARM Prozessoren angepasste Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore.
(Bild: Stephen Jones / YouTube)

Sonderfälle und Kuriositäten: AROS und Plan 9

Da das Raspberry Pi vor allem bei Hobbyentwicklern und Makern großen Zuspruch findet, überrascht es wohl kaum, dass auch zahlreiche andere eher unbekannte oder kuriose Betriebssysteme für den Einplatinenrechner umgesetzt werden. Das meiste sind Hobbyentwicklungen und einige Bemühungen wurden zwischenzeitlich wieder eingestellt. An diesen Beispielen wird aber aktuell noch gearbeitet, und sie finden zumindest in eingefleischten Communities noch rege Beachtung.

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Eine solche Kuriosität ist AROS. Hierbei handelt es sich um eine unabhängige, freie und portable Weiterentwicklung des AmigaOS von Commodore aus den 1990er Jahren. Seit 2013 existiert eine Version von AROS (AEROS genannt), die auf Linux gehostet wird und so nativ auf der Hardware des Raspberry Pi lauffähig ist. Das Betriebssystem wird langsam, aber stetig in Nightly Builds weiterentwickelt und funktioniert zumindest auf Raspberry Pi 1 und 2.

Ebenfalls erwähnenswert ist „Plan 9 from Bell Labs“. Das ursprünglich von Mitgliedern der Computing Science Research Center der Bell Labs entwickelte OS ist eine logische Weiterentwicklung von Unix und existiert seit 2002 in einer vierten, quelloffenen Edition. Wer das System ohne komplexe Installation austesten möchte, kann seit Januar 2013 direkt von der Entwicklerseite ein vollständiges, vorkompiliertes Image des Open Source Betriebssystems Plan 9 für das Raspberry Pi herunterladen. An dem System wird offiziell noch gearbeitet. Inwiefern das OS allerdings in Zukunft tatsächlich noch weiterentwickelt wird, ist eher unklar.

(ID:43976313)

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