Aufgemerkt 12. März 1989: Die Erfindung des World Wide Web

Autor / Redakteur: Peter Koller / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

In der Rubrik Aufgemerkt stellt unsere Schwesterredaktion ELEKTRONIKPRAXIS regelmäßig Meilensteine aus der Geschichte der Elektronik und Elektrotechnik vor. Diesmal: die Geburtsstunde des World Wide Web.

Der Erfinder des World Wide Web: Sir Tim Berners-Lee
Der Erfinder des World Wide Web: Sir Tim Berners-Lee
(Knight Foundation)

Der Titel des wissenschaftlichen Aufsatzes war – gelinde ausgedrückt – von vornehmer Zurückhaltung geprägt: „Information Management: A Proposal“ (Informationsverwaltung: ein Vorschlag). Doch was der junge Wissenschaftler namens Tim Berners-Lee da auf nur 20 A4-Seiten zusammengeschrieben und am 12. März 1989 veröffentlicht hatte, löste eine technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Revolution aus, die ihresgleichen sucht und nicht selten mit der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg verglichen wird. Denn mit seinem Paper legte Berners-Lee die Grundlage für das World Wide Web.

Die Startseite von Berners-Lee Aufsatz
Die Startseite von Berners-Lee Aufsatz
(w3c)
Die physikalische Infrastruktur des Web, das Internet, gab es schon länger. Nach dem „Sputnik-Schock“ von 1957 hatte Präsident Eisenhower die Gründung der ARPA angestoßen, einer Agentur für Verteidigungsforschung. Eines ihrer Projekte war ein landesweites Kommunikationsnetzwerk. Im Oktober 1969 wurde diese ARPANET in Betrieb genommen.

Doch das ARPA- und später Internet blieb über Jahrzehnte ein Werkzeug fast ausschließlich für Forschungseinrichtungen. Wie etwa das europäische Kernforschungszentrum CERN. Dessen Mitarbeiter Tim Berners-Lee, studierter Physiker und Sohn eines Mathematiker-Ehepaares, stand vor dem Problem, dass der französische und der schweizerische Teil des CERN unterschiedliche Netzwerk-Infrastruktur nutzten, was einen Informationsaustausch schwierig bis manchmal unmöglich machte.

Deshalb schlug Berners-Lee CERN in seinem mittlerweile weltberühmten Paper ein Projekt vor, das auf dem Prinzip des Hypertexts beruhte – verschiedene Texte sollten untereinander durch Hyperlinks verbunden sein – ein einheitliches Übertragungsprotokoll nutzen und so den weltweiten Austausch sowie die Aktualisierung von Informationen zwischen Wissenschaftlern vereinfachen sollte: Die Geburtsstunde des World Wide Web.

Später entwickelte Berners-Lee noch die Seitenbeschreibungssprache HTML, das Transferprotokoll HTTP, das Konzept der URL, den ersten Browser und den ersten Webserver und wurde so zum unbestrittenen Vater des WWW:

Durch Berners-Lee Entwicklungen wurde das Internet über die Forschung hinaus einer breiten Masse zugänglich – der Rest ist Geschichte...

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