Migration auf Windows Server 2016

11 vorbereitende Maß­nah­men für das Server-Update

| Autor / Redakteur: Thomas Joos / Andreas Donner

Je früher eine Kompatibilitätsliste vorhandener Dienste und Applikationen vorhanden ist, umso besser lässt sich die Migration zu Windows Server 2016 planen.
Je früher eine Kompatibilitätsliste vorhandener Dienste und Applikationen vorhanden ist, umso besser lässt sich die Migration zu Windows Server 2016 planen. (Bild: Joos)

Microsofts neue Server-Version Windows Server 2016 steht relativ kurz vor der Veröffentlichung. Noch in diesem Jahr wird mit der neuen Version gerechnet. Unternehmen können mit einem wahren Feuerwerk an Neuerungen rechnen, was eine Aktualisierung durchaus lohnenswert machen kann.

Auf die Aktualisierung auf Windows Server 2016 sollten sich Unternehmen bereits jetzt vorbereiten. Auch wenn noch keine Integration von Windows Server 2016 geplant ist, ist es sinnvoll, sich bereits im Vorfeld auf die Möglichkeiten des neuen Betriebssystems einzustellen und vorhandene Server oder Serveranwendungen optimal vorzubereiten. Soll dann später auf die neue Serverversion gesetzt werden, ist bereits sichergestellt, dass auch die neuen Serverdienste optimal funktionieren. Wir beleuchten die wichtigsten Aspekte der Migrations-Vorbereitung.

Domänencontroller prüfen- Replikation sicherstellen

Viele Administratoren führen Tests für eine erfolgreiche AD-Replikation nur dann durch, wenn Probleme auftreten. Dabei sollte aber stets und in regelmäßigen Abständen getestet werden, ob die Replikation in Active Directory noch funktioniert. Vor allem bei der Einbindung neuer Server, der Installation von neuen Domänencontrollern, oder der Anpassung des Netzwerks und seiner Sicherheitseinstellungen muss die Replikation funktionieren. Nur dann lassen sich neue Funktionen optimal nutzen und Migrationen fehlerfrei durchführen.

Microsoft bietet in der Befehlszeile einige Tools an, mit denen sich grundlegende Tests problemlos durchführen lassen. Die wichtigsten Befehle sind:

  • Dcdiag /v – Ausführliche Diagnose von Active Directory inklusive der Replikation (siehe Abbildung 1)
  • Repadmin /showreps – Anzeigen der Replikationsverbindungen zwischen Domänencontrollern.
  • Nltest /dclist:<Domäne> – Abrufen der Domänencontroller
  • Nltest /dsgetsite – Anzeigen der AD-Standorte

Mit diesen Tests lässt sich recht schnell erkennen, ob Probleme im Netzwerk vorliegen. Darüber hinaus sollten nicht mehr vorhandene Computer aus den Computerkonten entfernt werden, vor allem wenn es sich um Domänencontroller handelt. Über die Verwaltungskonsole „Active Directory-Standorte und -Dienste“ sind die einzelnen Standorte und Domänencontroller zu ermitteln. Die Konsole zeigt hier auch die Replikationsverbindungen an. Diese sollten regelmäßig über das Kontextmenü überprüft werden (siehe Abbildung 2).

Windows Server Container testen / Kompatibilität eigener Anwendungen

Mit Windows Server 2016 halten die Container-Technologie Docker und Hyper-V-Container Einzug (siehe Abbildung 3). Diese ermöglichen eine weitaus effizientere Virtualisierung von Serverdiensten im Netzwerk. Administratoren und Entwickler sollten sich bereits jetzt in die Möglichkeiten einarbeiten. Planen Unternehmen die Integration neuer Serverdienste, sollte bereits jetzt getestet werden, ob diese kompatibel mit den Windows Server Containern und den Hyper-V-Containern sind. Vorhandene Anwendungen sollten ebenfalls auf ihre Kompatibilität mit Containern getestet werden. Bereits jetzt stehen alle notwendigen Funktionen zum Test bereit (siehe Abbildung 4).

Serverdienste auf Kompatibilität mit Nano-Servern überprüfen

Eine weitere, sehr wichtige Neuerung in Windows Server 2016, sind die Nano-Server. Bei diesen handelt es sich um weiter eingedampfte Core-Server, die über mehr Leistung und mehr Sicherheit verfügen. Auch hier sollten sich Unternehmen bereits jetzt vorbereiten. Ist die Anschaffung neuer Hardware in Planung, sollte diese Nano unterstützen. Auch hier lassen sich die Funktionen problemlos testen (siehe Abbildung 5). Vor allem im Bereich der Virtualisierung spielen Nano-Server eine sehr wichtige Rolle. Die Funktionen und Serverdienste lassen sich bereits jetzt einbinden.

Arbeitsplätze auf Kompatibilität mit MultiPoint-Server überprüfen

In Windows Server 2016 ist der MultiPoint-Server direkt integriert. Dabei handelt es sich um einen Serverdienst, der eine Remotedesktop-Funktion bietet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Remotedesktop-Diensten werden Maus und Tastatur aber direkt an den Server angeschlossen. Dieser Serverdienst ist also durchaus für Abteilungen oder kleine Niederlassungen interessant. Auch hier sollten Verantwortliche im Unternehmen schon jetzt überlegen, ob der Einsatz für ihre Zielgruppen sinnvoll ist.

Normalerweise wird hier der Monitor direkt am Server angeschlossen, der dazu über eine passende Grafikkarte verfügen muss. Maus und Tastatur werden üblicherweise an einem USB-Verteiler angeschlossen, der dann wiederum mit dem Server verbunden wird. Natürlich lassen sich die Dienste auch über Thin-Clients oder mit dem normalen RDP-Client nutzen. Microsoft zeigt in einem eigenen Videokanal die Möglichkeiten des Vorgängers Windows MultiPoint Server 2012. Diese Techniken gelten weitgehend auch noch in Windows Server 2016.

Virtualisierung planen für Windows Server 2016

Windows Server 2016 bietet zahlreiche Neuerungen im Bereich der Virtualisierung. Dazu kommen die bereits erwähnten Funktionen wie Nano, Docker und Hyper-V-Container, die ebenfalls stark auf Hyper-V ausgerichtet sind. Ist die Virtualisierung im Unternehmen bereits im Einsatz, sollten vorhandene VMs, Hardware und Anwendungen auf Kompatibilität mit Windows Server 2016 und den Virtualisierungs-Technologien getestet werden.

Im Bereich Hyper-V gibt es neue Snapshots, neue Konfigurationsdateien, bessere Replikation und viele weitere Neuerungen, die bei der Migration bereits frühzeitig berücksichtigt sein wollen. Es ist also höchste Zeit sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen und unter Umständen auf einer Testinstallation von Windows Server 2016 sogar die vorhandenen Server zu testen.

WSUS-Server aufbauen und einrichten

Unternehmen, die aktuell noch keine Windows Server Update Services (WSUS) einsetzen, sollten spätestens jetzt damit beginnen. Mit dieser Serverlösung lassen sich Updates für Server und Betriebssysteme besser bereitstellen. Hyper-V in Windows Server 2016 setzt für die Aktualisierung der Hyper-V-Tools die Bereitstellung über WSUS voraus. Dazu kommt die effizientere Aktualisierung virtueller Server, Hyper-V-Hosts und Docker-Hosts. Wenn WSUS bereits im Einsatz ist, sollte die Lösung für die Unterstützung von Windows Server 2016 optimiert werden (siehe Abbildung 6).

Gruppenrichtlinien für Windows 10 und Windows Server 2016 vorbereiten

Microsoft bietet bereits jetzt administrative Vorlagen für Windows 10 und Windows Server 2016. Diese lassen sich auch in Domänencontroller mit Windows Server 2012 R2 einbinden. Vor der Installation neuer Server, sollte die Kompatibilität der Richtlinien mit Windows Server 2016 überprüft werden. Die neuen Server-Funktionen in Windows Server 2016 lassen sich ebenfalls durch Gruppenrichtlinien absichern. Diese sollten ebenfalls frühzeitig geplant und getestet werden, am besten mit der Vorabversion von Windows Server 2016. Einbinden lassen sich diese Richtlinien bereits jetzt, vor allem wenn bereits Arbeitsstationen mit Windows 10 im Einsatz sind.

Netzwerkleistung überprüfen und unter Umständen erweitern

Ist der Einsatz von Docker und/oder Hyper-V-Containern sowie der Einsatz der neuen Storage Spaces Direct geplant, sollte die Leistung des Netzwerks maximal sein. Bei Storage Spaces Direct werden die physischen Festplatten mehrerer Server zu einem gemeinsamen Datenpool zusammengefasst. Dazu kommen neue Funktionen wie Geo-Cluster, der Network-Controller für die gemeinsame Verwaltung physischer und virtueller Netzwerke und mehr. Windows Server 2016 bietet sehr viele Funktionen, vor allem, wenn es um die Virtualisierung geht, die auf ein leistungsstarkes Netzwerk aufbauen. Das Netzwerk muss diese Leistung zur Verfügung stellen. Hier sind unter Umständen neue Geräte notwendig, die aber kompatibel mit Windows Server 2016 und auch dem neuen Network Controller sein sollen. Auch Optimierungen der Server und der Netzwerkhardware ist eventuell notwendig, sowie die Einrichtung neue IP-Subnetze, da Docker-Container und Nano-Server natürlich auch IP-Adressen benötigen.

Windows Server 2016 in Storage-Systemplanung einbinden

Windows Server 2016 bietet auch viele Neuerungen bezüglich der Storage-Planung. Mit Storage Replica lassen sich komplette Festplatten zwischen Rechenzentren synchronisieren, Storage Spaces Direct bieten Hyper-Converged-Storage, Hyper-V-Replica und die Livemigration, können VMs und deren Daten zwischen Netzwerken, Rechenzentren und Servern replizieren. Daher ist es wichtig, bereits jetzt die Speicherplanung im Netzwerk für Windows Server 2016 vorzubereiten. Die neue Server-Version bietet zum Beispiel auch Deduplizierung für virtuelle Festplatten. Dazu müssen diese aber auf Datenspeichern abgelegt sein, auf die auch Windows Server 2016 zugreifen kann.

Fehlermeldungen in den Ereignisanzeigen aller Server überprüfen

Vor der Einbindung neuer Server sollten alle vorhandenen Server überprüft, und Fehler behoben werden. Die Ereignisanzeigen sind dazu in ideales Hilfsmittel. Wie bei der AD-Replikation, können Probleme mit .NET oder anderen Softwarediensten schnell zu Schwierigkeiten bei der Migration führen. Wenn diese Fehler bereits frühzeitig entfernt werden, lassen sich Migrationen wesentlich stressfreier durchführen. Das gilt auch bei kleinen Netzwerken, in denen nur wenige Server eingesetzt sind. Oft werden die Fehler nicht überwacht, da sie im laufenden Betrieb keine Auswirkungen nach sich ziehen.

Kompatibilität eingesetzter Serveranwendungen überprüfen

Aktuelle Serverdienste sind noch nicht mit Windows Server 2016 kompatibel. Es sollte aber frühzeitig geplant werden, welche neuen Versionen die neue Server-Version unterstützen. Natürlich lassen sich auch in Windows Server 2016 ältere Serverversionen virtualisieren. Das sollte dann aber auch so früh wie möglich geplant werden, vor allem, wenn einige Server derzeit noch nicht virtualisiert sind, sondern als physische Server betrieben werden.

Über eine Inventarisierung lässt sich schnell feststellen und mit Testumgebungen schnell prüfen, ob Serverdienste kompatibel mit der neuen Version sind. Sind Serverdienste noch nicht kompatibel, muss frühzeitig entschieden werden, ob diese virtuell betrieben werden sollen, oder nicht migriert werden. Je früher eine solche Liste vorhanden ist, umso besser lässt sich die Migration zu Windows Server 2016 planen. Softwarehersteller können in den meisten Fällen bereits jetzt darüber informieren, ab welcher Version Windows Server 2016 unterstützt wird.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44041133 / Betriebssysteme und Netzwerk-Software)