SBS, Essentials und andere Serverdienste zuverlässig virtualisieren

10 Hyper-V Best Practices für kleine Unternehmen

| Autor / Redakteur: Thomas Joos / Andreas Donner

Virtualisierung lohnt sich auch für kleine Unternehmen!
Virtualisierung lohnt sich auch für kleine Unternehmen! (Bild: Joos)

Auch kleine Unternehmen, bei denen die Ser­ver-Verfügbarkeit wie bei großen Un­ter­neh­men essentiell ist, ziehen großen Nut­zen aus den Mö­glichkeiten der Virtualisierung. Mit etwas Know-how lassen sich damit zuverlässige Server-Infrastrukturen aufbauen, die nicht mehr kosten als herkömmliche Installationen, aber we­sent­lich flexibler und verfügbarer sind!

Wollen kleine Unternehmen ihre Server virtualisieren, ist nicht immer eine kostenpflichtige Zusatzlizenz notwendig. Microsoft gibt sich bei der Virtualisierung recht großzügig. Und so besteht die Möglichkeit, mit einer Lizenz mehrere Server zu installieren, zumindest in bestimmten Konstellationen. Hyper-V wird über Microsoft Hyper-V Server 2012 R2 kostenlos zur Verfügung gestellt. Es lohnt sich also, einen Blick auf die Möglichkeiten zu werfen, vor allem da sich durch Virtualisierung auch einiges an Geld sparen lässt.

1. Den richtigen Server für die Virtualisierung wählen

Vor allem kleinere Unternehmen neigen dazu, beim Kauf von Hardware zu sparen. Es sollten allerdings auch bei kleinen Firmen nur Server eingesetzt werden, die von Microsoft für Hyper-V unterstützt werden und die bereits von anderen Unternehmen für die Virtualisierung eingesetzt werden. Hier bieten sich vor allem Markenserver von Dell, Fujitsu, HP, Lenovo & Co an. Besonders wichtig sind schnelle Prozessoren, mit vielen Kernen und Kompatibilität für Virtualisierung.

Auch auf den Support muss geachtet werden, da der Ausfall eines Hosts natürlich im Ausfall aller VMs resultiert. Hinzu kommt, dass viele Hersteller auch Pakete aus Hardware, Software und Betriebssystemen anbieten. Hier sind die Preise oft besser und die Produkte sind aufeinander abgestimmt. Bezüglich der Virtualisierung sollten vor allem Server mit Intel-Prozessoren eingesetzt werden, zum Beispiel mit Intel Xeon E5-2600 v3 da diese eine derzeit wesentlich bessere Leistung bieten. Intel unterstützt Unternehmen bei der Prozessorauswahl mit dem IT Server Sizing Tool (siehe Abbildung 1).

Besonders wichtig ist die Ausbaufähigkeit des Servers. Es sollte die Möglichkeit bestehen, zusätzliche Festplatten einzubauen und eine Kompatibilität zu SSD sollte ebenso vorhanden sein wie Steckplatz für Zusatzkarten und weitere Netzwerkschnittstellen. Aber auch die Bauform und Bauhöhe des Servers will berücksichtigt sein.

2. Viel physischer Arbeitsspeicher und wenig Dynamic Memory

Neben dem Prozessor spielt natürlich auch die Konfiguration des Arbeitsspeichers eine wichtige Rolle. Hier sollte darauf geachtet werden, möglichst viel Arbeitsspeicher in den Server einzubauen.

Zwar bietet Hyper-V mit Dynamic Memory die Möglichkeit, den Arbeitsspeicher dynamisch zuzuteilen (siehe Abbildung 2), allerdings geht das deutlich zu Lasten der Leistung. Daher sollte von Anfang an eine Möglichst große Menge Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen, damit die VMs effizient arbeiten können. Den VMs sollte von Anfang an genügend Arbeitsspeicher zugewiesen werden. Zwar spielt genau das bei manchen Serverdiensten keine Rolle und hier kann dann auch der dynamische Arbeitsspeicher genutzt werden, in den meisten Fällen, vor allem bei Servern mit viel Benutzerlast, ist die Verwendung von statischem Arbeitsspeicher aber besser geeignet.

3. Storage für VMs optimal planen – SAN, NAS und Co

In kleineren Umgebungen sollte möglichst auf interne, leistungsstarke Festplatten gesetzt werden. Hier bieten sich SSDs oder RAID-10-Systeme an. Betriebssystem, VMs und Daten sollten dabei auf verschiedenen physischen Datenträgern abgelegt werden. Externe Speichersysteme wie iSCSI, NAS oder SAN sind vor allem bei kleinen Unternehmen zu Beginn eher störend. Denn Dadurch steigt die Komplexität der Umgebung an und es muss bei der Planung auf noch mehr Aspekte Rücksicht genommen werden.

Reichen interne Festplatten nicht mehr aus, kann später immer noch auf externe Systeme gesetzt werden. Diese lassen sich jederzeit anbinden. Beginnen sollten Unternehmen aber möglichst mit schnellen internen Festplatten oder SSDs. Besonders wichtig ist die Aufteilung auf verschiedene physische Datenträger.

4. Achtung bei Datenbank-Servern – Erst testen, dann umstellen

In Internetforen gibt es viele Beiträge mit Fragen zu schlechter Performance bei virtuellen SQL-Servern. Solche Performance-Schwächen können verschiedene Ursachen haben. Zuerst sollten daher Probleme wie langsame oder ungeeignete CPUs, zu wenig Arbeitsspeicher oder schwache Storage-Komponenten ausgeschlossen werden. Häufig hilft es, bei den Netzwerkadaptern VMQ auszuschalten.

Im Internet sind einige Ansätze zu finden, mit denen sich Leistungsprobleme bei Datenbank-Servern aufspüren lassen. Teilweise lassen sich Probleme auch beheben, in dem den für Datenbanken verantwortlichen VMs separate physische Festplatten zugewiesen werden. Allerdings bringt das andere Probleme mit sich und dieser Ansatz hilft auch nicht immer. Vor der Virtualisierung eines Datenbank-Servers sollte das Szenario jedoch immer in einer möglichst realitätsnahen Umgebung getestet werden.

5. Hyper-V-Host nur für Hyper-V verwenden

Vor allem kleine Unternehmen neigen dazu, auf physischen Servern noch weitere Serverdienste zu installieren. Das ist beim Einsatz von Hyper-V aber nicht empfehlenswert. Außer den notwendigen Diensten zur Virtualisierung sollten keinerlei Zusatzdienste auf einem Hyper-V-Host installiert werden. Der Server sollte nur zur Virtualisierung genutzt werden, auch wenn die Hardware-Ausstattung dazu verlockt, noch andere Dienste zu installieren. Sind weitere Dienste notwendig, sollten diese besser auf VMs gebündelt werden. Dann profitieren auch diese Dienste von Hyper-V und den Sicherungsmöglichkeiten.

6. Windows Server 2012 R2 Essentials virtualisieren

Kleine Firmen, die auf Windows Server 2012 R2 Essentials setzen (siehe Abbildung 3), dürfen mit einer Lizenz das Betriebssystem mit Hyper-V installieren und Windows Server 2012 R2 anschließend als VM aufsetzen. Allerdings darf auf diesem Host dann keine andere VM installiert werden sondern nur die Windows Server 2012 R2 Essentials-VM.

Der Vorteil dabei liegt auf der Hand: Auch kleine Firmen profitieren von der Virtualisierung und können die VM auf Wunsch auf andere Hyper-V-Hosts replizieren, zum Beispiel auf den kostenlosen Hyper-V Server 2012 R2. Der virtuelle Server lässt sich wesentlich besser sichern und vor Ausfall schützen. Vor der Inbetriebnahme eines Essentials-Servers sollten Verantwortliche daher eine Virtualisierung zumindest in der Planung berücksichtigen.

7. Virtuelle Server replizieren – Ausfallsicherheit und Datenschutz umsonst

Auch in kleinen Unternehmen sollte die Möglichkeit genutzt werden, virtuelle Server zu replizieren (siehe Abbildung 4). Dadurch wird die Ausfallsicherheit der Server gewährleistet sowie deren Konfiguration weitgehend gesichert. Fällt ein Host aus, kann der zweite Host übernehmen, oder zumindest die VMs in einem Notbetrieb zur Verfügung stellen.

Allerdings müssen Unternehmen hier die Lizenzierung beachten. Zwar gibt es kostenlose Lizenzen für Hyper-V, nämlich Hyper-V Server 2012 R2, allerdings werden die VMs bei der Replikation quasi auf einen zweiten Server kopiert. Wichtig dabei ist, dass die replizierten VMs auf dem Ziel-Host keine produktiven Aufgaben übernehmen dürfen. Die replizierten Server dienen lediglich zur Absicherung gegen Ausfall. Die replizierten VMs dienen außerdem nicht der Datensicherung. Diese muss getrennt erfolgen. Um die Konfiguration korrekt zu lizenzieren, ist es empfehlenswert einen Lizenz-Spezialisten in die Planung mit einzubeziehen.

8. Umgebung zur besseren Verwaltung einfach halten

Vor allem zu Beginn der Virtualisierung sollten Unternehmen die Umgebung so einfach wie möglich halten. Die Virtualisierung mit Hyper-V ist sehr flexibel. Sollten weitere Dienste, VMs oder Sicherungs-Server notwendig sein, lassen sich diese einfach hinzufügen. Und solange der Host selbst über genügend Leistung verfügt, lassen sich auch hier jederzeit weitere VMs hinzufügen.

Auch zusätzliche Verwaltungstools wie System Center Virtual Machine Manager sollten nicht gleich zu Beginn eingebunden werden. Je einfacher die Umgebung ist, desto schneller können sich Administratoren in die Umgebung einarbeiten. Auch die Replikation kann jederzeit nachträglich eingebunden werden. Zusätzlicher Speicher, weitere VMs, Cluster und andere Funktionen sind jederzeit leicht zu integrieren.

9. Virtuelle Festplatten mit der optimalen Konfiguration erstellen

Zwar bietet Hyper-V die Möglichkeit, dynamische Festplatten zu erstellen, also Festplatten, die mit dem Datenwachstum mitwachsen, allerdings leidet dabei die Leistung der VMs. Die Möglichkeit, virtuelle Festplatten aufeinander aufzubauen, ist für den produktiven Betrieb in kleinen Unternehmen meistens nicht geeignet. Aus diesem Grund sollten Administratoren immer Festplatten mit fester Größe verwenden (siehe Abbildung 5). Zwar ist Hyper-V mit dem dynamischen Arbeitsspeicher und den dynamisch wachsenden Festplatten durchaus flexibel, aber nicht immer ist der Einsatz dieser Funktionen im produktiven Betrieb auch sinnvoll. Die VMs und der Hosts sollten an so vielen Stellen wie möglich entlastet werden.

10. Backup berücksichtigen – Veeam Backup & Replication

VMs sollten von Anfang an mit einer möglichst optimalen Sicherungslösung gesichert werden (siehe Abbildung 6). Hier bietet sich zum Beispiel Veeam Back & Replication v9 an. Für erste Tests und kleine Unternehmen, kann die Lösung auch kostenlos genutzt werden. Der Vorteil der Lösung liegt in der einfachen Bedienung, der durchdachten Sicherung, und der Möglichkeit, auch die internen Daten der VM sehr einfach wiederherstellen zu können. Mit Veeam Backup & Replication können auch kleine Unternehmen ganze VMs oder einzelne Daten aus den VMs jederzeit wiederherstellen.

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