Microsoft Windows 10 S

Windows geht in die Schule

| Autor / Redakteur: Klaus Länger / Andreas Donner

Mit Windows 10 S will Microsoft Schulen und anderen Anwendern ein schlankes und sicheres Windows bieten. Gleichzeitig sollen günstige Windows-10-S-Notebooks den Vormarsch der Chromebooks an den Schulen in den USA stoppen.
Mit Windows 10 S will Microsoft Schulen und anderen Anwendern ein schlankes und sicheres Windows bieten. Gleichzeitig sollen günstige Windows-10-S-Notebooks den Vormarsch der Chromebooks an den Schulen in den USA stoppen. (Bild: Microsoft)

Speziell für den Einsatz in Bildungseinrichtungen ist Windows 10 S bestimmt. Diese Windows-Variante soll durch die Beschränkung auf Store-Apps- und -Programme sicherer und schneller als die bisherigen Windows-Varianten sein. Notebooks mit Windows 10 S kommen von Microsoft und etlichen anderen Herstellern.

Diese neue Windows-Variante basiert auf Windows 10 Pro und verfügt auch über alle Sicherheits- und Management-Funktionen dieses professionellen Windows-10-Derivats. Allerdings kann Windows 10 S ausschließlich Apps und Programme ausführen, die über den Windows-Store installiert wurden.

Die Installation und Ausführung von Software aus anderen Quellen ist blockiert und wird mit dem Hinweis quittiert, dass auf Windows 10 S verwendete Programme oder Apps aus dem Windows Store stammen müssen. Zudem soll auch ein Vorschlag für eine Alternative zu der gewünschten Software angezeigt werden, die bereits im Windows Store verfügbar ist.

Anders als das für ARM-Prozessoren bestimmte Windows RT kann Windows 10 S im Prinzip alle herkömmlichen Windows-Programme ausführen. Diese Funktion wird nur aus Sicherheitsgründen eingeschränkt, um so die Installation von unerwünschter oder gar schädlicher Software möglichst zu verhindern. Die Liste reicht hier von eher lästigen Programmen wie Browser-Toolbars über Adware bis hin zu echten Schädlingen wie Trojanern oder Ransomware. Alle Apps und Programme aus dem Store müssen einen Prüfprozess durchlaufen, bevor sie dort angeboten werden. Zudem haben sie den Vorteil, dass Updates automatisch und zentralisiert ausgerollt werden und dass sich Store-Programme einfach und rückstandsfrei deinstallieren lassen.

Herkömmliche Windows-Programme können von ihren Anbietern mittels der Desktop-Bridge in eine Store-Applikation umgewandelt werden. Microsoft selbst wird auf demselben Weg auch ein vollwertiges Office 365 mit Microsoft Word, Excel, OneNote, PowerPoint und weiteren Anwendungen in den Store und damit auf Windows 10 S bringen. Bisher gibt es Office nur als UWP-Apps mit eingeschränkter Funktionalität.

Eine weitere Einschränkung bei der neuen Windows-Version ist, dass Edge prinzipiell als Standard-Webbrowser und Bing als Standard-Suche dient. Beide Einstellungen lassen sich nicht ändern. Während die Beschränkung auf Edge damit begründet wird, dass er sicherer sei als andere Browser, die bisher sowieso nicht als Store-Programme zur Verfügung stehen, geht es bei der Beschränkung auf Bing wohl nur darum, die Suchmaschine bekannter zu machen. Damit wird sich Microsoft mit Sicherheit die Kritik von Anwendern einhandeln, die sich hier bevormundet sehen.

Erste Geräte mit Windows 10 S

Das erste Gerät mit dem neuen Windows ist das Surface Laptop, das im Juli auf den deutschen Markt kommt. Mit superflacher Bauform und einem Preis oberhalb der 1.000-Euro-Marke ist es allerdings eher für Studierende, als für den Einsatz an der Schule gemacht. Günstigere Geräte kommen von Partnern wie Acer, Asus, Dell, Fujitsu, HP und Samsung. Da diese Geräte nur über vergleichsweise schwache Prozessoren und nur vier GB RAM verfügen, wurde die neue Windows-Version für sie optimiert. So soll Windows 10 S auf ihnen schneller starten, als die anderen Windows-10-Versionen.

In den USA soll der HP Stream 11 Pro bereits zu einem Preis von 189 US-Dollar verkauft werden. Robuste Convertibles wie das HP ProBook x360 11 EE oder das Acer TravelMate Spin B1 sollen 299 US-Dollar kosten. Zu Preisen und Verfügbarkeit auf dem deutschen Markt gibt es noch keine Informationen.

Auf jeden Fall wird es bei allen Windows-10-S-Geräten die Möglichkeit geben, für relativ wenig Geld auf Windows 10 Pro upzugraden, wenn man mit den Einschränkungen nicht leben kann und über die nötigen Administratoren-Rechte verfügt. In den USA soll das Upgrade 49 US-Dollar kosten, beim Surface Laptop ist es bis Ende des Jahres gratis.

Windows 10 S soll Chromebooks stoppen

Notebooks und Convertibles mit Windows 10 S sind für Microsoft das Mittel, um in den USA die weitere Verbreitung von Chromebooks im Bildungsbereich zu stoppen und hier Marktanteile zurückzugewinnen. Chromebooks sind meist sehr günstige Notebooks, teilweise auch mit ARM-Prozessor, auf denen als Betriebssystem Googles ChromeOS läuft, im Prinzip ein Chrome-Browser mit Linux-Unterbau. Der Vorteil für Schulen liegt vor allem in der einfachen Administration, da keine lokalen Programme installiert werden können und das Betriebssystem gegenüber dem Anwender komplett verkapselt ist. Bisher konnten Chromebooks nur Webanwendungen ausführen, in der Zukunft sollen auch Android-Apps laufen. Diese Funktion ist aber noch im Beta-Stadium und auch nur mit einigen wenigen Chromebook-Modellen möglich.

Einfache Einrichtung an Schulen

Microsoft bietet zwar bereits eine eigene Education-Variante von Windows 10 an. Diese basiert aber auf Windows 10 Business und ist lediglich als Volumenlizenz erhältlich. Zudem ist sie für die Installation in Domänen und das Management über Active Directory ausgelegt und damit für sehr viele Schulen schlicht überdimensioniert, da es dort weder entsprechend qualifizierte IT-Fachkräfte noch die nötige Server-Infrastruktur gibt. Windows-10-S-Rechner lassen sich dagegen leicht mittels eines Assistenten einrichten, der einen USB-Stick mit den nötigen Daten bestückt, um die gewünschte Konfiguration in kürzester Zeit zu erledigen. Microsoft nennt als Beispiel eine Schule im US-Bundesstaat Colorado, an der die Einrichtung von 600 Rechnern in einem Tag erledigt wurde. Dafür wurden lediglich 30 USB-Sticks benötigt. Für das Management der Rechner dient das Cloud-basierte Intune for Education, mit dem einfach Gruppenrichtlinien erstellt werden können.

Bildungsoffensive mit Teams und Minecraft

Parallel zu Windows 10 S bringt Microsoft noch weitere Software für die Schule. So soll Microsoft Teams zu einem zentralen Anlaufpunkt für die digitale Zusammenarbeit im Unterricht werden. Laut Microsoft können können Lehrkräfte mit dem Tool künftig digital Aufgaben verteilen, Lehrinhalte personalisieren und Arbeiten benoten. Dafür hat Microsoft Aufgaben- und Quiz-Funktionen integriert und eine Schnittstelle zum OneNote-Add-In Kursnotizbuch geschaffen.

Als einjährige Gratis-Testversion ist die Erweiterung „Code Builder“ für die „Minecraft: Education Edition“ im Microsoft Store für Bildungseinrichtungen erhältlich. Mit ihr sollen Schüler auf spielerische Weise das Programmieren lernen. Code Builder verknüpft Minecraft mit Programmier-Lernplattformen wie Tynker, ScratchX und der Open-Source-Plattform MakeCode von Microsoft.

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