Microsoft Windows 10 Creators Update

Windows als Fortsetzungsgeschichte, Teil 3

| Autor / Redakteur: Klaus Länger / Andreas Donner

Nicht nur für Kreative: Das Creators Update enthält Verbesserungen, die für alle Windows-10-Anwender nützlich sind.
Nicht nur für Kreative: Das Creators Update enthält Verbesserungen, die für alle Windows-10-Anwender nützlich sind. (Bild: Vogel IT-Medien)

Windows 10 als Service heißt nicht, dass man es mieten müsste, sondern dass es regelmäßige Feature-­Updates gibt, die neue Funktionen bringen oder bestehende grundlegend verändern. Das Creators Update als dritte große Windows-10-Aktualisierung wird ab heute ausgerollt. Wir zeigen, welche Neuerungen sowie Verbesserungen es bereit hält und wo es noch hakt.

Mit dem Creators Update zündet Microsoft die dritte ­Stufe von Windows 10 als Service. Anders als bisherige Windows-Versionen, die nur mit Service-Packs versorgt wurden, die im wesentlichen Sammlungen regelmäßiger Sicherheits-Updates und Fehlerbereinigungen waren, bekommt man mit den Feature-Updates quasi neue Versionen von Windows 10 geliefert. Diese umfassen auch neue Funktionen und Verbesserungen der bisherigen Komponenten. Nach dem Start von Windows 10 im Juli 2015 folgte im Herbst 2015 das erste größere Update. Ein Jahr später erschien mit dem Anniversary Update im August 2016 das erste große Feature-Update. Nun kommt heute das Creators Update. Dazwischen gab und gibt es natürlich stets die monatlichen Upgrades, die Fehler beheben, neue Treiber ausliefern und Sicherheitslücken stopfen.

Nicht nur für Kreative

Der Name Creators Update deutet an, dass bei dieser Windows-10-Version mit verbesserter Stiftunterstützung und 3D-Software die Kreativität im Vordergrund steht. Es enthält auch eine Unterstützung günstiger VR-Brillen, mit denen sich Windows in einer Art virtuellem Raum nutzen lässt. Ferner gibt es eine Reihe von Neuerungen, die für „ganz normale“ Anwender interessant sind und ­einige, die speziell Spieler ansprechen. Auch Windows-10-Smartphones bekommen ein Creators-Update, das im Funktionsumfang naturgemäß schmaler ausfallen wird. Das Update ist dabei für alle bisherigen Windows-10-­Anwender kostenlos.

Für Firmen interessant ist die ­Möglichkeit, Rechner bei Upgrades von Windows 7 ohne BIOS-Eingriff und Repartitionierung auf UEFI-Nutzung zu bringen.

Das gute alte Windows Paint wird mit der neuen Windows-10-Version in Rente geschickt und durch Paint 3D ersetzt. Mit dem lassen sich nicht nur 2D-Bitmapgrafiken erstellen und bearbeiten, sondern auch 3D-Objekte. Mit Remix 3D hat Microsoft zudem eine Community auf die Beine gestellt, über die 3D-Objekte geteilt werden. Für die Ausgabe kommen neben 3D-Druckern auch die ­kommenden Mixed-Reality-Brillen in Frage, die etliche Microsoft-Partner wie Acer, Asus, Dell, HP, ­Lenovo und 3Glasses auf den Markt bringen werden.

Im Gegensatz zur Hololens mit transparentem Display und integriertem Rechner, der für herkömmliche Anwender viel zu teuer ist, sollen die Mixed-Reality-Brillen bereits zu Preisen ab 300 Euro auf den Markt kommen. Sie sind herkömmliche, geschlossene VR-Brillen mit Inside-out-Tracking, die über Kabel mit einem Rechner verbunden werden. Sie können im Gegensatz zur Hololens die Realität und virtuelle Objekte nicht wirklich mischen. Stattdessen werden in virtuellen Räume Platzhalter an der Stelle realer Objekte positioniert. Die Brillen sollen sich auch für VR-Spiele nutzen lassen und die kommende XBox-Generation unterstützen, die Microsoft derzeit als Projekt Scorpio entwickelt.

Gaming ist ein weiterer Schwerpunkt beim Creators Update. Mit dem Game Mode stehen angepasste Spiele-Funktionen bereit. So können Spiele Prozessorkerne für sich reservieren und die Speicherverwaltung der Grafikkarte für das laufende Spiel optimieren. Spiele aus dem Windows Store können zudem auf entsprechend starken Rechnern mittels Streaming-Install schon während der Installation gestartet werden. Zusätzliche Level werden dynamisch nachgeladen. Ein ähnliches Streaming-Verfahren will Microsoft zudem nutzen, um das zeitlich limitierte Ausprobieren von Apps ohne Installation möglich zu machen. Den im vergangenen Jahr erworbenen Live-Streaming- und Community-Dienst Beam integriert Microsoft ebenfalls.

Oberflächliches beim Creators Update

Neben diesen neuen Elementen bringt das Update noch eine Vielzahl von Veränderungen und kleinen Verbesserungen auf und unter der Oberfläche. So können im Startmenü Gruppen von Kacheln erstellt werden, die erst per Klick ausklappen, ähnlich wie schon bei Windows-10-Mobile. Das soll für eine übersichtlichere Darstellung sorgen. Die App-Liste links neben den Kacheln kann ausgeblendet werden. Dann erfolgt der Wechsel zwischen Kacheln und App-Liste ähnlich wie im Tablet-Modus über zwei Schaltflächen am linken Rand des Startmenüs.

In den Anzeige-Einstellungen ist ein Nachtmodus integriert, den man von einigen Monitoren, Tablets und eBook-Readern kennt. Er vermindert auf Wunsch in den Abendstunden den Anteil des blauen Lichts beim Monitorbild, das zu Schlafstörungen führen kann.

Detailverbesserungen gibt es beim klarer aufgebauten Action-Menü und bei den Einstellungen, die noch mehr Funktionen der „alten“ Systemsteuerung übernehmen. Apps haben einen eigenen Startpunkt in den Einstellungen, ebenso alle Funktionen rund um Spiele. Windows-Themes, also Kombinationen aus Hintergrundbildern mit Farbeinstellungen und Sounds gibt es jetzt über den Microsoft-Store.

In den App-Settings kann Windows 10 nun so konfiguriert werden, dass nur über den Store installierte Apps und Win32-Programme ausgeführt werden. Das ist als ­Sicherheitsoption zu sehen. Allerdings ­arbeitet Microsoft wohl auch an einer Windows-10-Version, bei der das grundsätzlich der Fall ist. Sie könnte als Gratis-Version für besonders günstige Rechner als Konkurrenz zu Googles Chrome-OS gedacht sein. Wer Software aus anderen Quellen installieren will, muss auf die Home- oder Pro-Version upgraden.

Mit dem Windows-10-Webbrowser Edge hat Microsoft eher einen Fehlstart hingelegt. Er bot wenig Funktionen, keine Erweiterungen und war nicht gerade stabil. Im Creators Update will Microsoft diese Scharten endgültig auswetzen. Eine Unterstützung für Erweiterungen hat Edge schon mit dem Anniversary Update erhalten. Nun kommen noch eine verbesserte Tab-Vorschau und die Möglichkeit hinzu, Tabs oder Gruppen von Tabs zu speichern. Zudem kann der Browser nicht nur PDF- sondern auch ePub-Dateien anzeigen, wenn diese nicht durch DRM geschützt sind. Die Stift- und die Teilen-Funktion wurden in der ­Bedienung verbessert. Flash-Inhalte werden nur noch nach Bestätigung eines Dialogs ausgeführt.

Status und Einstellungen von Sicherheitsfunktionen wie Virenschutz, Firewall, der Browserschutz Smartscreen oder Jugendschutz-Optionen sind nun übersichtlich im Windows Defender Security Center ­zusammengefasst.

Microsofts digitale Assistentin Cortana stellt sich nun bereits bei der Windows-Installation vor und führt durch die einzelnen Schritte. Auch eine Sprachsteuerung ist hier möglich. Damit will Microsoft die User wohl frühzeitig mit Cortana vertraut machen um deren Nutzungshäufigkeit zu erhöhen.

Mehr Kontrolle bei Updates und Datenübertragung

Kritik an Windows 10 entzündete sich bisher vor allem an zwei Punkten: Dem bei ­einer Express-Installation recht weitgehenden Ausmaß an Daten, die das Betriebssystem an Microsoft übermittelt und an den automatischen Updates, deren Zeitpunkt und Ausmaß vor allem professionelle Anwender gerne selbst bestimmen würden.

Bei der Installation von Windows 10 und auch beim Update auf die neue Version wird ein Dialog erscheinen, bei dem sich das Übertragen von Daten für Funktionen wie Ortserkennung, Spracherkennung, Werbe-ID abschalten und die Übermittlung von Telemetrie-Daten einschränken lassen. Die niedrigste Stufe, bei der ausschließlich der Status von sicherheitsrelevanten Komponenten übermittelt wird, ist nur bei den Enterprise- und Education-Versionen von Windows 10 wählbar. Bei allen anderen Versionen ist die Stufe „Einfach” die restriktivste Option. Hier werden zusätzlich noch Informationen zu Hardware, verbundenen Geräten wie Druckern, installierten Treibern und den genutzten Apps übertragen.

In zwei Technet-Beiträgen erläutert Microsoft nun detailliert, wie der Diagnose-Prozess auf dem Basic-Level, also der Einstellung „Einfach”, funktioniert und welche Daten bei „Vollständig” übertragen werden. Gerade hier geistern auch einige Fehlinterpretationen durchs Netz. So bekommt Microsoft keine Liste der auf einem Gerät konsumierten Videos oder Musikstücke zu sehen, sondern nur statistische Daten wie die Auflösung, den Encoding-Typ, oder die Streaming-Qualität bei Filmen oder die Anzahl gekaufter Tracks und Playlists.

Bei Updates hatte man bisher nur die Möglichkeit, Windows 10 so zu konfigurieren, dass während einer selbst definierten Nutzungszeit kein automatischer Neustart erfolgte. Bei Windows 10 Pro und Enterprise kann schon jetzt die Installation von Feature Updates, wie dem Creators Update, um mehrere Monate zurückgestellt werden. Mit letzterem kommt ab der Pro-Version die Option, auch andere Updates für mehrere Tage auszusetzen, sofern sie keine kritischen Sicherheitslücken schließen. Den Update-Prozess selbst will Microsoft in Zukunft schneller und schlanker machen. Mit der Unified Update Platform (UUP) legt der Windows-Hersteller das ­dafür notwendige Fundament. Nach dem Creators Update wird es nur noch differenzielle Updates geben, die das Download-Volumen um bis zu 35 Prozent senken sollen.

Neuen Ärger handelt sich Microsoft allerdings auch gerade wieder ein. Denn neben der bei Windows 10 schon jetzt im Startmenü auftauchenden Werbung für Apps – sie lässt sich leicht abschalten – wird jetzt auch der Explorer als Werbeplattform für die Bezahlversion von Onedrive missbraucht. Es bleibt zu hoffen, dass diese Praxis bald wieder beendet wird.

Was fehlt?

Bei der ersten Vorstellung des Creators Update im Oktober 2016 anlässlich der Präsentation des Surface Studio führte Microsoft noch eine 3D-Scan-App für Windows Mobile vor. Sie ist nun erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben, soll aber prinzipiell auch für Android und iOS erscheinen. Ebenfalls auf der Strecke geblieben ist „Windows MyPeople“, eine Erweiterung der Taskleiste für eine schnelle Kommunikation mit für den User wichtigen Personen.

Das Creators Update für Windows Phones wird mit etwas Verzögerung und deutlich eingeschränktem Funktionsumfang erscheinen. Vor allem aber wird es nur für einen Teil der Smartphones erscheinen, die derzeit mit Windows 10 als OS laufen oder laufen könnten. Alle Lumia-Modelle der 30er-, 32er und 35er-Generation, das 540 und das 1520 werden beim Anniverary Update, also Windows 10 1607, stehen bleiben. Aktuell können sie noch per Insider-Programm auf die Version 1703 gebracht werden. Mit der Entwicklung von Redstone 3 sind sie dann aber von neuen Insider-Builds ausgeschlossen.

Creators Update schon jetzt

Desktop-PCs, Notebooks oder Tablets unter Windows 10 werden das Update dagegen alle erhalten. Es kann aber unter Umständen einige Wochen dauern, da das Creators Update in Wellen ausgerollt wird. Wer es jetzt schon installieren will, hat mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist das Anstoßen des Updates über diese Webseite bei Microsoft . Eine weitere ist die Neuinstallation der neusten Version des Betriebssystems von DVD oder USB-Stick. Die dafür nötige ISO-Datei bekommt man auch über das Media Creation Tool, das auf der selben Seite zum Download bereitsteht.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44629925 / Betriebssysteme und Netzwerk-Software)