Internet Protocol Version 6 & „Happy Eyeballs“

Was Unternehmen jetzt über IPv6 wissen sollten

| Autor / Redakteur: Paul Heywood / Andreas Donner

Wer weiter nur auf IPv4 setzt, den erwarten finanzielle Nachteile!
Wer weiter nur auf IPv4 setzt, den erwarten finanzielle Nachteile! (Bild: HAWISCHA - Fotolia.com)

Die sechste Version des Internetprotokolls steht nun schon seit einigen Jahren als Nachfolger von IPv4 bereit und kommt derzeit wenn überhaupt parallel zum Einsatz. Allmählich nähert sich jedoch der Punkt, an dem die Preise für IPv4 die Kosten der alleinigen Nutzung von IPv6 übersteigen. Für Unternehmen ein weiterer Grund, sich näher mit dem Thema IPv6 zu beschäftigen.

Vier von fünf Regional Internet Registries (RIR) verfügen über keine freien IPv4-Adressen mehr. Zuletzt meldete die ARIN, die regionale Verwaltung von Internet-Ressourcen in Nordamerika und Teilen der Karibik, dass sie ihr Kontingent an IPv4-Adressen vollständig ausgeschöpft hat. Allein das afrikanische RIR (AFRNIC) ist noch in der Lage IP-Adressen der Version Vier zu verteilen.

340 Sextillionen Adressen stellt die sechste Version des Internetprotokolls insgesamt bereit. Das entspricht 600 Billiarden Adressen auf jedem Quadratmillimeter der Erdoberfläche. Derzeit sind allerdings viele Inhalte und Services ausschließlich über IPv4-Adressen zugänglich. Viele Anbieter sehen bislang noch keinen Bedarf darin, ihre Inhalte über IPv6-Adressen anzubieten. Vielmehr befürchten sie bei einer Umstellung sogar eine Verschlechterung des Kundenerlebnisses. Mit zunehmender IPv6-Unterstützung von Betriebssystemen, Anwendungen und Netzwerken erhalten jedoch immer mehr Geräte automatisch auch eine IPv6-Adresse. So genannte Dual-Stack-Geräte, die sowohl IPv4 als auch IPv6 unterstützen, kommen somit immer häufiger vor.

Zweitmarkt für „gebrauchte“ Adressen

Über die Jahre hat sich ein starker Zweitmarkt für IPv4 entwickelt, wo „gebrauchte“ Adressen zum Verkauf stehen. Dieser Markt dient dazu, der Adressknappheit entgegenzuwirken und den Kauf neuer Adressen bei einer RIR zu vermeiden. Mit der nahenden IPv4-Ausschöpfung steigen allerdings auch die Preise für das Internetprotokoll der vierten Generation. Der Umstieg auf IPv6 scheint deswegen zunehmend die preiswertere Alternative zu sein.

Viele Organisationen haben diesen Schritt bereits hinter sich und verwenden IPv6-Adressen. Vor allem in Unternehmen, die sich mit dem mobilen Einsatz von Inhalten und Dienstleistungen befassen, ist ein ausreichendes Kontingent an IP-Adressen notwendig, das IPv4 nicht mehr gewährleisten kann.

Doch: Nur weil ein Gerät eine IPv6-Adresse besitzt, kann es noch lange nicht das komplette IPv6-Internet erreichen. IPv6 befindet sich noch immer im Anfangsstadium seiner Entwicklung und nicht alle Internetdienstanbieter oder größeren Unternehmensnetzwerke unterstützen das Format. Es funktioniert zurzeit daher oft nur im lokalen Netzwerk. Bei Netzwerken mit fehlender IPv6-Unterstützung erhält ein IPv6-fähiges Gerät von einem DNS-System eine IPv6-Adresse und versucht vergeblich sich zu verbinden. Dies führt zu Timeouts oder anderen Fehlermeldungen und schließlich zu unzufriedenen Nutzern.

Ergänzendes zum Thema
 
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„Happy Eyeballs“

Nach der internationalen Vereinigung Internet Engineering Task Force (IETF) wirkt sich der derzeitige Entwicklungsstand von IPv6 negativ auf dessen Implementierung aus. Die IETF, die so genannte Internettechnik-Arbeitsgruppe, ist für die Entwicklung und Bereitstellung von IPv6 verantwortlich. Um die Probleme rund um IPv6 zu beheben, hat die Organisation 2012 einen Algorithmus zur Steuerung von Anwendungsverhalten entwickelt: „Happy Eyeballs“. Die Idee ist simpel: Eine Anwendung versucht den Status der IPv4- und IPv6-Konnektivität zu ermitteln und entscheidet sich dann für das am besten funktionierende Internetprotokoll.

Dieser Algorithmus verbessert das Nutzungserlebnis und nimmt Content-Providern die Angst vor IPv6. Er stellt damit den ersten Schritt für eine erfolgreiche Einführung von IPv6 dar. Nutzer mit IPv6-unterstützenden Internetdiensten (z.B. von der Telekom oder Unitymedia), die außerdem moderne Internetbrowser wie die neuesten Versionen von Google Chrome, Safari, Firefox und Opera verwenden, profitieren bereits vom Algorithmus „Happy Eyeballs“.

Internet der Dinge als Treiber von IPv6

Neben „Happy Eyeballs“ kurbeln noch andere Faktoren die Verbreitung von IPv6 an. Beispielsweise wächst das Internet der Dinge rasant. Heutzutage scheint täglich ein neues internetfähiges Gerät auf den Markt zu kommen. Angesichts des knappen IPv4-Kontingents werden diese Geräte – und es werden einige von ihnen sein – keine IP-Adressen der vierten Generation mehr nutzen. Stattdessen werden sie direkt IPv6 unterstützen. Dadurch lassen sich Verbindungsschwierigkeiten bei der Network Address Translation (NAT) vermeiden, die bei IPv4 ein allgegenwärtiges Problem ist.

Nicht nur die üblichen Probleme mit IPv4 lassen sich mithilfe von IPv6 entschärfen. Eine Netzwerkumgebung, die auf dem Internetprotokoll der sechsten Generation basiert, ermöglicht außerdem eine richtige Ende-zu-Ende-Verbindung. Auf diese Weise können Endgeräte direkt miteinander verbunden werden und über diese Verbindung unmittelbar miteinander kommunizieren.

Auch wenn der weitere Verlauf der Weiterentwicklung des Internets der Dinge noch unklar ist, wird es in Zukunft immer mehr Geräte geben, die miteinander kommunizieren wollen. IPv6 macht diese Kommunikation nicht nur möglich, sondern auch einfacher.

Paul Heywood.
Paul Heywood. (Bild: Dyn)

IPv4, das COBOL der Internetprotokolle

Bei dem Thema IPv6 ist oft von einem Wandel die Rede. In Wirklichkeit handelt es sich dabei aber nur um die Einführung neuer Standards. Je mehr IPv6-fähige Geräte und Netzwerke zur Verfügung stehen, desto mehr Inhalte und Dienstleistungen können über IPv6 erreichbar sein. Dadurch wird immer mehr Traffic über IPv6 laufen, während das Angebot von IPv4-Adressen zunehmend kleiner wird. IPv4 wird allerdings nicht komplett durch IPv6 ersetzt, sondern bleibt uns noch eine lange Zeit erhalten – genauso wie COBOL, eine Programmiersprache aus den 1950er Jahren, die bis heute noch verwendet wird.

Über den Autor

Paul Heywood ist Managing Director EMEA bei Dyn.

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