Durchblick im WLAN

Test: Netscout AirCheck G2

| Autor: Andreas Donner

Der NetScout AirCheck G2 ist ein handlicher WLAN-Tester, der die Administration drahtloser Netze sehr erleichtern kann.
Der NetScout AirCheck G2 ist ein handlicher WLAN-Tester, der die Administration drahtloser Netze sehr erleichtern kann. (Bild: VIT (Donner))

Mit dem WLAN-Tester AirCheck G2 von Netscout lassen sich drahtlose Netzwerke im Detail sichtbar machen. Das hilft sowohl bei der optimalen Einrichtung eines WLANs als auch bei der Fehlersuche. Und dabei muss man nicht erst Elektrotechnik studieren, um schnell mit dem handlichen Tester vertraut zu werden.

Mit einem Straßenpreis von aktuell rund 2.650 Euro in der kleinsten Ausstattungsvariante zählt der AirCheck G2 sicher nicht mehr zu den Pflichtwerkzeugen eines jeden Admins. Dennoch kann sich die Investition schnell lohnen, wenn sich damit Probleme im WLAN zuverlässig aufspüren oder vielleicht sogar von Anfang an vermeiden lassen.

Denn, Hand aufs Herz, in der klassischen Vorgehensweise beim Aufbau eines kleineren WLANs hängt man entweder nach Gefühl Access Points auf oder läuft bestenfalls mit einem Notebook und passender Scan-Software sowie zwei, drei ausgewählten WLAN-Clients durchs Gebäude und „überprüft“ so die Zellgrößen, Feldstärken und Roaming-Bereiche.

Ein Unterfangen, das oft sogar erstaunlich gut funktioniert – im Detail bzw. bei wachsender Belastung des WLANs dann aber doch seine Schwachstellen aufweist. Denn nicht selten sind gerade viele gleichzeitige Clients und/oder hohe Transferraten der Grund, dass so manches im Test gut funktionierendes drahtloses Netz im Betrieb in die Knie geht. Und dann muss entweder doch ein professioneller Dienstleister her, oder man schafft ein Messgerät an und geht den Problemen selbst auf den Grund. Besser also, wenn ein solches Messgerät bereits von Anfang an vorhanden ist, und Fehler damit von vorneherein vermieden werden können.

Ease of Use

Bereits beim ersten Kontakt mit dem AirCheck G2 wird klar, dass auch dieses Gerät der gewohnt hohen Qualität und dem durchdachten Design von Netscout-Messgeräten in nichts nachsteht. Angenehm liegt das Gerät in der Hand und auch ohne das in der Kit-Variante mitgelieferte Holster dürfte das Gerät den einen oder anderen Sturz wohl unbeschadet überstehen.

Innerhalb weniger Sekunden nach dem Betätigen des Power-Buttons hat der AirCheck die einzelnen Bereiche des aufgeräumten und übersichtlichen Start-Screens initialisiert und den sich wiederholenden Scan-Zyklus aller WLAN-Kanäle gestartet. Auf den ersten Blick zeigt das Gerät die Anzahl der in der Umgebung gefundenen Netzwerke, Access Points und Clients an.

Ein Klick auf die Schaltflächen der einzelnen Bereiche löst die jeweilige Anzeige Schritt für Schritt tiefer auf und bringt so mehr und mehr Details zum Vorschein. So lassen sich nach dem Berühren des Bereichs „Netzwerke“ sofort die gefundenen WLANs mit ihrer SSID, der Anzahl zugehöriger Access Points und Details zu den Signalstärken überblicken. Ein Klick auf ein Netzwerk der Liste liefert erneut zusätzliche Details und weitere Möglichkeiten, noch tiefer in die einzelnen Netz-Bereiche einzutauchen.

Steigt man vom Start-Bildschirm über die Schaltfläche der „Access Points“ oder den Bereich der „Clients“ in die WLAN-Details ein, kann man auch hier von einem zum nächsten Bildschirm Schritt für Schritt immer tiefer und detaillierter in die Bereiche der einzelnen Drahtlosnetze eintauchen. Viele Filtermöglichkeiten in nahezu jeder Ansicht erlauben es auch bei großen Netzen oder einer Vielzahl an Informationen stets den Überblick zu behalten und schnell zur gewünschten Information vorzudringen.

„AutoTest“ und „Kanäle“

Die ebenfalls auf dem Startbildschirm verfügbaren Funktionen „AutoTest“ und „Kanäle“ erweisen sich beim schnellen Überblick über das Geschehen auf der Luftschnittstelle als sehr nützlich. Der „AutoTest“ führt mehrere Tests sequentiell durch und gibt im anschließend eingeblendeten Ergebnis-Screen detailliert Auskunft über den Zustand des Äthers. Angezeigt werden die Auslastung der Frequenzbereiche durch 802.11-Signale sowie die Auslastung des Bereichs mit Störsignalen. Zudem listet der AirCheck auch noch genaue Informationen zur Gleichkanalstörung und zur Nebenkanalstörung auf. Wie in allen Bereichen können auch hier die Ergebnisse aufgrund ihrer farblichen Codierung auf den ersten Blick eingeordnet werden. Aber auch hier kann selbstverständlich tiefer in die einzelnen Ergebnisse eingetaucht werden.

Der Bereich „Kanäle“ zeigt sämtliche Kanäle des 2,4- und des 5-GHz-Bandes und die jeweilige Auslastung und Belegung grafisch an. Auf sehr einfache Art und Weise kann so bspw. die jeweils an diesem Ort optimale Kanalauswahl für einen zu platzierenden Access Point bestimmt werden.

Tests im eigenen Netz

Um tiefer gehende Tests im eigenen Netz zu ermöglichen, kann sich der AirCheck mit jedem Netz verbinden, dessen SSID und Sicherheitsschlüssel bekannt sind. Dabei kann sich der AirCheck entweder speziell mit einem bestimmten Access Point verbinden, und zu weiteren Tests wie bspw. dem Bereichstest mit diesem dauerhaft verbunden bleiben, oder sich ganz einfach wie jeder andere Client auch ins Netz einloggen.

Während des Einloggens ins Netz bzw. des Verbindungsaufbaus mit dem Access Point können definierbare Tests wie bspw. der Ping zum Gateway, zum DHCP- und zum DNS-Server sowie der Aufbau einer Internetverbindung ausgeführt werden. Das Ergebnis dieser Tests wird nach erfolgreichem Login ebenso angezeigt wie die aktuell verfügbare PHY-Datenrate.

Bereichstest

Ist der AirCheck mit einem Access Point verbunden, lässt sich der „Bereichtest“ aktivieren. Dabei bleibt der AirCheck zwingend so lange mit dem ausgewählten Access Point verbunden, bis er dessen Signal verliert. Beim Wiedererkennen des Signals erfolgt ein automatischer Re-Connect. Damit lässt sich die Abstrahlcharakteristik des APs bzw. die durch ihn aufgespannte Zellgröße in jedem Frequenzband sehr genau erfassen und dokumentieren. Wer es ganz genau wissen will, hat zudem die Möglichkeit über ein detailliertes Protokoll jeden einzelnen Kommunikationsaspekt zwischen dem AP und dem AirCheck nachzulesen.

Roaming-Test

Höchst interessant und aufschlussreich ist das Feature des Roaming-Tests. Dazu verbindet man den AirCheck mit dem zu untersuchenden Netzwerk und klickt anschließend auf „Roaming-Test“. Nun verhält sich der AirCheck wie ein herkömmlicher WLAN-Client und wechselt bei Bewegungen durch das Netz auch wie ein solcher an den Zellgrenzen zum nächsten Access Point. Begleitet wird der Test von einer Signalqualitäts-Grafik, in der eine vertikale Linie den Wechsel zum nächsten AP anzeigt. Größtes Manko bei diesem Test ist allerdings, dass der Name des Access Points sich bei einem AP-Wechsel nicht ändert. Angezeigt wird hier stets der Name des Access Points, mit dem sich der AirCheck initial verbunden hat. Somit muss die Zuordnung, mit welchem AP der AirCheck gerade verbunden ist, über die Kanalanzeige und den messenden Admin vorgenommen werden. Spätestens bei größeren Netzen mit mehreren APs, die aufgrund ihrer großen Distanz zueinander denselben Kanal verwenden, ein echtes Problem!

Ebenfalls als Manko muss hier bemerkt werden, dass eine Beschränkung dieses Tests auf eines der beiden Frequenzbänder nur im Vorfeld über die grundsätzlichen 802.11-Settings des AirCheck erfolgen kann. Will man also bspw. das Roaming-Verhalten von Geräten testen, die jeweils nur im 2,4- oder im 5-GHz-Band beheimatet sind, dann muss das jeweils andere Funkmodul des AirCheck im Vorfeld in den Geräte-Settings abgeschaltet werden. Etwas umständlich! Besser wäre es hier, wenn beim Beginn des Roaming-Tests festgelegt werden könnte, ob zu diesem Test beide Frequenzbänder oder eben nur eines verwendet werden soll.

Dennoch: dieser Test hat es in sich. Exakt lässt sich damit die Funkfeldstärke einzelner APs so einstellen, dass ein optimales Roaming möglich wird und sich die Zellen der einzelnen APs möglichst wenig überlappen. Insbesondere interessant ist dieser Test natürlich dann, wenn kein Controller-basiertes WLAN zum Einsatz kommt, in dem der Controller bzw. die intelligenten APs den Wechsel jedes einzelnen Clients zu einem anderen AP steuern. Denn in preiswerten und gerade in kleinen Umgebungen wie Ladenlokalen, Praxen und Kanzleien zu findenden WLANs fehlt diese Steuerung häufig und so bestimmt ausschließlich der Client, wann und zu welchem alternativen AP er wechselt.

Sicher kann in einem solchen Szenario der AirCheck auch nur ein Gefühl für die reale Situation geben, denn schließlich wird sich ein iPhone beim Zellwechsel sicher anders Verhalten als ein Samsung- oder LG-Client. Und auch innerhalb der Produktrange eines Herstellers werden sich die einzelnen Geräte teils drastisch bei ihrem Zellwechselverhalten unterscheiden. Nichtsdestotrotz kann der AirChewck hier aber eine echte Hilfe sein, die Netzabdeckung deutlich zu optimieren.

Auf der Suche nach Access Points

Wo genau war noch mal der Access Point in der Buchhaltung verbaut? Hatte man den seinerzeit nicht sogar unter die Deckenverkleidung gesetzt? Fragen wie diese werden wohl die meisten Admins kennen. Und ohne Messgerät macht man sich hier dann genauso planlos auf die Suche nach dem betreffenden AP wie bei der Verfolgung eines Hinweises, dass es einen unautorisierten, so genannten Rogue Access Point im Unternehmensnetz geben muss.

Auch hier leistet der AirCheck gute Dienste. Zwar gerät das Auffinden eines Access Points nur mit den integrierten Antennen auf den letzten Metern mehr und mehr zum Glücksspiel, setzt man jedoch die separat erhältliche oder in der Kit-Ausstattung enthaltene Richtfunkantenne zum Auffinden von Signalquellen ein, dann gelingt das Ganze schon sehr professionell.

Die Richtantenne lässt sich dazu entweder über einen separat montierbaren Clip an der Geräterückseite befestigen oder – die wesentlich effektivere Variante – man verwendet die Richtantenne frei in der Hand und kann so durch Drehen und Umlagern selbiger Antenne die gewünschte Signalquelle zielsicher aufspüren. Um dabei nicht permanent auf den Signalstärkenverlauf auf dem Display des AirCkeck starren zu müssen, kann die Signalstärke des gesuchten APs auch akustisch über den integrierten Lautsprecher oder über ein USB-Headset ausgegeben werden.

Beginners und Profis

Wie bereits erwähnt kann man das Gerät bereits nach dem ersten Einschalten und dem Festlegen der Sprache und des Landes sehr professionell nutzen. Sämtliche Default-Einstellungen sind so clever gewählt, dass lange Konfigurationsprozesse vor dem ersten Einsatz des Geräts nicht nötig sind.

Kommen mit der Zeit und der Erfahrung dann aber doch Wünsche nach veränderten oder individualisierten Einstellungen auf, lässt sich eine riesige Bandbreite von Parametern im Settings-Menü des AirCheck individuell konfigurieren. Und das Beste dabei: über Benutzer- und Anwendungsprofile können die Parameter-Settings dauerhaft gespeichert und bei Gelegenheit schnell erneut geladen oder ausgetauscht werden.

Legt man sich den von Netscout kostenfrei angebotenen Cloud-Zugang zu und verknüpft den AirCheck mit selbigem, lassen sich alle Tests und Testergebnisse auch automatisch in die Cloud übertragen und dort speichern. Ideal, um sich während der Messungen um nichts kümmern zu müssen und anschließend dennoch komfortabel auf die Messdaten zugreifen zu können. Auch für das Reporting und die Archivierung ist diese Funktion goldwert.

Aber auch ohne Cloud-Anbindung bietet der AirCheck umfassende Dokumentations- und Speichermöglichkeiten. Auf dem integrierten Speicher lassen sich Messwerte, Protokolle, Einstellungen und Screenshots sichern und zur späteren Bearbeitung und Auswertung über die USB-Schnittstellen auf einen Stick übertragen.

Der Übergang vom WLAN ins LAN

Über die integrierte LAN-Schnittstelle lassen sich mit dem AirCheck dann auch rudimentäre LAN-Tests durchführen. Getestet werden die Verfügbarkeit eines Gateways, eines DHCP- und DNS-Servers sowie der Zugriff ins Internet und die Verfügbarkeit von Power over Ethernet (PoE). Auch diese Tests sind selbstverständlich konfigurierbar und erlauben es dem Admin zu überprüfen, ob der Fehler vielleicht gar nicht am WLAN sondern an der kabelgebundenen Verbindung des APs mit dem Firmennetz liegt. Netscout bezeichnet diese Tests als Backhaul-Tests und sie runden das Leistungsspektrum des AirCheck optimal ab.

Bleibt ein kleiner Wermutstropfen: Der Ladezyklus des fest verbauten Akkus im AirCheck nimmt viel Zeit in Anspruch. Ist der Akkustand gering, muss das Gerät schon mal für einen dreiviertelten Arbeitstag ans Netz um wieder einsatzbereit zu sein. Allerdings hält eine solche Akkuladung dann auch entsprechend lange und so lässt sich das lästige Laden wohl stets geplant in die arbeitsfreien Zeiten legen.

Fazit

Der Netscout AirCkeck G2 ist sein Geld absolut Wert. Zwar schlägt das WLAN-Messgerät in der „nackten“ Variante mit rund 2.650 Euro (brutto) zu Buche und kostet im Kit inklusive Holster, Richtantenne und KFZ-Ladekit sogar knapp 200 Euro mehr, hat man aber erst mal mit dem Gerät gearbeitet und das eigene WLAN untersucht und optimiert, wird man es wohl nicht mehr missen wollen. Ebenfalls ein Nachteil, aber natürlich in der Sache selbst begründet, dürfte die schnelle Überalterung des Geräts sein. Zwar unterstützt die seit knapp einem Jahr erhältliche G2-Version bis zum Standard 802.11ac alle WLAN-Derivate, doch die rasante Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass man ein Messgerät für diesen Bereich wohl öfters aktualisieren müssen wird als bspw. einen klassischen LAN-Tester.

Bei Interesse gibt es direkt bei Netscout weitere technische Details zum AirCheck G2 sowie eine interaktive Live-Demo, in der man sich durch die einzelnen Funktionsbereiche des Testers klicken und so erste Eindrücke gewinnen kann.

Netscout zeigt AirCheck G2

802.11ac und Ethernet-Tests für AP-Backhaul

Netscout zeigt AirCheck G2

31.05.16 - Mit dem AirCheck G2 verspricht Netscout einen portablen WLAN-Tester, der Technikern leicht verständliche Einblicke in Drahtlosnetze aktueller Standards bieten soll. lesen

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