Software-Defined Networking am Wendepunkt

Sind wir wirklich reif für SDN?

| Autor / Redakteur: Jason Dover / Andreas Donner

Erst SDN macht die Netzwerkstrukturen flexibel genug für künftige Anforderungen.
Erst SDN macht die Netzwerkstrukturen flexibel genug für künftige Anforderungen. (Bild: gemeinfrei / geralt - pixabay / CC0)

Software-Defined Networking (SDN) hat mit einer Fülle an Meinungen, Use Cases und Standpunkten in Bezug auf die Akzeptanz und Erklärungen dazu, was SDN tatsächlich umfasst, für einen regelrechten Hype gesorgt. Als jemand, der die Verdienste des softwaredefinierten Paradigmas und der Netzwerkvirtualisierung bereits seit 2010 propagiert, nehme ich jetzt dazu Stellung.

Betrachten wir zunächst die Anwendungen. Hier klafft eine große Lücke zwischen Erwartungen und Realität, was den Wertbeitrag von SDN für Rechenzentren und möglicherweise das Weitverkehrsnetz (WAN) angeht. Wenn Unternehmen SDN betrachten, so tun sie dies vorzugsweise im Hinblick auf die SDN-Infrastruktur. Sie wollen die Wunderwaffe, die es ihnen ermöglicht, viele ihrer alltäglichen operativen Herausforderungen zu automatisieren oder elastischer zu gestalten. Das Problem ist jedoch, dass die SDN-Infrastruktur selbst hierzu nichts beiträgt.

Die SDN-Infrastruktur ist lediglich der Mechanismus – oftmals auch als Kontrollebene bezeichnet –, mit dessen Hilfe Netzwerkdienste dieses Ziel erreichen. Doch wie lässt sich operative Effizienz über elastische Skalierung, agile Bereitstellung, Disaggregation sowie Just-in-Time-Implementierung applikationszentrischer Netzwerkdienste erzielen – und gleichzeitig die Netzwerkstabilität automatisiert verbessern?

Ganz einfach: Mit Hilfe intelligenter, mit der SDN-Infrastruktur eng verzahnter Dienste für Netzwerkapplikationen!

SDN-adaptive Technologie

Als Beispiel lässt sich hier die SDN-adaptive Technologie von KEMP Technologies anführen. Sie läuft innerhalb der Load Balancer und kommuniziert mit dem SDN-Controller, um Informationen über den Zustand der Switch-Infrastruktur zu sammeln. Nehmen wir an, es treten Probleme auf, welche die Anwendungserfahrung der Nutzer beeinträchtigen, die versuchen, auf unterstützte gehostete Applikationen zuzugreifen.

Dann werden Anfragen zur Steuerung des Traffic verwendet, um diesen um den Hotspot herum zu leiten. Dies ist wichtig, da die heutigen Controller einen komfortablen, wartungsfreien Ansatz in Bezug auf die Programmierung des Datenflusses nutzen.

Ein weiteres Beispiel für die Optimierung von Anwendungen in SDN-Umgebungen ist die Ergänzung der Quality-of-Service-Funktion (QoS). Hier erhält der Application Delivery Controller (ADC) die Anfrage für eine spezifische Prioritätenstufe. Handelt es sich beispielsweise um eine Videoanfrage, fügt der ADC eine QoS-Kennung für die höhere Priorisierung der Pakete ein. Dadurch werden die Pakete auf dem weiteren Transport durch die Switch-Infrastruktur mit höherer Priorität als andere Pakete in Richtung des Video-Dienstes transportiert. Gleichzeitig meldet sich der ADC beim Controller und stellt die Anfrage, die Antwortpriorität auf den gleichen Level außerhalb des Servers zu setzen, so dass der Anwender eine bidirektionale QoS für sein Video erhält. Das Ergebnis ist ein sauberer, jitterfreier Videostream mit dynamischem Aufbau und ohne die Notwendigkeit manueller Intervention.

Heißes Eisen Akzeptanzgrad

Nun widmen wir uns dem Akzeptanzgrad von SDN, denn dies ist tatsächlich ein heißes Eisen. Viele Neinsager spielen die Zukunft von SDN herunter, wogegen andere eher passiv zuschauen und sich fragen, warum es sich nicht schneller durchsetzt. Die Realität sieht so aus, dass SDN in der Wirklichkeit angekommen ist und Pilotprojekte erfolgreich verlaufen. Es gibt zwei Gründe, warum es noch nicht so weit verbreitet produktiv ist wie wir dies gerne sähen.

Erstens fehlt noch das Verständnis für die Use Cases und Unternehmen halten noch nicht Ausschau nach Einsatzszenarien mit Netzwerkapplikationsdiensten. Zum zweiten erfordert die Einführung von echter SDN-Infrastruktur – im Vergleich zu herstellerspezifischer ACI- oder NSX-Implementierung – den Einsatz von Openflow oder in einigen Fällen alternativen Southbound-Schnittstellen zu den Switches. Das bedeutet, die Umgebung benötigt Openflow-Support in den Switches.

Openflow ist ein Protokoll, das die Switch-Hersteller in ihre Komponenten implementieren müssen. Doch erst mit ausreichender Openflow-Durchdringung wird sich dieser Standard durchsetzen. Für die Endkunden bedeutet Openflow eine erhebliche Investition in die Switch-Infrastruktur. Legacy-Switches unterstützen das Protokoll nicht und können aufgrund ihres Hardware-Design auch nicht nachträglich kompatibel gemacht werden.

Die Forderung nach Openflow-Support macht es der IT anfänglich schwer, auf Basis der CAPEX-Vorteile einer SDN-Implementierung zu argumentieren. Ich halte dies aber nur für eine kurzfristige Herausforderung, da viele Rechenzentren ihre Infrastruktur regelmäßig aktualisieren. Dabei werden auch Greenfield-Infrastrukturen implementiert. Einer der großen Vorteile von SDN ist, dass es gleichzeitig mit traditionellen Netzwerken arbeitet.

Prognose

Meine Prognose ist daher, dass die Akzeptanz der SDN-Infrastruktur 2017 weiter voranschreiten wird. Somit steht den Leitern der IT- und Fachabteilungen ein Instrument zur Verfügung, mit Hilfe dessen sie die Vorteile von Use Cases auf Applikationslevel rund um operative Effizienz und Ausfallsicherheit entdecken können. Zu diesen gehören die Automatisierung von Netzwerkdiensten, die schnelle Bereitstellung von Diensten, Cloud-Integration sowie hybride Automationsdienste. Und es werden sich noch weitere bislang unentdeckte Nutzeneffekte dieser aufstrebenden Technologie hinzugesellen.

Zahlreiche Organisationen sind gerade dabei, Netzwerkdienste für SDN zu entwickeln. SDN hebt den Wert der Netzwerkvirtualisierung auf ein völlig neues Niveau, indem solche Dienste befähigt werden, die Infrastruktur direkt und dynamisch im Interesse der gehosteten Applikationen und ihrer Anwender zu beeinflussen.

Jason Dover.
Jason Dover. (Bild: Kemp Technologies)

Die SDN-Debatte wird mit Sicherheit noch weitergehen, aber wir sind an einem Wendepunkt angelangt – und im Laufe des kommenden Jahres werden sicherlich konkretere Schritte folgen.

Über den Autor

Jason Dover ist Director of Product Line Management bei KEMP Technologies. Als Fachexperte im Bereich Messaging-Technologien sowie Application Delivery verfügt er über Erfahrungen in Design und Implementierung von Enterprise-Unified-Communications- sowie Directory-Lösungen.

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