Das MEF und seine Vision von der Zukunft des globalen Netzwerkens

Proof-of-Concept – Lösungen für das Third Network

| Autor / Redakteur: Uwe Scholz / Andreas Donner

Eine Kombination aus Carrier-Ethernet 2.0 und dem Internet ist laut MEF das optimale Netz der Zukunft.
Eine Kombination aus Carrier-Ethernet 2.0 und dem Internet ist laut MEF das optimale Netz der Zukunft. (Bild: Uwe Scholz)

Die Leistungsfähigkeit von Carrier-Ethernet verbunden mit der Verfügbarkeit, Einfachheit und Zuverlässigkeit des PSTN sowie der Flexibilität des Internets – das war lange der Traum. Entsprechende, bereits verfügbare Lösungen zeigen allerdings die enorme Dynamik der Entwicklung – und wie greifbar die Realisierung der Vision eines Third Network heute ist.

Im September 2014 hat das MEF seine Vision der Zukunft des globalen Netzwerkens präsentiert. Sie gilt der Vereinigung der Vorzüge zweier unterschiedlicher Netze: Carrier-Ethernet 2.0 als Service mit gesicherter Performanz und Security, allerdings dem Nachteil der zeitaufwändigen Bereitstellung, sowie dem Internet, das on-demand global verfügbar ist, aber mit signifikanten Problemen bei der Leistung und Sicherheit zu kämpfen hat.

Die Idee des Third Network ist einleuchtend: Die Bereitstellung flexibler, gesicherter und orchestrierter Services weltweit. Flexibel meint hier die Bereitstellung von On-Demand-Services in Realtime. Gesichert meint die garantierte Leistung und Security und orchestriert bedeutet die automatisierte Einrichtung der Services über mehrere Service-Provider hinweg.

Die IT-Industrie ist selten verlegen um Versprechen bezüglich verblüffender Zukunftslösungen. Aber auch wenn die technischen Probleme gemeistert werden können, so stehen der Realisierung doch oftmals ökonomische, politische oder Wettbewerbsgründe entgegen. Dies im Hinterkopf, bot sich den Besuchern der GEN14 in Washington eine Überraschung – zumal der Mittelpunkt der Veranstaltung ein Proof-of-Concept-Showcase war, der eine praktische Sicht auf die Vision des Third Network zuließ.

Demonstriert wurden Implementierungen von Lifecycle-Service-Orchestrierung, automatisierte Bereitstellung mit SDN und NFV, dynamische cloud-zentrierte Services und andere Innovationen – allesamt betriebsbereit. Organisiert wurde die PoC-Area vom Berliner EANTC.

Was für die Zukunft der Branche einiges erwarten lässt, war das Maß an Kooperationen bei der gesamten Demonstration. Anders als bei vielen Branchenevents gab es keine parallele Zurschaustellung der Lösungen konkurrierender Hersteller, die ihre eigenen Systeme gegenüber dem Wettbewerb promoten wollten. Stattdessen stand die Zusammenarbeit unterschiedlicher Hersteller im Mittelpunkt um zu beweisen, dass konsistente Kommunikation über eine Vielzahl von Netzwerken und Herstellern hinweg möglich ist. Eben dies gilt es zu erreichen, wenn die Investitionen für die Zukunft gesichert und die Gefahren eines Vendor- oder Provider-Lock-In überwunden werden sollen.

Lösungsdemonstration

Die Lösungsdemonstrationen erfolgten in sechs Gruppen aus fünf unterschiedlichen Kooperationsteams sowie einer Lösung von Cyan. Im Zentrum stand die schnelle On-Demand-Konfiguration und Aktivierung von Services. Daneben wurde gezeigt, wie Kunden Online-Services aus einem Katalog auswählen und bestellen können oder wie Performance-Monitoring und Reporting für On-Demand-Services heute funktionieren können.

Zwei Service-Provider, Allstream und Tata Communications, zeigten die Modifikation und Aktivierung von Ethernet-Services (MEF Standard CE4CloudIA) über ihre beiden unabhängigen Clouds hinweg. Beide Provider verfügen über ihre eigenen Order-Management-Systeme, aber mittels des vom MEF standardisierten ENNI und basierend auf dem MEF CE4Cloud-Informationsmodell arbeiten die beiden Systeme zusammen und erweitern den CE2.0-Interconnect um elastische Services für eine schnellere Verfügbarkeit sicherer und gesicherter Verbindungen.

Die flexible Architektur basierend auf MEF- und Internet-Standards ermöglicht die Einführung von Kundenportalen, während eine umfassende Orchestrierung die komplette Kontrolle der Prozesse der Service-Konfiguration über mehrere Provider hinweg zulässt.

Amartus und Transition Networks zeigten ihre Orchestrierungslösungen und fokussierten dabei auf zwei Szenarien, die ein Transition Networks CE2.0-Netzwerk via REST API auf Basis von TMF und MEF-Standards nutzten. Das erste Szenario zeigte die Nutzung von iPad Apps und der REST API für agile und einfach zu verwendende Lösungen für Feldtechniker zur Einrichtung und zum Betrieb von Netzwerken.

Die zweite Lösung zeigte die Bereitstellung eines komplexen Multimedia-Infrastruktur-Services mittels eines dynamischen Service-Kataloges. Genutzt wurde ein CE2.0 Netzwerk zur Verbindung jedes Unternehmensstandortes zur Cloud-basierten IMS-Lösung basierend auf offenen Systemen und Standards sowie Open-Source-NFV-, SDN- und Cloud-Technologien. Der gesamte Ende-zu-Ende-Service wurde in einem einzigen Prozess etabliert.

Interessante Präsentationen und intensive Diskussionen prägten das Bild der GEN14 in Washington.
Interessante Präsentationen und intensive Diskussionen prägten das Bild der GEN14 in Washington. (Bild: Uwe Scholz)

CenturyLink und Ciena

Die Partnerschaft von CenturyLink und Ciena eröffnet die Möglichkeit für Service-Provider, die Orchestrierung von MEF-Services in einer „hardware-agnostischen“ Domain zu automatisieren. Das Kernangebot von Providern sind Services. Sie sollten sich um die zugrundeliegenden Technologien keine besonderen Gedanken machen müssen. Die Rolle von Ciena war es hier, Werkzeuge zur Implementierung der offenen APIs von CenturyLink zu liefern. Die Demonstration reflektierte die Arbeit des MEF am künftigen MEF 7.3 Informationsmodell.

CYAN zeigte, wie die Multivendor-CE2.0-Infrastruktur durch SDN und NFV erweitert werden kann – mit dem Fokus auf tatsächliche Einsparungen im praktischen Einsatz. Im Falle eines europaweiten Netzwerkes über 23 Länder hinweg und mit 46.000 Kilometern Glasfaser ermöglicht diese Multi-Service-Plattform mit SDN eine Einsparung von 60 Prozent der Infrastruktur- und Zugangskosten. Mit NFV und virtuellem Equipment für die Standorte wie etwa Firewalls oder Encryption liegt die Einsparungen für den Carrier bei 80 Prozent.

Eine zweite Demonstration betraf ein asiatisches Netzwerk, das die Top-100 Rechenzentren in APAC verbindet. Hier wurde die Zeit für die Einführung neuer Services vom Konzept bis zur öffentlichen Vorstellung auf lediglich vier Wochen reduziert, wobei mehr als 30 Prozent der Betriebskosten eingespart werden konnten.

Network-as-a-Service

Network-as-a-Service ist ein Kernkonzept der Third-Network-Vision des MEF. Die Vorstellung von Oracle InfoVista zeigte, wie hier eine vollständige Integration mit Business-Management-Prozessen erreicht werden kann. Kunden können mit dieser Lösung einen CE-Service selbständig online spezifizieren (MEF 7.3, 10.3 und 26.1), einschließlich der Ende-zu-Ende-Bereitstellung und des Performance-Managements über verschiedene Netzwerke, Technologien und Provider hinweg. Die vier Demonstrationen umfassten Self-Service-NaaS-Angebote und -Bestellungen, dynamische und automatisierte NaaS-Orchestrierung, Wholesale-E-Access-Orchestrierung sowie die Überprüfung, ob die angeforderten Services exakt wie spezifiziert geliefert wurden.

Und schließlich zeigten WebNMS, Omnitron und VeEX die Vorteile einer Service-Orchestrierung für eine elastische Bereitstellung von SLA-gesicherten CE2.0-Services (MEF 7.2, 10.3, 35 und 36), allerdings basierend auf einer unterschiedlichen Konfiguration, in der WebNMS eine intuitive Portal-GUI mit 3D-Visualisierung der unterschiedlichen Netzwerk-Layer lieferte. Zusätzlich wurde ein cloud-basiertes Self-Service-Kundenportal mit Web- und Mobile-Apps gezeigt, über das Kunden Bandbreite dynamisch ordern und testen können. Hierbei ging es um 10G und 1G Fiber-Ringe mit SLA-gesicherten EVCs zwischen mehreren Omnitron Demarkations-Services.

Allen Demonstrationen war gemein, dass großer Wert auf die Augenscheinlichkeit der vorgestellten Lösungen gelegt wurde. Beispielweise wird der Nutzen einer dynamischen Servicekonfiguration durch den Anwender sofort evident, wenn sich bei einer schlechten Videoübertragung durch das temporäre Hinzufügen von zusätzlicher Bandbreite die Bildqualität sofort verbessert. Diese unmittelbar greifbare Erfahrung lässt erwarten, dass sich Third-Network-Lösungen bei Service-Providern und ihren Kunden schnell durchsetzen werden.

Fazit

Carsten Rossenhövel, Managing Director des European Advanced Networking Test Centers aus Berlin, das für das Management des Showcase verantwortlich zeichnete, zog ein positives Resümee: „Die GEN14-Besucher konnten sich aus erster Hand davon überzeugen, was in der Welt der Service-Bereitstellung für Geschäftsanwender heute möglich ist, wenn Unternehmen bei der Entwicklung dieser Lösungen mit Carrier-Ethernet, SDN, NFV, automatisiertem Provisioning, Service-Orchestrierung und anderen Innovationen zusammenarbeiten.“

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