Virtuelle Desktop-Infrastrukturen im Fokus

Pro und contra VDI: Der Wille ist da – die Skepsis aber auch

| Autor / Redakteur: Andre Dieball / Andreas Donner

Über Virtual Desktop Infrastructure lassen sich Kosten sparen und das Business zentralisieren – doch viele halten die Technik noch nicht für ausgereift.
Über Virtual Desktop Infrastructure lassen sich Kosten sparen und das Business zentralisieren – doch viele halten die Technik noch nicht für ausgereift. (Bild: buchachon - Fotolia.com)

Der Anteil der Desktops, die über eine virtuelle Desktop-Infrastruktur bereitgestellt werden steigt rasant. Aktuelle Zahlen zeigen aber auch immer noch eine gewisse Skepsis gegenüber der Virtualisierung von Desktops in Unternehmen. Denn oft ist unklar, wie Aufwand und Kosten in Grenzen gehalten werden können und welche Vorteile eine VDI unterm Strich bringt.

Zunächst einige aktuelle Zahlen: Eine im vergangenen Jahr durchgeführte Studie im Auftrag des Application-Performance-Unternehmens Riverbed Technology hat ergeben, dass 74 Prozent der IT-Entscheider in Deutschland ihre Anwendungen zeitnah zentralisieren wollen.

Die Frage nach entsprechenden Investitionen richtete sich an 400 CIOs aus Europa und dem Nahen Osten, 100 CIOs davon kommen aus Deutschland. Für mehr als die Hälfte der deutschen Befragten (54 Prozent) ist hier die Server-Virtualisierung das erste Investitionsziel. Schon auf Platz zwei folgt mit 46 Prozent die Desktop-Virtualisierung. 33 Prozent gaben die Storage-Virtualisierung als zu priorisierende Maßnahme an.

Wesentlicher Antreiber ist für mehr als zwei Drittel (69 Prozent) derer, die ein Konsolidierungsprojekt ins Auge gefasst haben, die Datensicherheit – gefolgt von der Reduzierung der IT-Kosten in der Zweigstelle (57 Prozent) und dem Wunsch nach mehr Kontrolle über die Upgrades von Servern und Anwendungen (45 Prozent).

Eine weitere Marktbefragung aus dem vergangenen Jahr unterstreicht diesen Trend: Für die „Virtualized Desktop and Client Computing (VCC) in Deutschland 2013“-Studie hat das Marktforschungsinstitut IDC 250 deutsche Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt. Die Erhebung behandelte in erster Linie die Frage, welchen Einfluss die Aspekte Mobility, Bring Your Own Device (BYOD) und IT-Sicherheit auf die aktuelle oder geplante Nutzung von Client-Virtualisierung haben.

Unter Client-Virtualisierung fasst IDC konkret die Maßnahmen Desktop-Virtualisierung, Applikations-Virtualisierung, Virtual User Session und User-Virtualisierung zusammen. Das Ergebnis: In drei Viertel der befragten Unternehmen sind virtuelle Arbeitsplätze entweder im Einsatz (27 %), werden gerade implementiert (20 %), oder deren Einführung wird geplant (27 %). Die beliebteste Maßnahme ist die Desktop-Virtualisierung (58 %), dicht gefolgt von der Applikations-Virtualisierung (55 %).

Skepsis weiterhin hoch

Trotz der für den VDI-Bereich positiven Zahlen gibt es weiterhin viele Skeptiker. Denn die genannte Studie belegt auch, dass 64 Prozent der Befragten, die keine derartigen Projekte planen, die Komplexität eines Virtualisierungskonzepts abschreckt.

Befürworter schätzen die Möglichkeiten, geschäftskritische Daten zu zentralisieren und somit IT-Ressourcen effizienter aufzuteilen. Hier sorgt eine VDI für bessere Hardwareausnutzung und einfachere Handhabung der Rechner an den Arbeitsplätzen. Langwierige Verwaltungsprozesse können optimiert werden, die Flexibilität steigt, und IT-Komponenten können ressourcenschonender eingesetzt werden, was wiederum spürbar Kosten einspart.

Zusammengefasst sprechen also die einheitliche und einfachere Verwaltung aller Desktops in einem Unternehmen und die dadurch erhöhte Sicherheit für entsprechende Virtualisierungsmaßnahmen.

Diesen Vorteilen stehen eine Reihe Argumente contra Desktop-Virtualisierung gegenüber. Hierzu zählen beispielsweise Implementierungskosten und fehlende WAN-Performance, um nur einige zu nennen. Gerade letzteres Argument sticht die Pro-Seite oft aus. Denn eine gesteigerte Latenz und limitierte Bandbreiten im WAN können die Leistungsfähigkeit virtueller Desktops erheblich mindern oder den Einsatz unmöglich erscheinen lassen. Die Folge sind Verzögerungen in der Reaktionszeit von Maus- oder Tastaturbefehlen und dadurch Produktivitätsverlust.

Gerade in den Anfangszeiten und Testphasen mit VDI-Produkten wurde regelmäßig Kritik an deren Funktionsweise und Performance – insbesondere über das WAN – laut. Zu unausgereift seien die Konzepte. Unter anderem bemängelten Kritiker die gleichzeitig erfolgenden Updates auf vielen Clients. Generell wurden die zahlreichen synchron ablaufenden Aktivitäten innerhalb einer VDI als störend angesehen. So beeindruckend entsprechende Lösungen die Rechner-Performance steigern konnten, so desaströs konnten sie sie negativ beeinflussen und Leistungseinbrüche hervorrufen.

Zusammenspiel von Hersteller und Optimierer

Doch wo Kritik besteht, ist meist auch Raum für Lösungen. So haben sich die Hersteller und Befürworter von VDI-Lösungen ihre Gedanken gemacht. Zu den wichtigen Playern am Markt in diesem Bereich gehört der Anbieter VMware. Beispiel für ein entsprechendes Tool zur Desktop-Virtualisierung ist VMware View.

Hier erfolgt die Verwaltung der Desktops zentralisiert aus dem Datacenter. Der sogenannte View Administrator ist die zentrale Verwaltungskonsole. Über ihn richtet der IT-Verwalter die virtualisierte Infrastruktur ein und passt sie an die eigenen Anforderungen im Unternehmen an. Auch das Einrichten der Desktops für die einzelnen Benutzer erfolgt über den View Administrator. Statt der Installation von Software auf den Benutzergeräten kommen in der Regel Templates oder Pools zum Einsatz. Aus diesen Templates bzw. Desktop-Pools werden die individuellen Arbeitsplätze der Anwender abgeleitet. Der Benutzer erhält dann einen dieser virtuellen Arbeitsplätze zugewiesen, die er über ein Zugangsportal zur Verfügung gestellt bekommt.

Eine weitere bekannte Marktgröße ist das in der obigen Studie bereits erwähnte Unternehmen Riverbed. Allerdings ist Riverbed weniger als Konkurrent, sondern eher als zusätzlicher Player im VDI-Sektor zu sehen. Riverbed-Lösungen überwinden Performance-Probleme, die aufgrund von Distanz, verteilter Hardware und ständig wachsenden Datenmengen entstehen.

So hilft das Unternehmen mit seinen Produktfamilien SteelHead und SteelFusion zum Beispiel anderen Firmen dabei, das Optimum aus dem Einsatz von virtuellen Desktops herauszuholen. Dies funktioniert, indem der Datenverkehr für eine Reihe von Lösungen optimiert wird – beispielsweise für Citrix XenApp und XenDesktop, VMware View sowie Microsoft RDP und RemoteFX. So eliminiert Riverbed Performance-Engpässe und fördert schnelle, optimierte Desktop-Virtualisierung über das WAN.

Mit diesen Maßnahmen wird, verglichen mit unkomprimiertem Datenverkehr, eine Reduzierung der Bandbreite von bis zu 60 Prozent erzielt, sodass Kunden ohne zusätzliche Bandbreitenkosten mehr Virtual Desktop-Nutzer unterstützen können.

Insbesondere VMware View-Umgebungen können durch SteelFusion und dessen „Storage Block-Optimierung“ weiter beschleunigt werden und sind damit auch bei Latenzzeiten oberhalb der kritischen 100-ms-Grenze hinaus performant und produktiv nutzbar.

Dies bedeutet für viele Unternehmen, dass eine VMware View-Umgebung nun weltweit und auch für mobile Benutzer (über 3G, WLAN etc.) nutzbar wird. Hinzu kommen granulare Quality-of-Service-Kontrollen (QoS) in der Riverbed Steelhead Appliance, mit denen Kunden Virtual Desktop Streams kontrollieren und latenzempfindlichen Traffic kontrollieren können, ohne Bandbreite über Bedarf bereitstellen zu müssen.

Dieses Zusammenspiel von Herstellern und Optimierern ist ein weiterer Grund dafür, dass Entscheider vermehrt darüber nachdenken, ihre Technologien und Daten zu zentralisieren, um effizienter zu arbeiten. Zwar haben die Skeptiker dahin gehend Recht, dass noch einige Hürden zu nehmen sind, um eine effiziente Virtualisierung bzw. Konsolidierung durchzuführen; trotzdem zeigen die genannten Zahlen und Beispiele, dass die Entscheider genau verstehen, welche Kosten- und Zeitersparnisse aus einem guten VDI-Konzept resultieren können.

Fazit

Auch wenn die Argumente gegen eine Desktop-Virtualisierung verständlich erscheinen, sollten sich Zweifler über die zahlreichen Möglichkeiten effizienter Konzepte informieren. Stand heute sind gute Lösungen auf dem Markt, die die Nachteile verschwindend gering halten.

Unternehmen sind in der Lage, Desktop-Virtualisierung ohne Mehrkosten für Bandbreite oder Performance-Einbußen bei anderen Anwendungen im Netzwerk erfolgreich einzusetzen. So ist gewährleistet, dass der Datenverkehr virtueller Desktops und geschäftskritische Prozesse sich nicht gegenseitig beeinflussen.

Strategien zur Virtualisierung von Servern und Desktops treiben lokale Unternehmen derzeit an. Die Vorteile dieser Initiativen können aber auch über Kostenersparnisse und Produktivitätszuwächse hinausgehen und gleichermaßen dazu beitragen, Risiken zu minimieren und schneller zu wachsen. Die Konsolidierung von IT-Infrastrukturen bleibt somit ein ernstzunehmender IT-Trend in Deutschland, jedoch besteht hier fast immer der Bedarf, über den „Tellerrand“ hinauszusehen und zusätzlich zum Anbieter der Virtualisierungslösung entsprechende unterstützende Hersteller und Produkte gleich mit zu testen.

Über den Autor

Andre Dieball ist Director Solutions & Services bei Zycko Networks.

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