Geringere Kosten für Service und Support

Offene Netzwerklösungen revolutionieren den Markt

| Autor / Redakteur: Alexander Jeffries / Sarah Böttcher

Der Übergang zu Open Source eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten für Channel-Partner, argumentiert Alexander Jeffries, CEO bei Stordis.
Der Übergang zu Open Source eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten für Channel-Partner, argumentiert Alexander Jeffries, CEO bei Stordis. (Bild: Ines Blersch)

Netzwerk- und Speicher-Produkte treffen auf dieselben Kräfte, auf die vor 15 bis 20 Jahren das proprietäre Servergeschäft traf: Linux und Open Source. Alles wird offen und im Netzwerkumfeld geschieht dies in rasantem Tempo.

Ursprünglich ausgehend von den großen US-basierten „Hype-Scale-Rechenzentren“ wie Google, Microsoft Azure, Facebook etc. erreicht der aktuelle Trend zu einem offenen Netzwerkumfeld nach und nach auch europäische Unternehmen vom Mittelstand bis hin zu Großkonzernen, die sich hierdurch erhebliche Kosteneinsparungen und zugleich mehr Flexibilität erhoffen. In Märkten wie Telekommunikation, Rundfunk, Industrie, Wissenschaft und bei Unternehmen mit großen Finalnetzen, in denen es einen starken und wachsenden Bedarf an Kapazität, Bandbreite und Flexibilität im Netzwerk gibt, schreitet die Revolution zügig voran.

Der Übergang von physischen zu virtuellen Netzwerken hatte zwangsläufig Veränderungen in der Vernetzung und Kommunikation zur Folge. Einige der am besten aufgestellten Unternehmen sehen sich mit einer erheblichen Reduzierung der Belegschaft und einer Neuausrichtung von Prioritäten konfrontiert. Die jüngsten Zahlen von Challenger Gray & Christmas zeigen, dass allein in den USA rund 63.000 Arbeitsplätze in Technologieunternehmen abgebaut wurden und Prognosen gehen von einer weiteren Schrumpfung aus.

Auf die gleiche Weise, wie der Server-Markt sich angepasst hat und weiterhin in einer virtualisierten Welt gedeiht, werden sich auch die Hersteller von Netzwerkprodukten und ihre Vertriebspartner neu ausrichten müssen. Die International Data Corporation (IDC) prognostizierte vor kurzem ein dramatisches Wachstum für Netzwerk-Transformations-Technologien, wobei offene Technologien im Mittelpunkt dieser Transformation stehen. Brad Casemore, Research Director for Datacentre Networks, kommentiert: „Open Source ist nicht nur die Grundlage des Netzwerk-Stacks, sondern durchzieht jetzt alle Bereiche von Layer 2 bis hinauf zu Netzwerks- und Sicherheitsdiensten.“

Mehr und mehr Unternehmen bekunden jetzt offensichtlich Interesse an Open-Source-Netzwerkprodukten, um viele der Probleme zu umgehen, mit denen sie sich in einem proprietären Produkt konfrontiert sehen. Überhöhte Switch- und Appliance-Kosten sowie hohe Kosten für Service und Support zwingen die Unternehmen zu offenen Lösungen – und sie suchen nach Partnern, die ihnen beim Übergang helfen.

Die Nachfrage von Endkunden

Für jedes Unternehmen mit einem großen Rechenzentrum sind Hardware-Einsparungen nur der Anfang. Mit relativ geringem Schulungsaufwand können vorhandene Linux-Administratoren auch offene Netzwerke unter Linux und OpenFlow pflegen.

Für Telekommunikationsunternehmen und Service Provider macht der Anteil der Kosten für Netzwerk und Infrastruktur jede Open-Source-Lösung attraktiv. Niedrigere Gesamtbetriebskosten (TCO) gepaart mit Innovationsfähigkeit und dem Einsatz neuer Lösungen, die auf offene Switches aufsetzen, macht Open Networking unwiderstehlich. Zum Beispiel hat der Ersatz physischer durch virtuelle Switches die Wartungskosten der physischen Anlagen drastisch reduziert. Dies macht den Einsatz von offenen Technologien sowohl aus CAPX, also OPEX-Gesichtspunkten sehr attraktiv, zumal es im selben Zug die Flexibilität des Unternehmens erhöht auf neue Anforderungen zu reagieren.

In der Medienbranche hängen Gewinn und Wachstum zunehmend davon ab, neue, effizientere und kostengünstigere Möglichkeiten zu schaffen, um große Mengen an Daten und Inhalten schnell auszuliefern. Diese Unternehmen verlangen nach funktionierenden End-to-End 100GbE-Lösungen: etwas, was Open Networking bereits zu einem massiv reduzierten Preis im Vergleich zu proprietären Lösungen liefert.

Die BBC, die European Broadcasting Union (EBU) und Fox sind einige der großen Sender, die Pionierarbeit bei der groß angelegten Open-Source-Netzwerk-Evaluierung im Rahmen der von AMWA (Audio Management Workflow Association) aufgesetzten NMI (Network Media Initiative) leisten. Sie haben erkannt, dass mit Open Networking der Innovationsprozess für die IP-basierte Studio-Technik vorangetrieben wird, da es ermöglicht, Layer 2 und Layer 3 Switching in Workflows zu integrieren und somit virtualisierte Netzwerke aus ihren eigenen Applikationen heraus zu kontrollieren.

Telekommunikations- und Medienunternehmen spielen zwar eine Vorreiterrolle, aber die Vorzüge der Integration von Vernetzung mit Business-Workflows und Anwendungen lassen sich auch auf andere Industriezweige übertragen. So können Systemintegratoren neue, überzeugende Netzwerklösungen aufbauen, die genau auf die Bedürfnisse einzelner Märkte zugeschnitten sind.

Open Networking und der Channel

Die Nachfrage nach offenen Netzwerken wird sich definitiv an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten. Viele im Channel befürchten, dass offene Technologien gleichbedeutend mit standardisierter margen-schwacher Hardware sind. Kunden werden mit Sicherheit viel mehr für ihr Geld bekommen, überteuerte Anbieter werden jedoch verlieren. Für den Channel steht ebenso viel Marge zur Verfügung durch Wertsteigerung sowie Einbringen von Fachwissen in offene Lösungen. Ein Beispiel hier wäre der Access-Switch-Bereich, wo beispielsweise ein Unternehmen mit einem großen Filialnetz Einsparungen von über 50 Prozent erzielen kann und dabei flexibler auf die konstant auftretenden geänderten Geschäftsanforderungen reagieren kann.

Für Distributoren wie uns, die einen erheblichen Mehrwert durch ihr Fachwissen bieten, war es einfach, die gleiche Einkaufsmethodologie auf offene Lösungen anzuwenden; wir verhandeln immer noch die gleichen Lizenz-und Support-Bedingungen, jetzt in eben offene und flexible Produkte. Da es um eine neue Technologie geht, brauchen die Partner jedoch Zusicherungen. Wir haben die gesamte Hardware- und Software-Evaluierung im Auftrag des Channels übernommen und entwickeln und bauen konstant unser Stordis Lab aus, um mittels Schulungen den Partnern dabei zu helfen, auf diesem neuen, offenen Weg zu arbeiten.

Eine kleine, aber wachsende Gruppe von Resellern beginnt von Open-Source-Networking zu profitieren. Junge, kleinere sowie agilere Partner treten auf; die meisten aus der Linux- und Open-Source-Welt. Größere, mehr traditionelle Reseller bewegen sich langsamer, aber das Geschäftsszenario ist im Wachsen.

Diejenigen, die ihr Geld mit Open Networking verdienen, erkennen nach genauer Betrachtung der standardisierten proprietären Preismodelle, dass, selbst wenn sie die Kosten für den Kunden auf die Hälfte reduzieren, die Marge für die Bereiche Support, Service, Consulting und Integration signifikant ist. Das ist der entscheidende Punkt. Direkte Support-Kosten, vor allem bei großen Netzwerken, können erheblich sein, so dass Partner, die in der Lage sind, Preise auf einer wesentlich niedrigeren Ebene anzubieten, Unternehmen deutlich niedrigere Preise bieten können und gleichzeitig noch einen Großteil dieser riesigen Support-Marge für sich selbst behalten können. Für Vertriebspartner liegt also die Chance in Beratung, Schulung, Implementierung und später auch in der Wartung. Hier sind die Margen für Händler erheblich mehr also beim reinen Verkauf von Produkten, die in der heutigen Zeit auch teilweise online zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen gekauft werden können, die den Channel teils komplett ausschließt.

Die Palette der Open-Source-Lösungen eignet sich für einen umfassenden Support-Vertrag. Der Wissenstransfer über die gesamte Bandbreite der Technologien wird für den Channel eine Schlüsselrolle spielen; spezieller Support und Knowhow über optische Systeme, Switches, SDN-Controller, Orchestrierung, Einbindung von diversen Anwendung und Interoperabilität benötigen Fachwissen, um das volle Potenzial offener Netzwerklösungen auszuschöpfen. Ohne proprietär codierte Transceiver und Kabel sind die Preise niedriger, die Margen höher und Reseller können wettbewerbsfähige Preise bieten und dabei noch die Einnahmen steigern.

Interoperabilität ist von entscheidender Bedeutung, denn das Wachstum offener Netzwerke beruht auf dem Zusammenspiel von Alt und Neu, um Legacy-Investitionen vor Veralterung zu schützen. Die Möglichkeit, den Kunden zu zeigen, wie man offene Switches zusammen mit alten proprietären Produkten betreibt, ist entscheidend, um Unternehmen das Geschäftsszenario zu demonstrieren. „Kein Komplett-Austausch“ („No rip-and-replace“) ist, was jeder kaufmännische Geschäftsführer (CFO) hören will.

Es sind die Bereiche Innovation und Service, wo der Channel profitieren kann. Experimentierfreudige Kunden beginnen, die Vorteile eines offenen Betriebssystems zu erkennen, auf dem sie ihre Innovationen realisieren können. Zum Beispiel Switches, auf denen Sie neue Software oder Services betreiben können, ohne hierzu Spezialgeräte oder -anlagen zu benötigen. Für die meisten ist dies der Beginn ihrer Reise. Die echte Chance für Channel-Partner besteht darin, Kunden während der Umstellung und darüber hinaus zu begleiten.

Open Networking ermöglicht dem Channel, den vollen Service zu bieten, den Unternehmen heute erwarten. Ein lösungs- und bedarfsorientierter Ansatz, der Experten und spezifische Probleme zusammenführt und sicherstellt, dass statt allgemeiner Rundum-Service-Verträge, die Kunden genau das erhalten, was sie benötigen und nicht mehr.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44654077 / Architektur)