Bedenken verhindern Produktivitätsverbesserungen

Moderne Arbeitsplätze: Deutsche Unternehmen haben Vorbehalte

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Moderne Wissensarbeiter arbeiten prinzipiell überall und nutzen derzeit laut IDC im Durchschnitt 4,3 Geräte und 17 Businessapplikationen.
Moderne Wissensarbeiter arbeiten prinzipiell überall und nutzen derzeit laut IDC im Durchschnitt 4,3 Geräte und 17 Businessapplikationen. (Bild: violetkaipa - Fotolia.com)

Laut Matrix42 sind die Veränderungsunwilligkeit der IT, Sicherheitsbedenken, die Angst vor Kosten und mangelndes Vertrauen in die Mitarbeiter schuld daran, dass deutsche Unternehmen bei der Einführung moderner Arbeitsplätze zaudern und somit Produktivitätsverbesserungen verhindern.

Getrieben durch die Möglichkeiten neuer Technologien verändert sich die Art, wie wir arbeiten, rasant. Moderne Wissensarbeiter arbeiten heute nicht nur im Büro, sondern auch mobil bzw. prinzipiell überall, wo es die Technik erlaubt. Sie nutzen dafür nicht nur ein Gerät, sondern mehrere: laut IDC derzeit im Durchschnitt 4,3 Geräte und 17 Businessapplikationen – Tendenz steigend. Diese Geräte werden vom Unternehmen zur Verfügung gestellt oder – und das ist immer häufiger der Fall – vom Mitarbeiter selbst eingebracht. Selbst gewählte und organisierte Apps und Cloud-Dienste werden dabei genauso genutzt, wie die vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Anwendungen. Dazu kommt, dass die private und geschäftliche Nutzung der Arbeitsplatzausstattung immer mehr verschmilzt.

Arbeitsplatz = Multi-Geräte-Arbeitsumgebung

Dementsprechend ist der klassische Arbeitsplatz heute, und in Zukunft noch viel mehr, eine Multi-Geräte-Arbeitsumgebung, die der Anwender nach seinen individuellen Bedürfnissen gebraucht. „Für die Unternehmen stellt diese Entwicklung und der damit einhergehende Veränderungsdruck eine enorme Herausforderung dar. Im Kampf um Fachkräfte und Talente und in der Hoffnung auf Produktivitätssteigerungen bzw. schnellere Wertschöpfung beschäftigen sie sich zwar mit flexiblen Arbeitsmodellen und modernen Arbeitsstilen. Vorbehalte und Bedenken dominieren aber nach wie vor die Diskussionen darüber und bremsen die Realisierung. Damit vergeben viele Unternehmen leider auch große Chancen“, erklärt Markus Baumann, VP Sales EMEA beim Arbeitsplatzmanagement-Spezialisten Matrix42.

IT-Abteilungen wehren sich gegen Veränderungen

Größter Bedenkenträger innerhalb der Unternehmen sei häufig die IT-Abteilung. Während die Fachabteilungen die Einführung moderner Arbeitsplätze einforderten, würden sich CIOs und ihre Teams völlig neuen Anforderungen gegenübersehen, die zu erfüllen sie oftmals nicht bzw. nicht in dem gewünschten Tempo bereit seien. Denn mit den neuen Ansprüchen würde auch ein grundlegender Rollenwandel der IT einhergehen. Die IT, bislang Herr über die technische Ausstattung, würde zunehmend zum Aggregator werden, der die notwendigen Services nicht mehr selbst intern aufbauen, sondern diese einkaufen, zusammenführen und bereitstellen würde. Michael Schmidt, COO bei Matrix42: „Das Anforderungsprofil der IT wandelt sich grundlegend. Im Mittelpunkt stehen künftig viel mehr Einkaufs-Know-how und -regeln sowie Vertragsthemen, weniger die Technologie an sich. IT wird zum Business und wird aus einer Prozesssicht heraus angeboten. Viele IT-Abteilungen, die über Jahre die IT des Unternehmens intern aufgebaut und betrieben haben und nun die vorhandene Infrastruktur nicht austauschen wollen, tun sich schwer, diesen Rollenwechsel zu vollziehen.“

Mobiles Arbeiten: große Sicherheitsbedenken

Rund um das Thema mobiles Arbeiten erweisen sich Matrix42 zufolge Sicherheits- und Rechtsfragen als größter Hemmschuh in den deutschen Unternehmen. Denn mit der Nutzung mobiler Geräte, mit Trends wie Bring Your Own Device (BYOD) und mit dem zunehmenden Einsatz von Cloud-Services gingen auch Risiken für Unternehmen und Mitarbeiter einher. Fragen wie:

  • „Was passiert, wenn das mobile Endgerät – sei es das unternehmenseigene oder das privat vom Mitarbeiter eingebrachte – und damit die darauf gespeicherten Daten beschädigt oder gestohlen werden bzw. verloren gehen?
  • Welche Folgen gehen mit Urheberrechts- bzw. Lizenzverletzungen für Unternehmen und Mitarbeiter einher, etwa wenn der Mitarbeiter Softwareanwendungen oder Apps, die nur für die private Nutzung kostenlos sind, beruflich einsetzt?
  • Wer ist bei privaten Endgeräten, die beruflich genutzt werden, für die Durchführung von Backups verantwortlich?“

müssten von den Unternehmen geklärt und mit ausreichenden datenschutzrechtlichen und datensicherheitstechnischen Maßnahmen beantwortet werden. „Es ist sehr wichtig für Unternehmen und Mitarbeiter, diese Themen zu bearbeiten, um die eigenen Daten – die des Unternehmens und die privaten des Mitarbeiters – zu schützen und um Schadenersatz- und Haftungsrisiken möglichst zu minimieren“, ergänzt Schmidt.

Kosten als Investition in die Zukunft betrachten

„Wer moderne Arbeitsplätze nur mit der Absicht der Kostenreduktion einführen will, hat sich das falsche Ziel gesetzt“, sagt Baumann. „Wir sprechen immer wieder mit Verantwortlichen, die das Thema moderne Arbeitsplätze nur mit der Kostenbrille betrachten und enttäuscht von der Realisierung Abstand nehmen, weil sie die Investitionen scheuen.“ Moderne Arbeitsplätze seien eine Investition in die Zukunft – sie würden mehr Komfort, höhere Agilität und bessere Flexibilität bringen und die Produktivität steigern. Sie würden also wesentlich mehr bieten, aber auch etwas kosten und vor allem anfangs nicht unbedingt mit Einsparungen einhergehen.

Unternehmen misstrauen ihren Mitarbeitern

Laut Matrix42 erweist sich abseits aller technischen, finanziellen und rechtlichen Themen oftmals das emotionale Thema des Vertrauens als Problem in den Unternehmen. Personalverantwortliche und Führungskräfte würden bezweifeln, dass flexible Arbeitsmodelle effektiv für das Unternehmen genutzt werden können, und schlicht ihren Mitarbeitern misstrauen. Schmidt: „Vertrauen und Freiheit müssen ineinandergreifen, damit Produktivität und Mitarbeiterbindung erhöht, die Betriebskosten aber verringert werden.“

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