Wie private mobile Endgeräte Unternehmensnetze lahmlegen und was man dagegen tun kann

Maßnahmen gegen die BYOD-Datenflut

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Der von privaten mobilen Endgeräten verursachte Datenverkehr kann zu einer hohen Belastung von Firmennetzwerken führen.
Der von privaten mobilen Endgeräten verursachte Datenverkehr kann zu einer hohen Belastung von Firmennetzwerken führen. (Bild: Blue Coat Systems)

Laut einer Studie kann ein Mitarbeiter mit seinem privaten Smartphone das Firmennetz mit bis zu 200 Gigabyte zusätzlichem Datenverkehr pro Monat belasten. Blue Coat Systems zeigt die Top 5 der BYOD-Datenverursacher auf und gibt Tipps, wie man diese in den Griff bekommt.

Laut der aktuellen Global Mobility Study von IDG Research Services greifen 71 Prozent aller Mitarbeiter mit ihren privaten Smartphones auf das Netzwerk ihrer Firma zu. Selbst wenn sie darüber nur Zugriff auf das Internet erhalten, belastet dies das firmeneigene WLAN und WAN im Schnitt mit vier bis 200 Gigabyte an zusätzlichem Datenverkehr pro Monat. Um wichtige Anwendungen vor Engpässen im Netz zu schützen, sollten Unternehmen daher die größten Verkehrssünden mobiler Endgeräte kennen und deren Auswirkungen in ihrem Netz aktiv steuern können.

Um die tatsächlichen Auswirkungen der privaten Smartphone- und Tablet-Nutzung auf ein Firmennetzwerk zu quantifizieren, hat Blue Coat Systems testweise über einen Zeitraum von zwei Wochen den mobilen Datenverkehr eines Mitarbeiters gemessen. Dieser war mit je einem privaten iPhone und einem iPad ausgestattet, die er auch am Arbeitsplatz nutzen durfte. Beide Geräte zusammen verursachten dabei innerhalb des Testzeitraums 39,6 GB an Datenverkehr im Firmen-WLAN und -WAN. Selbst wenn diese Momentaufnahme keinesfalls repräsentativ ist, zeigt sie doch eindrucksvoll auf, welche Auswirkungen der Zugriff privater Endgeräte auf ein Unternehmensnetzwerk haben kann. Auslöser dafür sind die fünf größten Bandbreitenfresser, die private mobile Endgeräte mit in das Firmennetzwerk bringen:

1. Updates und Upgrades des Betriebssystems

Apple veröffentlicht für die meisten seiner iPhones, iPads und iPods in regelmäßigen Abständen neue Versionen des Betriebssystems iOS. Neben den großen iOS-Releases mit neuen Funktionen gibt es auch zahlreiche Zwischenversionen, die hauptsächlich Fehler im Betriebssystem beheben. Ähnlich verhält es sich bei Android. Um die Mobilfunkrechnung der Anwender nicht in astronomische Höhen zu treiben, verlangen die Hersteller von Smartphones und Tablets, dass die Geräte für größere Updates des Betriebssystems entweder mit einem WLAN oder mit einem Computer verbunden sind. Für Unternehmensnetze bedeutet dies, dass sie das Datenaufkommen für alle Updates und Upgrades der mobilen Betriebssysteme von allen Geräten aller Nutzer transportieren müssen, wenn diese ihre Updates in der Firma durchführen. Ein iOS-Update kann dabei schnell mehrere Hundert Megabyte groß sein. Ein einziges mobiles Endgerät kann so mit nur einem Update kurzzeitig die komplette Kapazität einer Internetverbindung auslasten. Vor allem Unternehmensanwendungen sind dabei die Leidtragenden.

2. Downloads von Apps

In den beiden großen App-Stores von Apple und Google gibt es mittlerweile über 1,2 Mio. Apps. Ein durchschnittlicher Anwender lädt im Allgemeinen mehr als 40 Applikationen herunter. Eine App wiederum kann ein paar Megabyte bis zu vielen Hundert Megabyte groß sein. Regelmäßig veröffentlichte Updates von Apps liegen als Imagedateien vor. Der Download eines App-Updates ist daher genau so groß wie der erste Download der App nach dem Kauf. Über ein Jahr verteilt kann ein einzelner Anwender allein durch Käufe und Updates von Apps schnell mehrere Gigabyte an Daten über das WLAN und WAN seines Unternehmens jagen.

3. Uploads und Downloads von Fotos und Videos

Ein Grund für die große Beliebtheit von Smartphones und Tablets ist die dort integrierte Kamera. Die meisten Geräte sind dabei mit hochauflösenden Kamerasensoren ausgestattet, deren Aufnahmen ein bis drei Megabyte pro Foto und bis zu 230 MB pro Videominute belegen. Diese Aufnahmen lassen sich ganz einfach vom Mobilgerät mit einem Fingertipp etwa in die iCloud oder zu Flickr schicken. So können Kollegen, Freunde und Familienmitglieder die neuesten Werke schnell betrachten. Jeder Upload verursacht dabei entsprechenden Datenverkehr. Da sich dieselben Aufnahmen gleichfalls problemlos von den Kollegen im selben Büro herunterladen lassen, kann das im schlimmsten Fall die Bandbreitenbelastung sogar verdoppeln.

4. Datensicherung in die Cloud

Die iCloud von Apple stellt den Nutzern pro iTunes-Account fünf Gigabyte an kostenlosem Speicherplatz zur Verfügung. Google bietet mit Google Drive einen ähnlich großen kostenlosen Speicher in der Cloud an. Ist ein Cloud-Backup aktiviert, sichern die mobilen Geräte regelmäßig ihre Inhalte wie Fotos, E-Mails, Musik, Videos und Anwendungen auf die Datenspeicher im Netz. Der lokale Flashspeicher eines Mobilgerätes ist heute meist zwischen acht und 64 GB groß. Eine Komplettsicherung eines solchen Geräts wird entsprechend oft mehrere Gigabyte in Anspruch nehmen. Kleine Deltasicherungen zwischendurch können mehrere Hundert Megabyte belegen. Datensicherungen in die Cloud finden dabei immer dann statt, wenn ein mobiles Gerät eine gute WLAN-Verbindung hat – was im Büro meist der Fall ist. Und im Gegensatz zu Serversicherungen finden solche Backups nicht in der Nacht statt, wenn der Datenverkehr im Firmennetz abnimmt, sondern während der normalen Arbeitszeit.

5. Videos auf YouTube

Mit mehr als 1 Bio. Videoabrufen in 2011 und 72 Stunden neuem Videomaterial in jeder Minute ist Googles YouTube der Gigant der Onlinevideoportale. Ein durchschnittliches YouTube-Video mit einer Auflösung von 640 mal 360 Bildpunkten benötigt rund 500 KBit/s an Bandbreite. Ein einziger Mitarbeiter an einem entfernten Standort kann mit dem Abruf eines solchen Films bereits 25 Prozent der Bandbreite einer klassischen 2-MBit-Leitung belegen. Ist das Video ein Spielfilm, so kann sich dies über mehrere Stunden hinziehen.

Was Unternehmen tun können

Dürfen Mitarbeiter mit ihren privaten Smartphones und Tablets auch in der Firma in das Internet, dann weiß die IT-Abteilung in der Regel nicht, wie viele private Mobilgeräte sich in ihrem Netzwerk tummeln, welche Anwendungen sie nutzen und wie viel Bandbreite diese aktuell und im Durchschnitt verbrauchen. Zudem haben nur die wenigsten Unternehmen eine Möglichkeit, den privaten Datenaustausch zu beschränken. Um die Auswirkungen der Nutzung privater Mobilgeräte im Unternehmensnetz in den Griff zu bekommen, benötigt die IT-Abteilung dabei drei Dinge:

  • 1. Einblick in den Datenverkehr: Unternehmen müssen sehen können, welche Geräte mit welchen Anwendungen welchen Verkehr verursachen. Hier hilft beispielsweise der Einsatz eines Blue Coat Packetshapers, der mit einem neuen Plug-in iTunes-Verkehr und iCloud-Traffic sehen und kontrollieren kann.
  • 2. Kontrolle: QoS-Richtlinien können den privaten Up- und Downstream von mobilen Endgeräten auf ein verträgliches Maß begrenzen. So erhalten Unternehmensanwendungen immer Vorfahrt im WAN. Wird Bandbreite gerade nicht benötigt, steht sie anderem Verkehr zu Verfügung.
  • 3. Optimierung und Beschleunigung: Die Optimierung von Übertragungsprotokollen sowie das Caching von Downloads mit einer Blue-Coat-ProxySG-Appliance kann die Netzwerkbelastung durch mobile Geräte reduzieren. So belasten beispielsweise mehrfach abgerufene Videos die Internetverbindung nur einmal und auch Updates von Betriebssystemen und Anwendungen müssen nur ein einziges Mal durch das WAN wandern.
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