Tipps zur Wahl einer Management-Lösung

Das „richtige“ Tool fürs System-Management

| Autor / Redakteur: Thomas Bär, Frank-Michael Schlede / Andreas Donner

Auch in vielen kleineren Betrieben werden die Systeme komplexer und immer mehr Server mitsamt ihren Anwendungen „wandern“ in die virtuelle Welt.
Auch in vielen kleineren Betrieben werden die Systeme komplexer und immer mehr Server mitsamt ihren Anwendungen „wandern“ in die virtuelle Welt. (Bild: © - vege – Fotolia.com)

Wenn es nach der Geschäftsführung geht, ist die Entscheidung einfach: Werkzeuge der Systemverwaltung sollen gut sein – aber der Preis soll am besten unter der Budgetgrenze liegen. Doch die Entscheidung der IT-Profis kann und soll nicht nur durch die Kosten beeinflusst und begründet sein.

Wenn es um die Kosten der IT geht, dann dürfte das daraus entstehende Spannungsfeld sowohl in großen Unternehmen als auch in den kleineren Betrieben aus dem KMU-Umfeld zu finden sein. Gerade dann, wenn es um Werkzeuge und Programme geht, die allein den „Bedürfnissen der IT“ dienen und somit sowohl aus dem Blickwinkel der Geschäftsführung als auch aus dem so mancher CIOs nicht direkt zum Geschäftserfolg betragen, wird der Druck auf den IT-Leiter groß, den Kostenfaktor als wichtigstes Entscheidungskriterium zu bewerten. Das gilt häufig besonders dann, wenn in einem mittelständischen Betrieb nur ein sehr kleines Team oder gar ein „Einzelkämpfer“ für die Verwaltung und Betreuung der gesamten IT (oft auch nur in Nebentätigkeit) verantwortlich ist. Doch gerade in diesen Fällen ist es sehr sinnvoll, eine möglichst leistungsfähige Software für das System-Management einzusetzen, um den oder die IT-Verantwortlichen zu entlasten. Wir stellen in diesem Beitrag einige grundsätzliche Überlegungen zur Wahl des „richtigen Tools“ an und stellen Open Source und proprietäre Lösungen gegenüber.

Was muss die Management-Software können?

Moderne Server wie der Windows Server 2012 R2 bieten schon in der Standardversion nützliche Management-Funktionen für Überwachung und Betreuung der Server.
Moderne Server wie der Windows Server 2012 R2 bieten schon in der Standardversion nützliche Management-Funktionen für Überwachung und Betreuung der Server. (Bild: Schlede/Bär / Microsoft)

Natürlich wird jeder IT-Profi seine ganz eigene Vorstellung davon haben, was eine Management-Software können muss, um seine Systeme, Server und Netzwerke im Griff zu behalten. Allerdings haben sich auch die Ansprüche an die Management-Lösungen in den letzten Jahren deutlich gesteigert: Zwar wird noch eine ganze Reihe von kleineren Betrieben auf die traditionellen physikalischen Server mit den üblichen Werkzeugen und Möglichkeiten zur Provisionierung der Betriebssysteme und Anwendungen setzen. Aber auch in diesem Umfeld werden die Systeme komplexer und immer mehr Server mitsamt ihren Anwendungen „wandern“ in die virtuelle Welt. So sollten dann auch die IT-Verantwortlichen in kleinen und mittelständischen Betrieben eine Liste zusammenstellen, auf der sie aufführen, welche Funktionen und Möglichkeiten das Werkzeug für das System-Management mitbringen sollte. So kann sich dann vielleicht sogar zeigen, dass die Bordmittel eines Microsoft Windows Servers, die in den letzten Versionen 2012, 2012 R2 und 2016 einen großen Fortschritt gemacht haben, für ein kleineres Unternehmen durchaus ausreichen. Wir haben einige Funktionen zusammengestellt, die ihren Weg auf eine solche Liste finden könnten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Überwachung und Erkennung der vorhandenen Hardware: Server und Clients sollen nicht nur überwacht, sondern auch inventarisiert werden. Welche Konfigurationen haben die verschiedenen Geräte? Wie sieht die aktuelle Situation auf meiner Hardware und in meinem Netzwerk aus? Um eine stabile Performance „seiner Server“ zu ermöglichen, ist es für den Systembetreuer beispielsweise immer von großem Interesse, die Auslastung der CPUs und des RAMs im Blick zu behalten.
  • Management der Software: Anwendungen, Betriebssysteme und gegebenenfalls auch Hypervisoren sollen provisioniert, verwaltet und überwacht werden. Auch Probleme wie falsche Softwarestände, fehlende oder auch Überlizenzierung sowie Update- und Patch-Management fallen in diese Kategorie.
  • Monitoring-Funktionen: Mit ihre Hilfe sollte der Systemprofi schnell über Missstände in Kenntnis gesetzt werden. Der Versand von E-Mails im Fehlerfall sollte in jedem Fall möglich sein, aber auch andere Benachrichtigungswege wie etwa automatisch generierte SMS-Nachrichten sollten in Betracht gezogen werden.
  • Service-Desk: Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, Probleme via Ticketing-Funktionen zu melden und zu verfolgen.
  • Sicherheitsfunktionen: Richtlinien für Nutzerberechtigungen; Provisionierung, Verwaltung und Betreuung der Nutzerkonten; Berechtigungsmanagement; Firewall-Policies und -Überwachung.
  • Automatisierungsfunktionen: Möglichkeiten, Routineaufgaben zur Entlastung der IT-Mannschaft zu automatisieren; Script-Unterstützung und -Management.

Schon diese kurze Übersicht, die sicher nicht für alle Anwendungsfälle und Umgebungen gültig ist, zeigt deutlich, dass es in der Regel kaum ein universelles Werkzeug geben wird, dass allen Ansprüchen genügen kann. Auch in kleineren Betrieben kann der IT-Verantwortliche zudem vor dem Problem stehen, dass die zu betreuende IT-Infrastruktur und ihre Geräte sehr heterogen aufgebaut sind – dann wird der Einsatz der einen einzigen universellen Lösung noch unwahrscheinlicher. Allerdings bieten sehr viele Lösungen die Möglichkeit, mittels sogenannter Agents – kleiner Programme, die dann auf den unterschiedlichen auch heterogenen Systemen installiert werden können und dort die benötigten Daten einsammeln – auch diese Schwierigkeiten zu umgehen.

Open Source oder proprietäre Software?

Nicht nur beim Einsatz der Server-Betriebssysteme, sondern meist auch dann, wenn es um Software-Tools jeder Art geht, stehen sich oft die Befürworter der Open Source und der proprietären Programme gegenüber. Gerade für den Bereich des System-Managements ist in beiden Bereichen eine breite Palette unterschiedlicher Lösungen verfügbar. So stehen mit Nagios als Monitoring-Lösung auch für komplexe IT-Infrastrukturen oder Puppet für die Systemkonfiguration speziell im Unix/Linux-Umfeld oder OpenNMS für das Netzwerkmanagement mächtige, freie Werkzeuge bereit, mit denen IT-Fachleute sowohl kleine als auch sehr große IT-Infrastrukturen managen können.

Auf der Seite der kommerziellen Anbieter sind es die großen IT-Firmen wie Microsoft, VMware, IBM und HP, die mit allumfassenden Softwaresuiten versuchen, alle Eventualitäten abzudecken, die beim System-Management auftreten können. Im Gegensatz zu den Open-Source-Lösungen muss der Kunde hier einen entsprechenden Kauf tätigen und zumeist auch Unterstützung, Wartung und Erweiterung der Lösung entsprechend zahlen. Bei den Open-Source-Programmen stehen hingegen Erweiterungen, Änderungen und Updates ebenfalls frei zur Verfügung und die Entwickler-Community bietet häufig zusammen mit den Anwendern entsprechende Unterstützung an.

Für kleine und mittlere Unternehmen mag es zunächst sehr verlockend sein, den „kostenlosen“ Weg zu wählen. Wer aber einmal einen genaueren Blick auf die freien Lösungen für das System- und Netzwerk-Management wirft, wird schnell feststellen, dass ein Großteil dieser Lösungen aus der Unix-/Linux-Welt stammt und zumindest ein grundlegendes Know-how aus diesem Bereich der IT erfordert. Nicht umsonst werden viele der Open-Source-Programme aus dieser Kategorie sowohl in einer freien als auch in einer kommerziellen Version angeboten, bei der dann auch der entsprechende Support kostenpflichtig zur Verfügung steht. Fällt die Wahl auf ein kommerzielles Produkt, so sollten kleine und mittelständische Unternehmen schon in der Evaluierungsphase vor dem Kauf einige grundsätzliche Überlegungen anstellen:

  • Ist es ohne größere Probleme möglich, eine Testversion zu erhalten und diese auf den eigenen Testsystemen zu installieren?
  • Stellt der Anbieter technische Informationen in Form von Feature-Listen, Screenshots, Handbüchern und einer Knowledge-Base frei zugänglich zur Verfügung?
  • Welche technische Hilfestellung bietet der Hersteller (oder ein entsprechend kompetenter Partner) an?
  • Wie verständlich und übersichtlich fallen Lizenzierung und Preisgestaltung aus?

Management-Lösungen wie der OpManager können den Administratoren einen schnellen Überblick über die Systeme und das Netzwerk bieten.
Management-Lösungen wie der OpManager können den Administratoren einen schnellen Überblick über die Systeme und das Netzwerk bieten. (Bild: ManageEngine)

Schließlich müssen es gerade für Unternehmen aus dem KMU-Umfeld nicht unbedingt die ganz großen Anbieter wie Microsoft, IBM oder VMware sein, die häufig auch kein direkt auf diese Klientel zugeschnittenes Angebot vorweisen können. Hier sollten die IT-Verantwortlichen sich nicht scheuen, auch das Angebot von Firmen wie Aagon, Baramundi, ManageEngine oder Paessler einmal etwas näher zu betrachten. Solche Softwarespezialisten können zwar kein so allumfassendes Spektrum an Management-Tools wie IBM oder HP bieten, stellen mit ihren Programmen aber vielleicht extrem preiswert genau die Funktionen bereit, die auf der eigenen Wunschliste stehen.

Fazit

Natürlich können kleine und mittelgroße Betriebe ihre IT einfach „per Hand“ verwalten. Auch die sogenannte Turnschuh-Administration dürfte in diesem Umfeld noch oft zu finden sein. Aber auch bei diesen Unternehmen werden die IT-Infrastrukturen komplexer, die Ansprüche größer und Rechner, mobilen Endgeräte und das Netzwerk zunehmend zu einem geschäftskritischen Faktor. Das eBook „System-Management für KMU“ erläutert daher Methoden und Werkzeuge, die auch den IT-Verantwortlichen im Umfeld der kleineren und mittleren Betriebe dabei helfen können, einen geordneten und sicheren Betrieb ihrer Systeme und Netzwerke einzurichten und diesen zu überwachen.

Das eBook „System-Management für KMU“ steht registrierten Lesern von IP-Insider ab sofort kostenfrei zum Download zur Verfügung. Eine Registrierung ist ebenfalls kostenfrei möglich und erlaubt auch den Zugriff auf alle bisher erschienenen und zukünftigen eBooks sowie auf alle anderen registrierungspflichtigen Inhalte unseres Portals.

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Von Active Directory bis User Provisioning

eBook "System-Ma­na­ge­ment für KMU" verfügbar

11.11.16 - Die Verwaltung und Betreuung der eigenen IT-Systeme ist gerade für Betriebe aus dem KMU-Umfeld nicht einfach: Weder das Budget noch der Personalschlüssel erlauben es in der Regel, eine aufwändige Softwarelösung für diese Auf­gabe zu betreiben. Doch mit der richtigen Pla­nung und dem Blick für die wesentlichen Pro­blem­punkte können auch hier Systeme einfach und sicher betrieben werden. lesen

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