Zweigstellen-Infrastruktur im Wandel

Hyperkonvergente IT für Niederlassungen und Filialen

| Autor / Redakteur: Oliver Burgstaller / Andreas Donner

Die klassische Zweigstellen-IT mit ihren Switches, Routern und NAS-Systemen hat ausgedient.
Die klassische Zweigstellen-IT mit ihren Switches, Routern und NAS-Systemen hat ausgedient. (Bild: © amophoto.net - Fotolia.com)

Die klassische Zweigstellen-IT mit ihren Routern, Switches, Netzwerkspeichern & Co. hat ausgedient! Zu unflexibel, zu teuer und zu wartungsintensiv sind die separaten Infrastrukturen an jedem Standort. An ihre Stelle treten nun mehr und mehr hyperkonvergente Systeme. Doch was genau sind die Vorteile der neuen Infrastruktur?

Manager nehmen die IT ihres Unternehmens oft als eine einzige große Abteilung wahr. Tatsächlich sind die Systeme – wie auch die Kosten – aber über alle Zweigstellen verteilt. Auch die Cloud-Revolution konnte das nicht ändern: Die Serverräume in den Zweigstellen stehen noch immer voller Router, Switches, Netzwerkspeicher und anderer Geräte.

Fünfzig Prozent des Gesamtbudgets der IT fließen dorthin, wie eine Studie von Riverbed im vergangenen Jahr herausfand. Zugleich hemmt die veraltete Infrastruktur die Effizienz des Unternehmens. Bei der Eröffnung neuer Filialen oder Produktionsstandorte nimmt die Einrichtung der IT oft Wochen in Anspruch. Und auch in vorhandenen Zweigstellen lassen sich neue Anwendungen nur mit großer Vorlaufzeit bereitstellen.

Hyperkonvergente Infrastruktur schafft hier Abhilfe. Sie führt das seit Jahren etablierte Konvergenzprinzip – heterogene Komponenten der Infrastruktur zu vereinen – konsequent weiter. War in der Zweigstelle vormals ein komplexes, wartungsaufwändiges lokales System mit vielen Komponenten nötig, reicht im Rahmen einer hyperkonvergenten Infrastruktur eine einzige Appliance. Sie vereint Server, Netzwerk, Speicher sowie Backup und Disaster Recovery in einem Gerät. Daten und Anwendungen wandern ins Rechenzentrum oder in die Cloud. Von dort aus kann die IT sie flexibel bereitstellen.

Zweigstellen-IT als Bremsklotz

Der augenfälligste Nachteil der Zweigstellen-IT sind die immensen Kosten. Jeder Standort benötigt seine eigene Hardware, angefangen bei Servern über Datenspeicher bis hin zu Backup-Systemen, die die Folgen von Ausfällen abschwächen sollen. Zu den hohen Anschaffungskosten für diese Geräte kommt der Wartungsaufwand: Jedes einzelne Modul muss gepflegt, aktualisiert und bei Defekten repariert oder ausgetauscht werden. Oft muss dazu umfangreich geschultes Personal vor Ort sein – entweder festangestellte Mitarbeiter oder externe Dienstleister.

Sogar noch teurer wird es, wenn eine kritische Komponente mal ausfällt. Ein defektes Gerät reicht aus, um die gesamte Zweigstelle lahmzulegen. Steht nicht schnell ein Ersatz zur Verfügung, führt das zu immensen Umsatzeinbußen.

Zwei weitere Nachteile sind mit der traditionellen Zweigstellen-IT verbunden:

  • Erstens mangelnde Flexibilität – die zersplitterten Systeme können nur mühsam und bruchstückhaft aktualisiert werden. Die Etablierung neuer Strukturen verschlingt sehr viel Zeit. Beim Aufbau neuer Standorte wirkt die IT deshalb als Bremsklotz. Bis sie einwandfrei funktioniert, können Wochen vergehen. Einmal aufgebaut, erweisen sich die Systeme dann oft als unter- oder überdimensioniert; das treibt entweder die Kosten in die Höhe oder sorgt für Reibungen im Betriebsablauf.
  • Zweitens fällt es Unternehmen schwer, die Sicherheit ihrer auch in Zweigstellen lokal abgelegten Daten und Anwendungen zu gewährleisten. Die Verantwortlichen für IT-Security sitzen in der Zentrale und haben schlicht keine Möglichkeit, alle Ausläufer der weitverzweigten Systeme im Blick zu behalten.

Zusammengefasst sprechen also drei gute Gründe dagegen, die alte Organisation der Zweigstellen-IT aufrechtzuerhalten: hohe Kosten, fehlende Flexibilität und mangelnde Sicherheit.

Die Vorteile von Hyperkonvergenz

Hyperkonvergente Infrastruktur folgt einem simplen Prinzip – die Zweigstellen-IT muss weiter vereinfacht werden. Eine einzelne Appliance vereint daher alle Komponenten des lokalen Systems, der Serverschrank leert sich. Dies ermöglicht eine wesentlich einfachere Verwaltung und Bereitstellung: Ehemals kümmerte sich der Server-Administrator um den Server, der zuständige IT-Mitarbeiter um den Switch und Storage-Spezialisten hatten die Aufsicht über Speicher- und Backup-Geräte.

Die neue Appliance hingegen verwalten die IT-Mitarbeiter des Unternehmens bequem aus der Ferne, alle notwendigen Informationen und Kontrollfunktionen stehen zentralisiert zur Verfügung. Einige Komponenten fallen sogar ganz weg, weil Daten und Anwendungen in die Cloud oder ins Rechenzentrum wandern. Remote-Backups sind somit nicht mehr notwendig.

Und die Bereitstellung über die Cloud oder das Rechenzentrum ist dabei gleich doppelt günstig:

  • Die Hardware wird flexibler und skalierbarer: Rechenleistung und Speicherplatz sind an zentralen Serverstandorten beinahe unbegrenzt vorhanden. Die IT-Abteilung kann neue Anwendungen außerdem mit wenigen Klicks in jeder beliebigen Zweigstelle zur Verfügung stellen. Auch der Aufbau neuer Zweigstellen beschleunigt sich: Wo früher mühsam lokale Strukturen aufgebaut werden mussten, reicht jetzt die Inbetriebnahme eines einzelnen Geräts. Alles andere lässt sich flexibel aus der Cloud heraus bereitstellen und konfigurieren.
  • Die IT-Abteilung kann den Umgang mit wertvollen Unternehmensdaten professionalisieren. Früher lagen diese lokal in den Zweigstellen, der Austausch von Informationen zwischen einzelnen Standorten oder die zentrale Auswertung gestaltete sich deshalb denkbar schwierig. Auch litt die Sicherheit der Daten unter der fragmentierten Speicherung an zerstreuten Orten. Sicherheitsverantwortliche hatten schlicht nicht die Möglichkeit, die Übersicht über alle Datensilos zu behalten und einen angemessenen Schutz vor nichtautorisiertem Zugriff zu gewährleisten.

Fazit

Was ist dran am Hype um Hyperkonvergenz? Das Konzept birgt enormes Potenzial: Wertvolle Unternehmensdaten wandern ins Rechenzentrum, wo sie sich besser kontrollieren lassen. Die IT-Kosten von Außenstellen sinken durch den Wegfall von lokalen Komponenten und Wartungsaufwand. Nach Ausfällen oder bei der Eröffnung neuer Standorte können IT-Services im Handumdrehen verfügbar gemacht werden – flexibel zugeschnitten auf den lokalen Bedarf. Die IT-Abteilung gewinnt außerdem einen zentraleren Überblick über ihre Systeme – eine immense Arbeitserleichterung gerade in weitverzweigten Unternehmen.

Oliver Burgstaller.
Oliver Burgstaller. (Bild: Riverbed)

Aber Vorsicht: Wer von den Vorteilen hyperkonvergenter Infrastruktur profitieren und gleichzeitig bei der Bereitstellung von Anwendungen und Daten keine Performance-Abstriche hinnehmen möchte, der benötigt ein leistungsstarkes Netzwerk. Techniken wie WAN-Optimierung zum schnelleren Datentransfer über das Weitverkehrsnetz sind deshalb unverzichtbare Bausteine hyperkonvergenter Systeme. Insgesamt aber geht mit der neuen Infrastruktur ein immenser Effizienzgewinn einher.

Je mehr die IT im digitalen Zeitalter an Bedeutung gewinnt, desto stärker wirkt sich dieser auf den Geschäftserfolg aus. Gerade für große Unternehmen ist es deshalb an der Zeit, den Umstieg jetzt anzugehen.

Über den Autor

Oliver Burgstaller ist ‎Director Advanced Business Solutions bei Riverbed.

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