Microsofts neue Lizenzmetrik im Zeichen der Virtualisierung, Teil 3

Holistischer Lizenz-Ansatz

| Autor / Redakteur: Dr. Stefan Riedl / Andreas Donner

Auf der physischen Hardware laufen virtuelle Maschinen.
Auf der physischen Hardware laufen virtuelle Maschinen. (Bild: © ThorstenSchmitt-Fotolia.com)

Es gibt auch Verlierer bei der neuen Lizenzmetrik. Doch ein ­„perfektes Performance-Lizenzmodell“, scheitert am Disput um „gläserne Kunden“. Das könnte sich allerdings ändern.

In vielen Punkten herrscht Einigkeit zwischen Microsoft-Manager Sven Langenfeld und dem Geschäftsführer von Metrix, Jörg Henschel. Angefangen bei der Umstellung der Lizenzmetrik von CPUs auf Kerne pro physischem Server. „Die Core-Lizenzierung an sich ist nicht verkehrt. Sie ist granularer und löst mehr auf und bietet die Chance mehr Gerechtigkeit zu erzeugen. Als Microsoft hätte ich das zum jetzigen Zeitpunkt auch gemacht. Das halte ich für vernünftig. Es geht aber sozusagen ums Kleingedruckte, das in der Praxis Probleme bereitet“, so der Metrix-Chef. Problemstellung und mögliche Lösungsansätze finden Sie im zweiten Teil dieser Beitrags-Trilogie.

Langenfeld pflichtet bei, dass es Szenarien mit Kostensteigerungen gibt, und spricht von einer Übergangsphase. Und da ist es eben so, dass manche Kunden schon frühzeitig auf moderne Hardware gesetzt haben und andere nicht. „Diejenigen, die frühzeitig auf mehr Kerne pro Prozessor gesetzt haben, hatten sehr stark davon profitiert, dass wir unter Windows Server 2012 R2 die Prozessorlizenzierung hatten.“

Software-Assurance

Allerdings bekamen alle Kunden, die eine Software-Assurance hatten, die Lizenzen von Windows Server 2012 R2 auf Windows Server 2016 getauscht – passend zu ihrer aktuellen Hardware. Sie mussten also nicht nachlizenzieren, sondern konnten in der Übergangsphase davon profitieren, dass sie auf moderner Technologie Windows Server nutzten, aber noch nach dem alten Lizenzmodell bezahlt haben. Genau dafür sei die Software-Assurance gedacht. Seit dem Stichtag der Windows-Server-2016-Verfügbarkeit im Oktober 2016 greife aber das neue Lizenzierungs-Modell bei Neuanschaffungen, betont Langenfeld und räumt ein: „Diejenigen, die in hochperformante Hardware investieren wollen und neue Lizenzen dafür erwerben, bezahlen folgerichtig definitiv mehr als sie unter dem alten Modell bezahlt hätten.“

Jedoch hatten Firmen früher große Räume voll mit Hardware. Dank Virtualisierung und immer besserer Performance pro physischem Server kann heute mit weniger Servern genau dasselbe oder sogar noch viel mehr erreicht werden. „Wir müssen uns immer die Gesamtkosten für die IT ansehen, nicht nur die für die Software, denn erst die leistungsfähigere Software macht die Konsolidierung der Hardware in diesem Umfang möglich.“

Marktzahlen

Auch über Relevanz im Markt müsse an dieser Stelle mal gesprochen werden: „Ich habe mir die Zahlen der letzten eineinhalb Jahre von IDC für das SMB-Umfeld angeschaut. Gerade mal ein Prozent der Server, die von den OEMs verkauft werden, haben vier Prozessoren. Alle anderen sind Ein- oder Zwei-Prozessormaschinen. Also 99 Prozent der SMB-Kunden kommen mit maximal zwei Prozessoren pro Server aus. Wenn man sich die Kerne anschaut, sind gute 90 Prozent der Server mit bis zu acht Kernen pro Prozessor ausgestattet. Ab zehn Kernen aufwärts pro Prozessor spielt das also bei maximal zehn Prozent der Server eine Rolle.“ Das seien meist Kunden mit einem großen Rechenzentrum für das eigene Unternehmen, eventuell für eine Private Cloud. Und bei diesen Kunden sollten Berater ein sinnvolles Konstrukt aus Anforderungen und Lizenzbedingungen austüfteln.

Die ultimative Lizenzierungsmethode

Jörg Henschel, Geschäftsführer von Metrix Consulting (li.) und Sven Langenfeld, Distribution PAM OEM und BDM Windows Server, Microsoft Deutschland (re.) nach der Diskussion bei IT-BUSINESS.
Jörg Henschel, Geschäftsführer von Metrix Consulting (li.) und Sven Langenfeld, Distribution PAM OEM und BDM Windows Server, Microsoft Deutschland (re.) nach der Diskussion bei IT-BUSINESS. (Bild: Vogel IT-Medien)

Die Frage, wie eine ultimative, gerechte Lizenzierungsmethode aussehen könne, bringt die beiden Lizenz-Experten schnell zum Microsoft-Cloud-Dienst „Azure“, wo nur für abgerufene Performance bezahlt wird. Könnte das auf Server-Betriebssysteme übertragen werden, würden wohl alle: „Perfekt!“ sagen. Doch so einfach lässt sich das nicht auf Server-Ebene übertragen. Langenfeld erklärt: „Um das zu realisieren, müssten wir als Microsoft auf jeden einzelnen Kunden-Server zugreifen, die Nutzungsdaten abrufen, um dann einmal im Monat eine Rechnung zu stellen. Bei Azure und Hosting ist das naturgemäß anwendbar. Bei On-premises-Infrastrukturen würden die Kunden zu Recht über ‚gläserne Kunden‘ diskutieren. Das funktioniert so nicht.“ Noch nicht.

Ergänzendes zum Thema
 
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Ausblick: Azure Stack

Mit Azure Stack werden sich diesen Sommer weitere Möglichkeiten ergeben, lässt Langenfeld durchblicken. Azure könne dann wie im Microsoft-Rechenzentren im eigenen Kunden-Rechenzentrum betrieben werden. Zwar sei ihm noch kein finales Lizenzmodell dazu bekannt. Aber es sei durchaus denkbar, hier nach Performance abzurechnen, wie bei Azure auch. „Der Kunde würde Azure Stack dann gar nicht kaufen müssen, sondern kostenlos installieren, und abgerechnet wird nach Nutzung. Warten wir ab, wie es am Ende kommt. Sicher ist nur eins: Die IT-Branche ist in permanenter Bewegung, und das Gleiche gilt auch für Microsoft und seine Lizenzmodelle“, resümiert Langenfeld. Spätestens bei diesem Punkt sind sich alle einig.

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