Neue Sicherheitsfunktion im Apple iPhone X

Face ID - Wie gut ist Apples neues Sicherheitssystem?

| Autor / Redakteur: Moritz Jäger / Peter Schmitz

Mit Face ID will Apple Kennwörter (mal wieder) überflüssig machen.
Mit Face ID will Apple Kennwörter (mal wieder) überflüssig machen. (Bild: Apple)

Das kommende iPhone X erkennt seinen Nutzer am Gesicht. Die neue biometrische Funktion namens Face ID nutzt eine Kombination aus drei Systemen, einer Infrarotkamera, einem Punktprojektor und einem IR-Strahler um das Gerät für den richtigen Anwender zu entsperren oder mittels Apple Pay eine Zahlung zu autorisieren. Allerdings ruft Face ID auch Kritiker auf den Plan.

Eins der großen Highlights des iPhone X ist das neue Face ID. Statt eines Fingerabdrucks scannt das iPhone X das Gesicht des Nutzers, um das Gerät zu entsperren oder um Zahlungen freizugeben. Kaum war die Technik bekannt, schon regte sich Kritik daran.

Dabei half es nicht, dass die Demo während der Präsentation fehlschlug und Senior Vice President für Software-Entwicklung Craig Federighi sich abmühte, die Funktion live zu demonstrieren. Wobei Apple inzwischen klarstellen konnte, dass Face ID korrekt funktioniert hatte: Andere Personen hatten vor der Keynote das auf Federighi trainierte Demo-iPhone bedient und damit korrekt die biometrische Funktion zum entsperren deaktiviert, so dass das Smartphone den Entsperrcode anfordern musste.

Wie arbeitet Face ID?

Die Technik sieht nicht auf ein einfaches Bild des Nutzers, sondern scannt nach Apple-Angaben einen Punktprojektor, der das Gesicht mit 30 000 Punkten überzieht. Laut dem Konzern entsteht so eine einmalige Karte des Gesichts. Für die tatsächliche Erkennung des Gesichtes kommt eine Infrarotkamera im iPhone X zum Einsatz. Diese fotografiert die projizierten Punkte, erstellt eine Karte und schickt diese zum integrierten A11 Bionic Chip für die Identifizierung.

Dieser soll durch Machine Learning sicherstellen, dass der Nutzer auch erkannt wird, wenn er beispielsweise einen Bart wachsen lässt, eine Brille trägt oder einen Hut aufhat. Eine normale Frontkamera reicht entsprechend nicht, um Face ID zu nutzen. Damit ist die Funktion aktuell für das iPhone X exklusiv.

Ist Face ID sicherer als Touch ID oder ein Passwort?

Das wird sich erst zeigen, wenn das Gerät im Handel und damit in den Händen von Sicherheitsexperten ist. Apple ist nicht der einzige Anbieter, der mit Gesichtserkennung experimentiert. Samsung hatte eine solche Entsperrfunktion in seinem Galaxy S8, die Experten vom CCC konnten diese allerdings mit einem ausgedruckten Foto austricksen. Apple beschwört natürlich die Sicherheit von Face ID, solange diese allerdings nicht von unabhängigen Experten überprüft wurde, sollte man skeptisch bleiben.

Der Einsatz einer Infrarotkamera ist dabei interessant. Microsoft nutzt eine ähnliche Technik für Windows Hello, auch hier ist ein aktiver IR-Sensor die Voraussetzung, damit ein Gesicht erkannt wird. Das ist auch einer der Gründe, warum sich Microsoft Hello trotz der Integration in Windows 10 noch nicht durchgesetzt hat.

Skepsis gegenüber Apple

Obwohl Apple-Fans normalerweise für ihre Begeisterung bekannt sind, Face ID finden viele etwas zu „creepy“. Apple selbst gibt zwar an, dass keine Gesichts-Scans in der Cloud gespeichert werden, gesichert werden sie nur im verschlüsselten Teil des iPhone X. Für die Scans gibt es einen speziellen Co-Prozessor namens Secure Enclave, dieser kümmert sich beispielsweise auch um den sicheren Bootvorgang.

Dennoch sind Journalisten und andere Experten kritisch. Die Frage ist etwa, ob autoritäre Regime damit einfacher die Geräte entsperren können. Tatsächlich dürfte diese Furcht etwas weit hergeholt sein – wer das Gesicht eines Verdächtigen vor das iPhone X zwingen kann, der bringt auch dessen Finger auf den Touch ID-Scanner.

Aktuell ist Face ID für zwei Funktionen gedacht: Entsperren des Gerätes und für das Freigeben von Apple Pay Zahlungen. Drittanbieter-Apps funktionieren mit Face ID genauso wie zuvor mit Touch ID, lassen sich also ebenso mit einem Blick entsperren wie das iPhone selbst. Schade, dass Apple die offensichtlichste Funktion ignoriert: Face ID wäre ideal, um automatisch verschiedene Nutzer zu erkennen und andere Umgebungen zu laden. Wenn etwa ein Kind das Handy nimmt, kann es so seine eigenen Apps öffnen, hat aber keinen Zugriff auf die Daten der Eltern. Leider ist das Thema Multiuser zumindest beim iPhone noch kein Thema.

Fazit

Macht Face ID alles besser oder ist es eine dystopische Funktion, die „denen da oben“ mehr Kontrolle gibt? Die Realität liegt wahrscheinlich mal wieder dazwischen. Wer sich das iPhone X kauft, der kommt zunächst um Face ID kaum herum. Es gibt keinen Fingerabdruck-Scanner mehr, allerdings funktionieren klassische Passwörter zum Glück noch immer.

Es bleibt zu sehen, ob Apple mehr Glück hat als etwa Samsung. In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass sich so ziemlich jeder White-, Grey- und Blackhat-Hacker auf die Funktion stürzen wird um sie auf Herz und Nieren zu testen. Nachdem Touch ID seit 2013 fast jedes Jahr ausgehebelt wurde, sind wir gespannt, wie lange Face ID widerstehen kann.

Während das neue iPhone X erst ab dem 3. November 2017 zu haben sein wird, ist das neue iOS 11 bereits ab dem 19. September für alle Geräte ab dem iPhone 5S verfügbar. Welche Neuerungen es beim neuesten Mobil-Betriebssystem von Apple im Bereich der Sicherheit gibt, stellen in dem Beitrag „Sicherheit in iOS 11“ vor.

Sicherheit in iOS 11

Update für iPhone und iPad

Sicherheit in iOS 11

15.09.17 - Mit iOS 11 erweitert Apple die Sicherheitsfunktionen um zwei clevere Features. Zum einen lässt sich nun Touch ID schnell abschalten und die Eingabe des Passcodes erzwingen. Zum zweiten bekommen die Geräte einen SOS-Modus, der schnell einen Notruf absetzen kann. Außerdem erfordert das Verbinden mit einem PC jetzt auch auf dem iOS-Gerät die Eingabe des Sperrcodes. lesen

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