Ein Kommentar zum Netzwerkmarkt

Es wird eng für Cisco & Co

| Autor / Redakteur: Lloyd Carney / Andreas Donner

Die eigenen Interessen oder die Bedürfnisse der Kunden – was wiegt schwerer bei IT-Herstellern?
Die eigenen Interessen oder die Bedürfnisse der Kunden – was wiegt schwerer bei IT-Herstellern? (Bild: Coloures-pic - Fotolia.com)

Freie Auswahl oder Single-Vendor-Prinzip? Unternehmen müssen oft den mittlerweile fast halsbrecherischen Spagat leisten, die In­no­va­ti­ons­zy­klen ihrer IT kurz zu halten und zugleich möglichst kosteneffizient zu agieren. Dabei entstehen oft unglückliche Kompromisse. Und die Hersteller? Vor allem im Netz­werk­be­reich versäumen es viele, den Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht zu werden, sagt Lloyd Carney, CEO vom Netz­werk­spe­zia­lis­ten Brocade.

Wir leben in einem Zeitalter der Digitalisierung, von Big Data und Millionen vernetzter Sensoren und Endgeräte. Kurz: Dem Internet der Dinge. Dies bringt vor allem für die Netzwerke von Firmen neue Anforderungen: Denn Mobility, Device Mesh und das Internet der Dinge sind nicht denkbar ohne eine skalierbare, belastbare Architektur, die nicht nur die Anbindung und Verarbeitung all dieser Daten ermöglicht sondern auch mitwächst. Als Hersteller könnte man natürlich sagen: Hauptsache, die IT wächst mit den eigenen Produkten. Könnte... denn bei IT-Entscheidern führt dies zu Sorgenfalten.

Denn ebenso, wie wir im alltäglichen Leben stets die für uns beste Lösung suchen, muss dies aus meiner Sicht auch für Rechenzentren gelten. Doch wenn ich mich unter unseren Mitbewerbern umsehe, sehe ich, dass diese meist nur sehr widerstrebend auf offene Lösungen setzen, die genau dies ermöglichen.

Stattdessen wollen sie ihren Marktanteil verteidigen und versuchen alles, um ihre Kunden festzuhalten. Vor allem wenn der Kunde eine bestimmte Größe erreicht hat, wird alles daran gesetzt, damit dieser beim gewählten Hersteller bleiben. Offene Schnittstellen und Standardkonformität, die es dem Kunden ermöglichen, unter der jeweils besten Lösung auszuwählen, gehören daher nicht zu den Features ihrer Wahl.

Offene, spezialisierte Lösungen müssen proprietäre Systeme ersetzen

Dieses Vorgehen halte ich für falsch: Hersteller wie Cisco setzen extrem auf Wachstum – bewegen sich dabei aber weg vom klassischen Netzwerkbereich. Sie verkaufen Server, sind im Storage-Bereich unterwegs und bieten Analytics für das Internet of Things – haben sich also viele hochfliegende Ziele gesetzt, die sie vielleicht auch erreichen. Aber damit erhalten Kunden nicht unbedingt die Best-of-Breed Lösungen, sondern, proprietäre Architekturen.

Das Rechenzentrum ist aus meiner Sicht der Ort, an dem derzeit der echte Wandel stattfindet. Der Fokus für Hersteller muss sein, die beste Netzwerklösung innerhalb des Rechenzentrums zur Verfügung zu stellen – damit das Netzwerk aufholt und zur restlichen Infrastruktur aufschließt. Und Kunden somit kosteneffiziente, skalierbare Lösungen erhalten. Eine wichtige Rolle spielen hierbei offene Standards und Virtualisierung.

OpenStack und OpenDaylight als Vorbildprojekte für offene Initiativen

Im Netzwerkbereich gibt es gleich eine Reihe von Initiativen, die sich mit offenen Standards und Schnittstellen für Virtualisierungsthemen wie Software-Defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV) befassen. So bietet OpenDaylight für SDN eine offene Plattform für Entwickler, an der diese aktiv teilnehmen und damit neue Produkte und Technologien vorantreiben können. Auch der Brocade SDN-Controller basiert auf dem OpenDaylight-Controller.

Ein weiteres Projekt ist OpenStack, das eine freie Architektur für Cloud Computing zur Verfügung stellt. Und dass dies nicht nur Zukunftsvision, sondern bereits Realität ist, zeigen Großprojekte wie in der physikalischen Grundlagenforschung des Forschungszentrums CERN. Dies geht auch nicht spurlos an Unternehmen vorbei: Open Source ist die Zukunft und nur wer als Hersteller flexibel genug ist, sich darauf einzulassen, wird Bestand haben.

Lloyd Carney
Lloyd Carney (Bild: Brocade)

Über den Autor

Lloyd Carney ist CEO des Netzwerkspezialisten Brocade und als solcher für die Umsetzung der Unternehmensvision und -strategie zuständig. Fokus sind die Bereiche Cloud Computing und Rechenzentrumsvirtualisierung, hier vor allem Software-Defined Networking.

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