Wie die Wirtschaftslage 2009 die Nachfrage veränderte

Die wichtigsten Trends im IT-Services-Markt

19.01.2010 | Autor / Redakteur: Matthias Kraus / Katrin Hofmann

Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt am Main

IDC schätzt das vorläufige Marktvolumen für den deutschen IT-Services-Markt im vergangenen Jahr auf rund 27 Miliarden Euro. Damit schrumpfte der Umsatz um mehr als drei Prozent. Geprägt wurde der Markt von mehreren Entwicklungen.

Die Auswirkungen der Rezession in Deutschland und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit in vielen Unternehmen führte gerade im vergangenen Jahr dazu, dass geplante IT-Investitionen nochmals geprüft, Budgets reduziert, eingefroren oder ganz gestrichen wurden.

IDC hat im Hinblick auf die Inanspruchnahme von IT-Dienstleistungen folgende Trends evaluiert:

  • 1. Verzögerung neuer Projekte und Aufträge: Dies betraf im vergangenen Jahr vor allem Training & Education, es folgten die Segmente IT Consulting, Hardware Deploy & Support sowie Customer Application Management.
  • 2. Aufteilung großer Projekte in kleinere Teilprojekte: Diese kleineren Einzelprojekte werden abhängig von der Dringlichkeit, des zu erwarteten Nutzens zur Erreichung der Einsparungsziele und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erst nach und nach umgesetzt.
  • 3. Verlängerung der Entscheidungsprozesse: Auch IT-Services wie Outsourcing, die zu kurzfristigen Kosteneinsparungen führen können, werden länger geprüft und verhandelt, bevor es zu einer Unterschrift kommt.
  • 4. Kurzfristige Kosteneinsparungen im Fokus: Anwenderunternehmen konzentrieren sich auf kurzfristigen Return on Investment (ROI). An zweiter Stelle folgt die Flexibilisierung der IT. Themen wie Innovation oder Business Alignment rücken kurzfristig in den Hintergrund.
  • 5. Steigendes Interesse an verbrauchsabhängigen Preismodellen (Pay Per Use, Utility): Die Nachfrage nach verbrauchsabhängigen Preismodellen wird durch die Wirtschaftskrise stimuliert, denn Unternehmen sollten besonders in Krisenzeiten zu hohe Fixkosten abbauen und idealerweise nur das bezahlen, was sie tatsächlich benötigen.
  • 6. Steigendes Interesse an Hosting Angeboten, Cloud Services inklusive Software as a Service: Das Interesse und die Akzeptanz deutscher Unternehmen an einer flexiblen und kostengünstigen Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet wird in Zukunft deutlich zunehmen. Geringe Kapitalbindung, verbrauchsabhängige Abrechnung und hohe Skalierbarkeit sind wesentliche Vorteile dieser Konzepte. Insbesondere Lastenspitzen oder saison- und konjunkturabhängige Geschäftsentwicklungen können effektiv abgefedert werden.
  • 7. Steigendes Interesse an Offshoring: Um dem enormen Kostendruck zu begegnen, wird die Nutzung von Offshoring besonders von großen und international agierenden Anwenderunternehmen vermehrt in Betracht gezogen. Verstärkt wird dieser Trend von – trotz Wirtschaftskrise – anhaltendem IT-Fachkräftemangel.
  • 8. IT-Industrialisierung nimmt eine Schlüsselrolle ein: Die Industrialisierung der IT durch Standardisierung, Modularisierung, die Anwendung von professionellen Methoden wie ITIL sowie die Reduzierung der IT-Fertigungstiefe gehört seit dieser Dekade zu den grundlegenden Entwicklungen des Marktes (Megatrend). Die Hauptgründe hierfür sind sowohl Qualitätsprobleme als auch der gestiegene Kosten- und Wettbewerbsdruck. IT-Services Angebote werden günstiger, flexibler und können schneller implementiert werden. Genau diese Attribute sind in Zeiten der Wirtschaftskrise entscheidend.

Markterholung in Sicht

IDC erwartet erst mit einem nachhaltigen Aufschwung der Gesamtwirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte 2010 auch eine spürbare Erholung des deutschen IT-Services-Marktes. Erst wenn sich das Vertrauen in den Aufschwung festigt, werden die Unternehmen wieder vermehrt in IT-Services, insbesondere in Outsourcing investieren.

Obwohl Outsourcing ein Instrument zur IT-Kostenreduzierung ist, zögerten viele Unternehmen während der Rezession aufgrund der unsicheren Wirtschaftlage und schlossen seltener mittel- und langfristige Verträge ab. Mit dem wachsenden Vertrauen in den Aufschwung werden die Unternehmen vermehrt Outsourcingverträge abschließen, denn der Kosten- und Wettbewerbsdruck wird auch in den kommenden Jahren hoch bleiben.

Neben dem Motiv Kostenreduzierung ist das Ziel, die IT zunehmend zu flexibilisieren, eine weiteres entscheidendes Kriterium für Outsourcing. Aus diesem Grund werden „verbrauchsabhängige“ Angebote sowie Cloud Services stark nachgefragt werden. Über den gesamten Betrachtungszeitraums 2008-2013 erwartet IDC für den deutschen Markt für IT-Services ein durchschnittliches Wachstum von 1,5 Prozent jährlich.

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