NoD: Konzept und Zielgruppen

Die flexible Netzwerkinfrastruktur

| Autor / Redakteur: Bernd Reder / Andreas Donner

Network on Demand bietet Nutzern die Möglichkeit, Netzwerkressourcen an den aktuellen Bedarf anzupassen.
Network on Demand bietet Nutzern die Möglichkeit, Netzwerkressourcen an den aktuellen Bedarf anzupassen. (Bild: © - alphaspirit – Fotolia.com)

Es ist so gut wie unmöglich, Switches, WLAN-Access-Points und Netzwerkmanagement-Systeme passgenau auf den tatsächlichen Bedarf abzustimmen. Folglich sind die meisten Netzwerke oft überdimensioniert und damit zu teuer. Einen Ausweg bietet Network on Demand (NoD).

Die Rolle der IT-Abteilung hat sich geändert. Ihre Aufgabe besteht nicht mehr nur darin, die IT- und Netzwerkinfrastruktur zu verwalten. IT-Fachleute müssen höhere Anforderungen seitens der Geschäftsnutzer erfüllen und eine führende Rolle bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen und Angeboten übernehmen. Doch de facto bedeutet dies, dass IT-Abteilungen nach dem Motto „mehr mit weniger“ verfahren müssen. Denn die IT-Budgets steigen leider nicht im selben Maße wie die Anforderungen an die IT.

Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Gartner ist im Jahr 2017 bei den Ausgaben im Bereich IT in Westeuropa ein Zuwachs von nur 1,6 Prozent zu erwarten. Für Netzwerk- und Rechenzentrumsausrüstung werden Unternehmen und öffentliche Einrichtungen laut Gartner sogar nur 1 Prozent mehr ausgeben. IT-Fachleute müssen somit Wege finden, um die Kosten der Netzwerkinfrastruktur so niedrig wie möglich zu halten, ohne dass dies die Geschäftstätigkeit und Agilität eines Unternehmens beeinträchtigt.

Netzwerke nur teilweise ausgelastet

In vielen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen werden die Netzwerke nur teilweise genutzt, etwa in Hotels und Schulen.
In vielen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen werden die Netzwerke nur teilweise genutzt, etwa in Hotels und Schulen. (Bild: ALE)

Verschärft wird diese Situation durch die Tatsache, dass ein Großteil der Netzwerke in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen nur teilweise ausgelastet ist. Nach Erfahrungswerten von Alcatel-Lucent Enterprise (ALE) und Daten von Marktforschern liegt beispielsweise die durchschnittliche Auslastung eines Hotels in der Europäischen Union bei etwa 71 Prozent. Dennoch steht in allen Suiten und Zimmern ein WLAN- oder kabelgestützter Netzwerkzugang bereit, gleich, ob das Zimmer belegt ist oder leer steht.

Eine ähnliche Situation ist in Ausbildungseinrichtungen wie Schulen, Universitäten und Fachhochschulen anzutreffen. Während der Schul- bzw. Vorlesungszeit herrscht Hochbetrieb. Lehrkräfte, Studierende und Schüler sowie die Verwaltung nutzen das Netzwerk. In den Schul- und Semesterferien liegt dagegen ein Großteil der Netzwerkinfrastruktur brach. Vergleichbare Situationen ergeben sich in Unternehmen, etwa bei Veranstaltern von Messen und Veranstaltungen, im Logistikgewerbe und bei Firmen, deren Geschäft durch saisonale Einflüsse bestimmt wird. Sie alle stehen vor demselben Problem: das Netzwerk ist da, wird jedoch nur phasenweise im vollem Umfang genutzt. Das ist weder unter wirtschaftlichen noch technischen Aspekten optimal.

„On-Demand“-Prinzip für die Netzwerkinfrastruktur

Einen Ausweg bietet eine bedarfs- und nutzungsorientierte Bereitstellung von Netzwerkkomponenten, Stichwort „Network on Demand“ (NoD). Bei diesem Ansatz werden definierte Netzwerkdienste auf Basis eines Pay-per-Use-Ansatzes bereitgestellt. Das heißt, ein Unternehmen zahlt nur für die tatsächliche Nutzung der Netzwerkkomponenten. Das gilt sowohl für die Zahl der verwendeten Netzwerkports als auch für den Nutzungszeitraum.

Eine nutzungsorientierte Abrechnung bietet deutlich mehr Vorteile als der Kauf oder das Leasing von Netzwerkausrüstung.
Eine nutzungsorientierte Abrechnung bietet deutlich mehr Vorteile als der Kauf oder das Leasing von Netzwerkausrüstung. (Bild: ALE)

Ein Beispiel: Ein Hotel mit 200 Zimmern, das seinen Gästen per WLAN einen Internetzugang anbietet, ist während einer Messe eine Woche lang komplett ausgebucht. In diesem Fall werden alle WLAN-Access-Points und die Ports der entsprechenden Netzwerk-Switches aktiviert. Das Hotel bezahlt in diesem Fall dem Anbieter des NoD-Services Nutzungsgebühren in voller Höhe, zuzüglich einer Basispauschale.

Nach Ende der Messe ist das Hotel nur noch zu 70 Prozent belegt. In 30 Prozent der Zimmer können daher die Netzwerkanschlüsse zeitweilig deaktiviert werden und auf der WLAN-Infrastruktur sind ebenfalls automatisch weniger Nutzer authentifiziert. Entsprechend reduzieren sich ab diesem Zeitpunkt die Nutzungskosten der Netzwerkinfrastruktur. Network-on-Demand-Lösungen, wie etwa die von ALE, sind in der Lage, die Nutzung der Netzwerkkomponenten bis auf die Ebene einzelner Netzwerkports nachzuverfolgen. Die Abrechnung erfolgt tagesgenau entsprechend dem tatsächlichen Verbrauch.

Anschaffungsorientierte vs. verbrauchsorientierte Kosten

Die Grundlage von Network on Demand ist somit ein verbrauchsbasiertes Modell. Nach demselben Prinzip werden Cloud-Services bereitgestellt. Im Gegensatz dazu greifen immer noch viele Anwender auf ein CAPEX-Modell (Capital Expenditure) zurück, wenn sie Netzwerktechnologien implementieren, etwa ein WLAN, Switches und Router. CAPEX bedeutet, dass der Nutzer die Netzwerkkomponenten auf eigene Rechnung anschafft und implementiert oder durch einen zertifizierten Systemintegrator implementieren lässt.

Um auf der sicheren Seite zu sein, legen IT-Abteilungen ein solches Netzwerk meist größer aus, als es zum Zeitpunkt der Beschaffung notwendig ist. Die Idee dahinter: Kommen neue Mitarbeiter hinzu oder werden zu einem späteren Zeitpunkt weitere Netzwerkressourcen benötigt, steht diese Reserve zur Verfügung. Der Nachteil ist, dass das Kapital bis dahin in Infrastrukturkomponenten gebunden ist, die nur teilweise genutzt werden.

Hinzu kommt der erhöhte Aufwand für den Betrieb und die Wartung dieser überdimensionierten Infrastruktur. Das führt zu einer erhöhten Belastung der IT-Abteilung und verhindert, dass sich diese anderen Aufgaben widmen kann. Dazu zählt beispielsweise die Unterstützung von Fachabteilungen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten.

Deutlich niedrigere Kosten

Wer Netzwerkausrüstung selbst kauft, gibt laut IDC bis zu 28 Prozent mehr aus, als wenn er das Equipment im Rahmen eines NoD-Services bezieht.
Wer Netzwerkausrüstung selbst kauft, gibt laut IDC bis zu 28 Prozent mehr aus, als wenn er das Equipment im Rahmen eines NoD-Services bezieht. (Bild: IDC)

Auch Leasingmodelle, bei denen ein Nutzer Netzwerkausrüstung für eine festgelegte Monats- oder Jahrespauschale mietet, bieten zu wenig Flexibilität und sind unter dem Aspekt Kosten problematisch. Das belegt eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens IDC. Demnach liegen die Gesamtkosten eines Netzwerks bei Einsatz von Network on Demand um 7 bis 23 Prozent unter denen eines Leasingmodells. Gar um 10 bis 28 Prozent niedriger sind die Kosten eines Netzes, wenn das CAPEX-Modell durch Network on Demand ersetzt wird.

Die Untersuchungen von IDC ergaben zudem weitere Vorteile eines NoD-Ansatzes. Dank der Anpassung der Netzwerkkomponenten an den tatsächlichen Bedarf und das Delegieren des Netzwerkmanagements an den Anbieter eines NoD-Services sinkt die Belastung der Netzwerkadministratoren um 14 bis 35 Prozent. Dies ist gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im IT-Bereich ein wichtiger Punkt. Denn die gewonnene Zeit können die hausinternen Fachleute für andere Aufgaben verwenden.

Immer aktuelle Technik verfügbar

Ein weiterer positiver Nebeneffekt von Network-on-Demand-Modellen ist laut IDC, dass Nutzern stets moderne Netzwerksysteme zur Verfügung stehen. Anwender müssen sich nicht zwangsläufig an den vom Finanzamt vorgegebenen Abschreibungsfristen orientieren. Diese sehen für IT-Systeme Fristen von fünf bis sieben Jahren vor. Technologien entwickeln sich jedoch häufig schneller. Ein Beispiel: Es dauerte nur zwei bis drei Jahre, bis auf den WLAN-Standard IEEE 802.11n die Spezifikation IEEE 802.11ac folgte. Letztere unterstützt Bruttodatenraten von mehreren Gigabit pro Sekunde; 802.11n erreicht dagegen nur 600 MBit/s. Hat ein Unternehmen WLAN-Komponenten auf Basis von IEEE 802.11n beschafft, muss es diese bis zum Ende der Abschreibungsfrist einsetzen, um die Steuerlast zu reduzieren. Dagegen lässt sich in einem Network-on-Demand-Vertrag festlegen, dass das Netzwerk des Nutzers mit aktuellen Technologiekomponenten ausgestattet wird. Das Netzwerk ist dadurch stets auf dem technisch neuesten Stand. Das spiegelt sich in geringeren Ausfallzeiten wider – laut IDC um bis zu 52 Prozent weniger ungeplanter „Downtime“. Außerdem profitieren die Nutzer von erweiterten Einsatzmöglichkeiten, etwa der Option, mobile Endgeräte per WLAN in das Unternehmensnetz einzubinden.

Für wen sich Network on Demand eignet

Network on Demand kommt für eine breite Palette von Anwendern in Betracht. Dazu zählen nicht nur Unternehmen, sondern auch öffentliche Auftraggeber wie Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser. Generell gilt, dass sich Network on Demand primär für alle Branchen eignet, in denen die Nutzung des Netzwerks größeren Schwankungen unterliegt. Das kann auf saisonale Faktoren zurückzuführen sein, etwa Urlaubszeiten oder Phasen mit einer besonders hohen Nachfrage nach Produkten eines Unternehmens.

NoD kommt zudem für Unternehmen in Betracht, die auf Flexibilität Wert legen. Werden beispielsweise neue Niederlassungen eröffnet, lässt sich dort mithilfe von Network on Demand eine moderne Netzwerkinfrastruktur einrichten. Diese kann nach Bedarf erweitert werden, etwa wenn die Außenstelle zusätzliche Mitarbeiter einstellt. Im Falle einer geringeren Nutzung können die Ports deaktiviert werden und die variable Nutzungsrate liegt dann bei 0 Prozent, es entstehen keine variablen Kosten mehr.

Speziell Unternehmen mit einem hohen Anteil mobiler Mitarbeiter bietet Network on Demand einen weiteren Vorteil. Für diese lässt sich nach Bedarf die Netzwerkanbindung an einem Arbeitsplatz im Büro aktivieren. Sind Mitarbeiter unterwegs oder arbeiten sie vom Homeoffice aus, werden die entsprechenden Netzwerkports wieder stillgelegt.

Angesichts des Trends in Richtung flexibler Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle wird Network on Demand an Bedeutung gewinnen. Auch für Anbieter von Business-Centern und Tagesbüros ist NoD eine Option, um die Netzwerkkosten zu reduzieren und die IT-Infrastruktur an die aktuelle Nachfrage anzupassen.

Höhere Flexibilität im Medizinbereich

Eine vergleichbare Situation ergibt sich im Gesundheitswesen. Derzeit stehen viele Kliniken auf dem Prüfstand: Kompetenzen werden in einzelnen Krankenhäusern gebündelt. Damit verbunden ist ein Ausbau des Angebots. Andere Kliniken werden verkleinert. Für die Betreiber dieser Häuser hat Network on Demand den Vorteil, dass sie die Netzwerksysteme in den einzelnen Krankenhäusern entsprechend anpassen können. Das spart Geld und hat zudem den Vorteil, dass in den Kliniken aktuelle Netzwerkkomponenten zur Verfügung stehen – keine betagten Systeme, die aus Kostengründen nicht ersetzt werden können.

Hinzu kommt, dass Kliniken verstärkt Patiententerminals einsetzen. Über IP-Netze stellen sie Patienten einen Internetzugang, TV- und Radioprogramme sowie Multimediaanwendungen zur Verfügung. Ein NoD-Konzept ermöglicht es der Klinik, das Netzwerk je nach Auslastung der Klinik „punktgenau“ auszulegen. Überflüssige Kosten durch die Anschaffung von überdimensionierten Netzwerkressourcen sowie deren Betrieb und Wartung entfallen. Nur für die tatsächlich genutzten Kapazitäten fallen Kosten an.

Fazit: Strategische Vorteile durch flexibles Netzwerk

Das „Do-it-yourself“-Prinzip im Bereich Netzwerkinfrastruktur stößt an Grenzen. Es kostet nicht nur mehr Geld als ein nutzungsorientierter Ansatz wie Network on Demand, sondern blockiert zudem personelle Ressourcen in der IT-Abteilung und verhindert, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen stets auf die neueste Netzwerktechnologie zugreifen können. Dagegen eröffnet ein Ansatz wie Network on Demand Nutzern die Möglichkeit, Netzwerkressourcen an den aktuellen Bedarf anzupassen. Diese Flexibilität, in Verbindung mit einer Entlastung der Netzwerkfachleute und niedrigeren Kosten, ist die Voraussetzung dafür, den digitalen Wandel erfolgreich zu bewältigen.

Ein solches Network-on-Demand-Modell bietet der Infrastrukturhersteller Alcatel-Lucent Enterprise (ALE) an. Wie genau NoD funktioniert, für wen es sich am meisten lohnt, wie man ein NoD-Projekt am besten angeht und warum man bei NoD auch immer auf die technisch neueste Infrastruktur bauen kann, zeigt unser eBook „NoD – Network on Demand“, dass registrierten Lesern von IP-Insider ab sofort kostenfrei zum Download zur Verfügung steht. Eine Registrierung ist ebenfalls kostenfrei möglich und erlaubt auch den Zugriff auf alle bisher erschienenen und zukünftigen eBooks sowie auf alle anderen registrierungspflichtigen Inhalte unseres Portals.

Maßgeschneiderte Netze mit Network on Demand

„Pay per Use“ für die Netzwerk-Infrastruktur

Maßgeschneiderte Netze mit Network on Demand

08.12.16 - Eine leistungsfähige IT- und Netzwerk-Infrastruktur ist für jedes Unternehmen unverzichtbar. Doch Switches, WLAN-Access-Points und Netzwerkmanagement-Systeme passgenau auf den tatsächlichen Bedarf abzustimmen, ist kaum möglich. Folglich sind die meisten Netzwerke oft überdimensioniert und damit zu teuer. Einen Ausweg bietet Network on Demand (NoD). lesen

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