Software-getriebenes Umsatzpotential

Das sind die neuen Virtualisierung-Trends

| Autor / Redakteur: Jeff Luszcz / Andreas Donner

Dienstleister sollten die Instrumente der Virtualisierung noch konsequenter nutzen, um zusätzliche Umsätze zu generieren.
Dienstleister sollten die Instrumente der Virtualisierung noch konsequenter nutzen, um zusätzliche Umsätze zu generieren. (Bild: CC0 - Pixabay - angelolucas (gemeinfrei) / CC0)

Flexibilität, Agilität, Skalierbarkeit – Netzwerkspezialisten profitieren in vielfacher Hinsicht von Virtualisierungstechniken. Sie können das Hardware-Geschäft konsolidieren und auf offene Plattformen sowie elastische Geschäftsmodelle umsteigen. Doch wenn es um die Monetarisierung der Lösungen geht, fehlt vielen noch der passende Ansatz.

Je deutlicher das Internet of Things (IoT) Konturen annimmt, desto stärker verschiebt sich der Wert eines Produkts vom eigentlichen Gerät zu Software und Service. Hersteller bieten ihre Geräte vermehrt als Plattform („Device as a Platform“) an und öffnen diese für Fremdapplikationen.

Generell lassen sich zwei Vorgehensweisen ausmachen: Software Defined Networking (SDN) trennt das System, das entscheidet, wohin die Daten geschickt werden (die Control-Plane), vom darunterliegenden System, das die Daten zum ausgewählten Bestimmungsort weiterleitet (die Data-Plane). Diese Trennung macht es einfacher, die Kompatibilität zu anderen Implementierungen herzustellen sowie Betriebs- und Wartungsabläufe durchzuführen.

Bei Network Functions Virtualization (NFV) handelt es sich um die Virtualisierung einzelner Funktionen im Netzwerk. Die dabei entstehenden Software-basierten Lösungen lassen sich konsolidieren und anstelle spezieller Netzwerkgeräte auf Standard-Virtualisierungstechnologien durchführen. Insgesamt lassen sich folgende Trends beobachten:

NFV etabliert sich in der TK-Branche

Die Analysten von IHS erwarten, dass der NFV-Markt von 2,7 Mrd. US-Dollar (2015) bis 2020 auf 15,5 Mrd. US-Dollar ansteigen wird. Dabei entfallen 80 Prozent auf NFV-Software – umgerechnet sind das vier von fünf Dollar, die für NFV ausgegeben werden. Die Möglichkeiten für Hersteller von Netzwerkgeräten, von diesem Trend zu profitieren, sind enorm. Vorausgesetzt, es gelingt ihnen, ihre Geschäftsmodelle stärker auf Software auszurichten und virtuelle Netzwerkfunktionen anzubieten.

Elastisches Kapazitätsmodell

Angesichts der wachsenden Zunahme von NFV und SDN – insbesondere bei Service-Providern, großen Unternehmen und in der Public Cloud – sind neue elastische Kapazitätsmodelle für virtuelle Appliances nötig. Agilität ist entscheidend, um die Kapazität je nach Bedarf anpassen zu können. Nur so lassen sich Netzwerk-Kapazitäten flexibel bereitstellen, wertbasierte Preise für Abonnenten festlegen und Kapazitäten entsprechend der geografischen Nachfrage verteilen.

Nutzungs- und verbrauchsbasierte Lizenzierungsmodelle

Network Equipment Providers (NEP) müssen in der Lage sein, ihren Kunden unterschiedliche Geschäftsmodelle anzubieten – darunter Pay-per-Use , Pay-per-Burst, Pay-per-Overage sowie ergebnisorientierte Modelle. Das wirkt sich stark auf das Kerngeschäft vieler NEPs aus und führt zu grundlegenden Veränderungen, um im Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Zum einen müssen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio bieten können, das neben generischer und kundenspezifischer Hardware auch Virtuelle Appliances, elastische Kapazitätsmodelle und nutzerbasiertes Preismanagement umfasst. Dabei ist es wichtig, dass Privat, Public und Hybrid-Cloud unterstützt werden und eine hohe Verfügbarkeit von verschiedenen Umgebungen und Internetverbindungen sichergestellt ist. Zum anderen muss es den Unternehmen gelingen, wiederkehrende Erträge zu generieren.

Open Source Software (OSS) Compliance und Sicherheit

Die Sicherheit und die Einhaltung von Lizenzierungen bei Open Source Software rückt mehr und mehr in den Fokus – sowohl für Netzwerkspezialisten, die NFV anbieten, als auch für Unternehmen, die SDN implementieren. Noch vor 20 Jahren lag der Anteil von OSS, der in Software-Anwendungen genutzt wurde, bei weniger als 10 Prozent. Heute setzen laut Gartner 95 Prozent der IT-Unternehmen OSS bei ihren unternehmenskritischen Anwendungen ein.

Audits im Zusammenhang mit Übernahmen und Fusionen zeigen kontinuierlich, dass der Anteil von OSS und Fremdcode an der Codebasis zwischen 50 und 90 Prozent beträgt. Verschärfend kommt hinzu, dass der Großteil der Unternehmen nur wenig Wissen über den Einsatz von OSS in den eigenen Reihen hält – oft liegt der Anteil der gelisteten Fälle bei unter 10 Prozent. Der mangelnde Einblick kann nicht nur Verstöße gegen IP-Lizenzierungsrichtlinien nach sich ziehen, sondern auch das Risiko von Schwachstellen erhöhen. Open Source ist auch in NFV- und SDN-Systemen stark verbreitet. Unternehmen sollten daher nicht nur einen genauen Überblick über die eingesetzte OSS besitzen, sondern deren Nutzung bei Bedarf auch offenlegen können.

Der Übergang zu digitalen Angeboten, die Möglichkeit offene und gleichzeitig sichere, gut verwaltete Plattformen anzubieten sowie flexible, verbrauchsabhängige Modelle für Kunden einzuführen, eröffnet der Netzwerkbranche vielversprechende Zukunftsperspektiven. Voraussetzung dafür ist jedoch ein höherer Reifegrad der Lösungen. Die Möglichkeiten der Virtualisierung sind längst noch nicht ausgeschöpft. Auch die Modelle zur Monetarisierung sollten daher genau überprüft werden.

Netzwerkspezialisten sind gut beraten bei der Neuausrichtung fünf grundlegende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Es gilt, die Komplexität von Geschäftsmodellen zu managen, flexible Modelle zur Monetarisierung anzubieten und Plattformen über zusätzliche Funktionen innerhalb der IT-Umgebung gewinnbringend einzusetzen.
  • Zur Monetarisierung über den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung hinweg, sind neue Strategien und Methoden für das Preismanagement der Software notwendig.
  • Durch genau gegliederte Wartungspakete und der entsprechenden Verwaltung von Kundenansprüchen lässt sich die Softwarewartung kapitalisieren.
  • Sowohl die physische als auch digitale Supply Chain kann mittels eines mehrstufigen Distributionsnetzwerks organsiert werden.
  • Der Schutz von Software-IP und die Verwaltung von OOS-Nutzung, Compliance und Sicherheit sind zentral.

Jeff Luszcz.
Jeff Luszcz. (Bild: Flexera / 2014.Roi Brooks)

Fazit

Die Virtualisierung von Netzwerkfunktionen (NFV) und die softwaremäßige Netzwerksteuerung (SDN, Software-Defined Networking) sind treibende Kräfte für den generellen Wandel der Branche hin zur Netzwerk- und Applikationsvirtualisierung. Gemeinsam werden sie Netzwerkumgebungen nachhaltig verändern. Dienstleister profitieren dabei von einer schnelleren und einfacheren Bereitstellung neuer Services für den Kunden. Gleichzeitig können sie ihre Betriebs- und Kapitalaufwendungen senken. Und sie gewinnen ein völlig neues Ausmaß an Flexibilität und Wachstumspotential.

Über den Autor

Jeff Luszcz ist Vice President of Product Management bei Flexera Software.

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