Deloitte-Studie zeigt Wünsche und Wirklichkeit von IT-Leitern

CIO: Wandel vom Techniker zum Strategen

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

61 Prozent der befragten CIOs schätzen ihre aktuellen Kapazitäten als Business-Partner als unzureichend ein.
61 Prozent der befragten CIOs schätzen ihre aktuellen Kapazitäten als Business-Partner als unzureichend ein. (Bild: Deloitte)

Laut einer Studie wünschen sich CIOs in den Unternehmen eine stärkere Einbindung in die strategische Gestaltung sowie Einfluss auf geschäftsrelevante Prozesse. Auf dem Weg zum Business-Partner und Innovationstreiber sind allerdings noch viele Hürden zu überwinden.

Bei CIOs steht die Rolle als Business-Partner und Innovationstreiber ganz oben auf der Wunschliste. Fast zwei Drittel beurteilen ihre aktuellen Möglichkeiten in dieser Hinsicht jedoch als nicht optimal. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit begründet sich allerdings nicht in mangelnden verfügbaren Mitteln: Über drei Viertel der CIOs in den maßgeblichen Unternehmen überall auf der Welt verzeichnen mindestens gleichbleibende, oft auch steigende Budgets. Häufig schränken das abweichende Verständnis der Geschäftsbereiche über die Rolle der IT im Unternehmen oder divergierende Prioritäten die Effektivität der IT ein. Ein weiteres wichtiges Thema auf der Agenda der CIOs ist die Suche nach Talenten mit Fähigkeiten zu strategischem und unternehmerischem Denken – hier ist das Angebot knapp. Das sind einige Ergebnisse der aktuellen CIO Survey 2013 – Reconnect, Rebuild, Reimagine, Redeliver von Deloitte, für die über 700 CIOs in insgesamt 36 Ländern befragt wurden.

„Ungeachtet einiger abweichender Nuancen zeigt die Studie, dass die Wünsche, Ziele und Befürchtungen der CIOs grenzüberschreitend sehr ähnlich sind. Im Fokus steht nahezu durchgehend ein erweitertes Verständnis der Rolle des CIO als strategischer Business-Partner“, erklärt Peter Ratzer, Partner und Leiter Technology Advisory bei Deloitte.

Budgetkürzungen sind (fast) Vergangenheit

Vier von fünf Unternehmen verzeichnen ein gleichbleibendes oder steigendes IT-Budget, entsprechend sank es in lediglich 22 Prozent der Fälle. Erfreulicherweise konnte die sonst stark „Run the Business“-lastige Verteilung der Budgets zugunsten von „Change the Business“ auf 51 Prozent verschoben werden – für über 80 Prozent der CIOs liegt der wesentliche Fokus auf Maßnahmen, welche die Erfüllung neuer Business-Anforderungen unterstützen.

Business-Partner

Die Rolle des CIO verändert sich von der reinen Support-Funktion zum Business-Partner. So sehen 70 Prozent der CIOs ihre künftige Aufgabe darin, als Business-Partner die Unternehmensstrategie zu unterstützen und zu beeinflussen. Allerdings beurteilen 61 Prozent ihre aktuellen Kapazitäten hierzu als unzureichend und sehen die derzeitigen Stärken vor allem im exzellenten Service.

„Die zunehmende Digitalisierung nahezu sämtlicher Bereiche bietet ausreichend Chancen, die Rolle der CIOs in die gewünschte Richtung zu entwickeln. Dies sollte oberste Priorität für CIOs sein“, empfiehlt Jürgen Lademann, Partner Technology Advisory bei Deloitte.

Talente gesucht

Die Suche nach geeigneten Nachwuchskräften ist ein weiterer wichtiger Posten auf der Prioritätenliste der CIOs – und kann ebenfalls Schlüssel zur angestrebten Statusveränderung sein. Über die Hälfte der Befragten hat Probleme bei der Rekrutierung. Gesucht werden Mitarbeiter, die vor allem über ein bestimmtes Business- und Strategieverständnis verfügen. 42 Prozent wünschen sich zudem Fähigkeiten bei der Business-Analyse, 29 Prozent im Bereich Analytics & Big Data. Gerade in der Neugestaltung der IT-Rollen, dem Zugang zu innovativen Projekten und maßgeschneiderter Mitarbeiterentwicklung sehen CIOs Ansatzpunkte, begehrte Talente zu werben und zu halten – Maßnahmen, die für eine langfristig effektive IT-Organisation zwingend notwendig sind.

Innovationspotenziale unzureichend genutzt

In Zeiten rasanter Technologieentwicklung kann gerade die IT maßgeblich zur Innovation beitragen. Zwei Drittel der Befragten bewerten Innovation als Schlüsselelement für die Business-Strategie ihres Unternehmens. Drei Viertel verfügen eigenen Angaben zufolge über ein tiefes Verständnis darüber, wie die IT die Innovationsstrategie ihres Unternehmens unterstützen kann. Auf der anderen Seite aber sehen 69 Prozent die IT derzeit nicht als Innovationsförderer. Etwas über die Hälfte glaubt, dass schmale Budgets und andere Hürden die Entwicklung bis auf Weiteres verhindern oder bremsen. Ungenutztes Innovationspotenzial findet sich insbesondere bei der Nutzung von Big Data/Analytics-Themen, die als strategisches Asset auch im Fachbereich eine große Rolle spielen und somit für die IT einen entsprechenden Hebel für die Demonstration ihres Wertbeitrags zum Unternehmen darstellen.

Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten

Obwohl sich die Wünsche und Sorgen der CIOs weltweit erstaunlich ähneln, gibt es durchaus regionale Unterschiede. In Westeuropa fallen vor allem der Mangel an Talenten mit Kommunikations- und Analysequalifikationen sowie hohe, budgetbedingte Hürden für das Business-Partnering auf. In Nordeuropa gibt es einen überdurchschnittlich starken Trend zum „Business as usual“, in Südeuropa dominieren schrumpfende Budgets sowie ein Mangel an Talenten mit Compliance- und Risk-&-Security-Kompetenzen.

„CIO ohne Einfluss? Ein Drittel der Befragten möchte einen wesentlichen höheren Einfluss auf die Entwicklung des Unternehmens haben und sieht hierin auch einen wesentlichen Grund zu wechseln. Gerade die technologische Entwicklung und die damit verbundene zentrale Rolle für Unternehmen sollte dazu führen, die Position des CIO in der C-Suite deutlich zu betonen, um mögliches Potenzial heben zu können“, schließt Peter Ratzer.

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