Paessler-Umfrage mit überraschenden Ergebnissen

Aus dem (wahren) Leben eines IT-Admins

| Autor / Redakteur: Marius Schenkelberg / Andreas Donner

Die allgemeine Wahrnehmung im Bezug auf den Job des Admins weicht teilweise stark von der Realität ab.
Die allgemeine Wahrnehmung im Bezug auf den Job des Admins weicht teilweise stark von der Realität ab. (Bild: Paessler AG)

Verfolgt man die aktuellen Themen in den IT-Medien, scheint sich der Arbeitsalltag des Admins hauptsächlich um die Einführung von Lösungen rund um Themen wie SDN, IoT und Big Data zu drehen. Aber ist das tatsächlich so?

Diese Frage stellte sich auch die Paessler AG, Hersteller der Monitoring-Lösung PRTG Network Monitor, und fragte: Ist der Arbeitsalltag der IT-Admins im Mittelstand tatsächlich so, wie er uns oft suggeriert wird? Sind die Trends in den Medien wirklich relevant für seinen Arbeitsalltag? Diese Fragen stellte Paessler 669 Administratoren weltweit und erkundigte sich umfassend nach deren „IT-Admin-Realität“. Die Ergebnisse überraschen zum Teil.

Betrachten wir zunächst den Administrator selbst – in welcher Branche arbeiten die Befragten schon wie lange und mit welchen Spezialgebieten? Mit rund 43 % ist ein Großteil der Befragten in der IT- und Telekommunikationsbranche tätig. Rund ein Drittel ist schon mehr als zehn Jahre als IT-Administrator tätig. Mehr als drei Viertel der befragten Administratoren können mehr als drei Jahre Berufserfahrung vorweisen, über ein Drittel sogar mehr als zehn; der Rest sind quasi „Neulinge“. Paessler konnte somit einen Pool mit vielen erfahrenen Administratoren befragen.

Auch wollte Paessler wissen, wie sich die Arbeitsverhältnisse der Befragten darstellen: Mehr als die Hälfte haben zwischen zwei und zehn Mitstreiter (54,1 %); 11,4 % sind alleinverantwortlich in ihrem Bereich. Fast 40 % haben dabei zwischen 151 und 750 Geräte in ihrem Unternehmen zu verwalten. Immerhin 30 % müssen sogar mehr als 750 Geräte im Auge behalten; fast genauso viele haben wiederum weniger als 150 Geräte im Blick. Schließlich fragte Paessler nach, inwiefern sich die einzelnen Studienteilnehmer als Spezialisten in welchem Bereich begreifen. Die überwältigende Mehrheit von 71,3 % grenzte ihr Fachgebiet gar nicht erst ein sondern bezeichnete sich als „IT-Generalist“.

„Wahrnehmung versus Wirklichkeit“…

…ist der Titel der Umfrage. Paessler will wissen, was die wahren Stories sind, die den Admin interessieren bzw. ob die Top-Themen in der Presse auch tatsächlich dessen Nerv treffen: Software-Defined Networks (SDN), hyperkonvergente Systeme und das Internet of Things (IoT) waren 2016 die meistgetriebenen Themen in der IT-Fachpresse. Aber wie relevant sind sie tatsächlich für den Arbeitsalltag des Administrators in einem mittelständischen Unternehmen?

Um eine realistische Einschätzung zu erhalten, fragte Paessler: „Welche Technologien nutzen Sie bereits oder möchten Sie in der Zukunft nutzen?“ Interessanterweise zeigte sich, dass mit nahezu 90 % die überwältigende Mehrheit bereits Technologien aus dem Bereich „Virtualisierung“ einsetzt. Rund 5 % planen deren Einsatz, weitere 5 % sehen derzeit keinen Bedarf. An zweiter Stelle der eingesetzten Technologien rangiert Netzwerk-Monitoring. Rund 85 % setzen entsprechende Software ein, bei 10 % sind entsprechende Pläne vorhanden, nur 5 % kommen noch ohne aus.

Auf Platz drei folgen Technologien, die viele sicher weiter oben – vielleicht sogar auf Rang eins – erwartet hätten: nämlich die aus dem weiten Feld der IT-Security. Erstaunlicherweise gaben weniger als 70 % an, IT-Sicherheitssysteme zu verwenden. Der Anteil derer, die die Installation eines Sicherheitssystems planen, und derjenigen, die derzeit keinen Bedarf sehen, hält sich die Waage. Mit Blick auf die Cyberattacken und Schreckensmeldungen der vergangenen Monate sind dies erstaunliche, wenn nicht gar bedenkliche Zahlen.

Mit rund 60 % noch gut im Rennen der eingesetzten Technologien liegen die Cloud-Dienste. Im Vergleich zu den drei Erstplatzierten denken in diesem Bereich aber deutlich weniger Entscheider darüber nach, entsprechende Dienste einzusetzen (8 %). Deutlich größer ist der Anteil derer, die von der Wolke lieber (noch) die Finger lassen (22 %). Die genannten Technologien sind auch die einzigen, bei denen der Anteil der Nutzer größer ist als der der Nicht-User bzw. Skeptiker. Die Hybrid Cloud, Container, das Internet der Dinge oder Big Data Management sind allesamt wenig eingesetzte Technologien. Auf dem letzten Platz der Angaben liegt tatsächlich das Software-Defined Networking (SDN). Nur rund 8 % nutzen entsprechende Technologien, 12 % denken darüber nach, doch die große Masse von 80 % hat derzeit keine Pläne in dieser Richtung.

Was Admins wollen

Eines der wichtigsten Kriterien für Arbeitnehmer heutzutage ist der Spaß an der Arbeit; für viele sogar ein Faktor, der den Verdienst in seiner Bedeutung übertrifft. Der Paessler AG geht es deshalb auch darum herauszufinden, an welchen Aufgaben die Admins den meisten Spaß haben – und wie viel Zeit sie letztlich mit diesen Aufgaben verbringen können. Die Auswertung von „Was sind Ihre Lieblingsaufgaben und wie viel Zeit verbringen Sie damit?“ ergab, dass die Implementierung neuer Hardware den Admins von heute am meisten Spaß macht. Jedoch steht nur verhältnismäßig wenig Zeit dazu zur Verfügung, obwohl der Zeitaufwand relativ hoch eingeschätzt wird.

Auf den weiteren Plätzen der Beliebtheitsskala folgen die Aufgabenbereiche „Hardware-/Software-Evaluation“, „Software-Installation“, „IT-Sicherheit“ und „Netzwerk-Monitoring“ – allesamt Aufgaben, die von den Befragten mit durchschnittlich 4 von 5 Punkten bewertet wurden.

Die Bereiche Wartung, Sicherung der Office-Produktivität und Help-Desk-Support machen am wenigsten Spaß, nehmen dafür aber sehr viel Zeit in Anspruch. Insbesondere beim Support ist das Missverhältnis Spaß versus Zeitaufwand am größten. In diesen Bereichen spielt den Administratoren das als Aufgabe relativ beliebte Netzwerk-Monitoring zu, denn es hilft, Ausfälle und Beeinträchtigungen der IT-Infrastruktur zu vermeiden.

Durch das Sammeln und Auswerten historischer Daten erlaubt Netzwerk-Monitoring das langfristige Optimieren der Infrastruktur. Dazu gehört auch die Evaluierung und Implementierung neuer Technologien, Applikationen und Geräte. Und im Gegensatz zu Wartung und Support werden Evaluierung und Implementierung neuer Hard- und Software gern erledigt – und sind langfristig ebenfalls wichtig; schließlich hilft langfristige Optimierung die Aufwände für Wartung und Support zu verringern und die generelle Performance der IT-Infrastruktur nachhaltig zu steigern. Es steht lediglich zu wenig Zeit dafür zur Verfügung, wenn der Admin ständig Feuerwehr spielen muss.

Admin-Job hat sich verändert

Stetig ist der Wandel. Dieser altbekannte Spruch trifft nach den Umfrageergebnissen von Paessler insbesondere auf den Beruf des IT-Administrators zu. Auf die Frage „Wie sehr hat sich Ihr Job in den letzten fünf Jahren verändert?“ antwortete fast die Hälfte, dass es durchaus nennenswerte Veränderungen gab. Exakt 30 % gaben sogar an, der Job habe sich komplett geändert. Bei weniger als 6 % ist anscheinend alles so geblieben, wie es im Jahr 2011 schon war.

Die voranschreitende Virtualisierung, die zunehmende Nutzung von Cloud-Diensten und das an Bedeutung zunehmende Internet der Dinge haben einen entscheidenden Anteil daran. Gerade am Beispiel der Virtualisierung zeigt sich eine Entwicklung, wie sie für den Beruf des IT-Admins typisch ist: Vor zehn Jahren hat fast die gesamte IT-Welt über Virtualisierung gesprochen, aber nur die wenigsten KMU hatten entsprechende Technologien bereits eingeführt. Heute ist Virtualisierung quasi Standard, wie die Paessler-Umfrage zeigt. Eine ähnliche Entwicklung könnte z.B. SDN nehmen, allein schon aus der Gesetzmäßigkeit heraus: Je mehr Zeit vergeht, desto erprobter und günstiger werden in der Regel neue Technologien.

Wir sprechen uns diesbezüglich in zehn Jahren noch einmal.

Über den Autor

Marius Schenkelberg ist freier Journalist.

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