Internet-Geschichte

20 Jahre World Wide Web – ein Weg in 10 Etappen

| Redakteur: Franz Graser

boo.com und das Ende des Dotcom-Booms

Der weibliche Avatar „Miss Boo“ sollte die Kunden auf ihrer Shopping-Tour auf der Website boo.com begleiten.
Der weibliche Avatar „Miss Boo“ sollte die Kunden auf ihrer Shopping-Tour auf der Website boo.com begleiten. (Bild: Boo.com)

In den Anfängen des Internetzeitalters stellten vor allem Geschäftsleute immer wieder dieselbe Frage: „Wie kann man im Netz Geld verdienen?“ Lange nämlich galt das Web als Spielwiese für Nerds, die dort abseitiges Wissen veröffentlichten. Aber abgesehen von den Firmen, die Infrastruktur-Software für das Netz herstellten, schien der kommerzielle Nutzen des Webs zweifelhaft zu sein.

Internethändler wie Amazon.com bewiesen zwar früh, dass sich das Geschäftsmodell des Versandhandels relativ leicht auf das Web übertragen ließ, aber Amazon brauchte fast sieben Jahre, bis es den ersten Gewinn verbuchen konnte. Außerdem verlegte sich Amazon auf Bücher – also eine Warengruppe, die nicht verderben kann, keinen Moden unterliegt und leicht transportierbar ist.

Riskanter war da schon der Online-Modeshop boo.com, der 1999 von einem schwedischen Unternehmerpaar gegründet wurde. Boo.com spezialisierte sich auf teure Markenkleidung, unterhielt ein repräsentatives Hauptquartier in London und wurde schon vor dem Verkauf des ersten Kleidungsstücks als eine der coolsten Firmen Europas gefeiert.

Boo.com machte jedoch so viele Fehler, dass es als exemplarisches Beispiel dafür dienen kann, wie man ein Internet-Startup besser nicht aufzieht. Ein Problem war zum Beispiel die mangelnde Benutzerfreundlichkeit der Website. Die Datenmengen, die zu laden waren, bevor man die Eingangsseite überhaupt sehen konnte, betrugen mehrere hundert Kilobyte. In einer Zeit, in der die meisten User noch mit Telefonmodems ins Internet gingen, war dies unzumutbar.

Außerdem machte die Seite sehr viel Gebrauch von Techniken wie Javascript und Flash. Damit sollte eine dreidimensionale Darstellung eines Kleidungsstücks erreicht werden, was aber die technischen Möglichkeiten vieler PCs der damaligen Zeit überforderte.

Dazu kamen organisatorische Probleme, da die Zahl der Mitarbeiter innerhalb weniger Monate von rund 40 auf das Zehnfache anstieg. Auch Gerüchte über extravagante Parties machten die Runde, die die Boo-Gründer aber in Interviews zurückwiesen.

Innerhalb von 18 Monaten wurden 135 Millionen Dollar an Wagniskapital durchgebracht, so dass boo.com im Mai 2000 schließen musste. Die Boo-Pleite löste das Ende des Dotcom-Booms aus, da von da an die Skepsis gegenüber Internet-Startups und der Tragfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle zunahm.

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