Internet-Geschichte

20 Jahre World Wide Web – ein Weg in 10 Etappen

| Redakteur: Franz Graser

Der Netscape-Browser

Mitte der neunziger Jahre war der Netscape-Browser der am weitesten verbreitete Schlüssel zum Internet. Der spektakuläre Börsengang des Unternehmens leitete den Dotcom-Boom ein.
Mitte der neunziger Jahre war der Netscape-Browser der am weitesten verbreitete Schlüssel zum Internet. Der spektakuläre Börsengang des Unternehmens leitete den Dotcom-Boom ein. (Bild: Netscape/AOL)

1994 steckte das Web noch in den Kinderschuhen. Aber mit Netscape entstand das erste Unternehmen, das versuchte, mit dem neuen Medium Geld zu verdienen. Gründer waren der damals erst 23-jährige Marc Andreessen, der als Student den Web-Browser NCSA Mosaic entwickelt hatte, und Branchenveteran Jim Clark, der das Unternehmen Silicon Graphics ins Leben gerufen hatte.

Der Browser Mosaic erlaubte es, Bilder und Grafiken nicht in separaten Fenstern, sondern eingebettet in den Text anzuzeigen. Darüber hinaus war er auch für Rechner mit Microsoft-Betriebssystemen verfügbar. Erstmals war es möglich, Web-Inhalte auf vergleichsweise komfortable Weise mit einem mausgesteuerten Interface zu durchforsten.

Der Netscape-Browser baute zwar auf den Erfahrungen von Mosaic auf, enthielt aber keinen Code des Vorgängers. Die erste Version des Netscape-Browsers erblickte im Oktober 1994 das Licht der Öffentlichkeit, allerdings noch unter dem Namen Mosaic Netscape. Erst kurz darauf wurden die Firmierung und auch der Name des Browsers in Netscape geändert.

Der Netscape-Browser war schneller als das Mosaic-Programm. Zudem erhielt die zweite Version des Browsers ein E-Mail-Programm, das Mails, die in HTML formatiert waren, korrekt darstellen konnte. Zudem entwickelte Netscape den Secure Socket Layer für die sichere Datenübertragung im Netz – wichtig für den Handel im Internet – und die Skriptsprache Javascript.

Netscape vertrieb seine Browser kommerziell, darüber hinaus stellte das Unternehmen auch kommerzielle Webserver-Software her. Als das Unternehmen 1995 an die Börse ging, schoss der Wert der Aktie bereits am Ausgabetag von eigentlich vorgesehenen 28 Dollar auf zwischenzeitliche 75 Dollar.

Als die Börse schloss, betrug der Aktienkurs 58,25 Dollar und Netscape war 2,9 Milliarden Dollar wert, obwohl es bis dahin noch keinen Gewinn gemacht hatte. Der spektakuläre Börsengang löste eine wahre Internet-Euphorie an den Aktienmärkten aus, die erst nach der Jahrtausendwende abebbte.

Mit dem großen Erfolg machte sich Netscape aber alsbald den mächtigen Softwarekonzern Microsoft zum Feind. Netscape propagierte Ideen, die man als Vorläufer des Cloud-Computing werten kann. Dies hätte aber Betriebssysteme wie Windows auf Dauer irrelevant gemacht. Microsoft reagierte, indem es den Browser Internet Explorer – der seinerseits auf einer Mosaic-Variante basierte – entwickeln ließ und ab Windows 98 mit dem Betriebssystem bündelte.

Damit war Netscape eine Umsatzquelle entzogen, denn Windows-User hatten nun einen vorinstallierten Browser und brauchten Netscape nicht mehr extra zu kaufen. Dazu kam, dass spätere Versionen des Netscape-Browsers mit langen Entwicklungszeiten und Stabilitätsproblemen zu kämpfen hatten. Dieser sogenannte Browser-Krieg führte dazu, dass Microsofts Internetr Explorer nach wenigen Jahren den Markt für Internet-Zugangsprogramme dominierte.

Das Unternehmen Netscape wurde 1997 von AOL übernommen. Kurz zuvor wurde der Quellcode der Netscape-Browsersoftware freigegeben und an die Mozilla Foundation übergeben. Insofern ist der quelloffene Firefox-Browser, der von Mozilla stammt, ein entfernter Nachfahre des Browser-Pioniers.

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